DIE GRENZEN KENNEN

Autonomen Autos gehört die Zukunft. Mit der Frage, was bis dahin ist, befasste sich die bfu.

Francesco Greco, Experte Produkte-Test vom TCS mit einem Volvo V90 bei der Probefahrt auf der Autobahn.

Weniger Staus, weniger Unfälle und weniger Platzbedarf: Diese Vorteile autonomer Fahrzeuge sind auch für die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) unbestritten. Doch bis effektiv auf den Strassen nur noch voll automatisierte oder sogar fahrer­lose Fahrzeuge zirkulieren werden, ist noch ein langer Weg. Kommt hinzu, dass angesichts der Durchmischung des Wagenparks und dem Vorhandensein technisch veralteter Fahrzeuge wie Oldtimer eine völlige Durchdringung mit solchen Fahrzeugen unmöglich erscheint.
Obwohl von Experten dieser Zeitpunkt nicht vor 30 Jahren erwartet wird, zirkulieren bereits heute sogenannte assistierte oder teilautomatisierte Fahrzeuge in zunehmend wachsender Stückzahl. Aus Sorge um diese uneinheitlichen Standards sowie vor allem auch wegen der Ungewissheit einer korrekten Anwendung dieser Systeme hat sich die bfu dieses Themas angenommen. Schliesslich soll das autonome Fahren die Sicherheit erhöhen, denn noch immer gilt der Mensch auf den Strassen als das grösste Risiko.

Vom Autofahrer zum Autoüberwacher
Weil sie sich nicht zuletzt darum sorgt, wie der eingeleitete Prozess vom Autofahrer zum Autoüberwacher gemeistert werden kann, organisierte die Beratungsstelle für Unfallverhütung zum einen vergangene Woche in Bern eine Tagung zum Thema, zum anderen wurden die heute verfügbaren Systeme in diversen Praxistests in unterschiedlichen Fahrzeugen auf ihre Zuverlässigkeit und Funktionsweise hin untersucht.
«Wir stellten im Rahmen der Versuche bei diesen Systemen diverse Limiten fest», zieht Stefan Siegrist, stellvertretender Direktor bfu, ein vorläufiges Fazit. Die Tests erfolgten auf der Autobahn unter realen Bedingungen, dabei wurde an Systemen namentlich die Funktionsweise von adaptiven Tempomaten in Verbindung mit Spurhalteassistenten geprüft. Doch gerade für Stefan Siegrist bieten diese Systeme ein grosses Potenzial an Unsicherheit: «Sie funktionieren nur in einem begrenzten Anwendungsumfeld auf der Autobahn und nur unter den besten Bedingungen.» Der bfu-Kader-Mann erinnert an kritische Situationen, etwa im Umfeld von Baustellen, wo diese Systeme bereits wegen einer unterschiedlichen Färbung der Bodenmarkierung beeinträchtigt sein können.

Der Faktor Mensch bleibt (noch)
Für Stefan Siegrist ist klar, dass heutige Assistenten «noch keine reinen Sicherheitssysteme sind, sondern primär einen Komfortgewinn darstellen». Wie die bfu schreibt, müssten Autofahrende, weil das Auto noch nicht zu allem fähig sei, jederzeit sofort übernehmen können.
Hier ortet Siegrist denn auch eine weitere Gefahr, denn der Mensch dürfe nicht überschätzt werden. Er könne nicht dauernd die Funktion der Systeme überwachen. Die bfu will deshalb für die Grenzen der Assistenten sensibilisieren, die man auch nicht überschätzen dürfe. Der Blick gehört immer auf die Strasse und die Hände ans Lenkrad, rät die bfu.

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