MIT DEM ROTEN PASS RICHTUNG DTM-TITEL

Der in Genf geborene Edoardo Mortara (29) kann der erste DTM-Champion mit Schweizer Pass werden.

Seit wenigen Wochen besitzt Edoardo Mortara nebst dem italienischen auch den Schweizer Pass und ist damit quasi der erfolgreichste Schweizer DTM-Fahrer aller Zeiten. Am Wochen­ende feierte der 29-jährige  Wahl-Genfer in Budapest (s. Text S. 20) seinen siebten Sieg im Rahmen des Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM). Vor dem Finale auf dem Hockenheimring vom 14. bis 16. Oktober beträgt Mortaras Rück­stand auf den Gesamtleader Marco Wittmann «nur» 14 Punkte.

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Action auf der Strecke
Edoardo «Edo» Mortara wuchs in der Schweiz auf. Seine Mutter ist Französin, sein Vater Italiener. Wenn er gewinnt, erklingt darum die Hymne Italiens. Seit 2006 ist er an der Université Institut de Finance et Management in Genf einge­schrieben und studiert dort, wenn er die Zeit hat, Wirtschaftswissenschaften. 2012 absolvierte er den Bachelor of Business Administration. Für Action sorgt der Genfer auch auf der Strecke, auf der er heuer schon etliche  spektakuläre Manöver ablieferte. Mortara scheint in der  Form seines Lebens. Vier Siege, zwei dritte Plätze und sieben Platzierungen in den Top 10 spülten eine Menge Punkte auf sein Konto. Vor dem letzten Lauf ist er darum der Einzige, der Wittmann dessen zweiten DTM-Titel noch entreissen kann. Jamie Green hat nur noch theoretische Chancen.

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Der junge Vater
Abseits der Strecke hat sich für Mortara vor gut zwei Monaten, als seine Tochter Sofia auf die Welt gekommen ist, einiges verändert. Den Jungvater scheint dieses Ereignis eher zu beflügeln denn langsamer zu machen. «Natürlich sind die ersten Monate etwas schwierig – Sofia ist ja unser erstes Kind.  Aber inzwischen haben meine Frau und ich uns an die neue Situation gewöhnt, alles hat sich ganz gut eingespielt, also kein Problem», sagt Papa Mortara. Auf die Frage, wie er seine Frau, mit der er seit 2014 verheiratet ist, kennen- und lieben lernte, sagt «Edo»: «Wenn man so viel unterwegs ist, ist das schon schwierig, jemanden kennenzulernen. Ich habe meine Frau in Genf getroffen. Seit sieben Jahren sind wir jetzt ein Paar und haben vor zwei Jahren geheiratet.» Und warum sieht man seine Frau nie an der Rennstrecke? «Das liegt vor allem daran, dass ich das nicht möchte. Die Rennstre­cken sind sozusagen meine Arbeitsplätze. Ich finde es völlig normal, dass meine Frau dann nicht dabei ist», so Mortara. Denn: «Wer nimmt seine Frau schon mit an seinen Arbeitsplatz? Ich halte es für besser, Berufliches und Privates strikt zu trennen.»

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Keine Superlative
Nicht nur privat läuft es bei Edoardo Mortara derzeit prima. Wie erwähnt, flutscht es auch auf der Strecke, und der Titel ist noch möglich. «Ja, es läuft in diesem ­Jahr sehr gut, aber ich bin weit davon entfernt, irgendwelche Superlative zu benutzen. Das Gefühl im Auto stimmt, wir sind in der Regel ganz vorne mit dabei und machen wenige Fehler. Ich habe schon vier Rennen gewinnen und einige Podestplätze feiern können, was sehr schön ist und Selbstvertrauen gibt.» Es sei jedoch keine fantastische Saison. «Schliesslich führen wir weder in der Fahrer- noch in der Her­steller- noch in der Teamwertung.» Nun, das könnte sich im letzten DTM-Event des Jahres ja noch ändern, wenn Mortara BMW-Pilot Wittmann noch abfängt und sich nach dem zweiten Gesamtrang im Vorjahr doch noch die Krone sichert. DTM-Leader Wittmann beschreibt sich selbst als vorsichtigen, überlegten Fahrer. Und wie würde sich Mortara beschreiben? «Marco hat leicht reden. Wenn man vorne ist, mit breiterem Flügel und leichterem Auto unterwegs ist, kann man sich Vorsicht auf der Strecke auch leisten (lacht). Wir als Verfolger müssen schon aggressiver zu Werke gehen. Dabei ist es aber wichtig, die richtige Balance zu finden. Man darf es nicht übertreiben.»
Der Neo-Schweizer kommt nun also als erster Verfolger von Marco Wittmann ans Saisonfinale auf den Hockenheim­ring. Es gab eine Zeit in dieser Saison, als Audi nicht mehr auf Mortara, sondern auf Jamie Green setzte. Dies, nach­dem der Wahl-Schweizer Mitte Juli in Zandvoort (NL) eine ungerechtfertigte Durchfahrtsstrafe kassierte und viele Punkte einbüsste. Wie war das für Mortara? «Wir lagen in Moskau und auf dem Nürburgring eng beieinander, er hatte jedoch etwas mehr Punkte auf dem Konto. Klar habe ich ihn in dieser Phase unterstützt. Nun bin ich der beste Audi-Pilot und ich denke, dass er mir genauso helfen wird, wie ich es bei ihm getan habe.»

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Praktisch schon ein Stern
Das mit Audi könnte indes bald vorbei sein. Hinter den Kulissen steht so gut wie fest, dass Mortara 2017 von Audi zu Mercedes wechseln wird. Es wäre das erste Mal seit Ende 2012, dass ein Fahrer zwi­schen zwei Herstellern innerhalb der DTM wechseln würde. Damals wagte der genannte Jamie Green den Sprung von Mercedes zu Audi. Nun könnte also Mortara, der seit 2011 für die Ingolstädter fährt, den umgekehrten Weg gehen. Offiziell gibt es weder von Audi noch von Mercedes eine Stellungnahme. «Wir äussern uns zu unserem Fahrerkader erst, wenn dieser für die kommende Saison aufgestellt ist», heisst es vonseiten der Stuttgarter. Wer will es jemandem von den Betroffenen verübeln …
Dass es noch keine offizielle Bekannt­gabe gibt, hat aber auch noch einen anderen  Grund. Aktuell steht noch immer ­nicht fest, wie genau es in der DTM 2017 weitergeht. Eine Verkleinerung des Feldes von 24 auf 18 Autos – also 6 pro Hersteller – gilt eigentlich bereits als beschlossen, doch bei der jüngsten ITR-Beiratssitzung wurde noch keine offizielle Entscheidung erreicht. So ist unklar, ob die Hersteller nun in der kommenden Saison sechs oder acht Autos einsetzen. Das macht logischerweise auch die Bekanntgabe der Fahrerkader für 2017 vorerst unmöglich.

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