EDITORIAL: OHNE UMWEGE ZURÜCK ZUM START

Ein Beispiel für Alfa Romeo in einer Hochphase: Die Giulietta Sprint Zagato von 1960. © MSI

Es gibt zahlreiche Zäsuren in der Geschichte von Alfa Romeo. Grossartige Höhepunkte mit Modellen wie dem ­8c 2300 «Monza» mit 8-Zylinder-Kompressormotor von 1931 oder der Gewinn der ersten Formel-1-Weltmeisterschaft im Jahre 1950 mit der Alfetta stehen erschütternden Tiefpunkten gegenüber. Wer erinnert sich etwa noch an das horrible Projekt «Arna», eine verquere Mischung aus der Karosserie eines Nissan Cherry und der Technik des Alfasud aus den 1980er-Jahren? Beiden Extremen gemeinsam ist die Tatsache, dass Alfa Romeo anders ist, intensiver in den Höhen wie auch in den Tiefen. Nach Jahren der Krise und einem selbst gewählten Rückzug steht die Marke nun seit einiger Zeit wieder an einem Punkt, wo ein erneuter Höhenflug ansetzen könnte. Die Zeichen dazu stehen so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Unser bekennender Alfista Lorenzo Quolantoni ist zur Ergründung möglicher Zukunftswege der Marke einer Einladung des Werks gefolgt und durfte die geheime Wiege der Alfa-Renaissance von innen betrachten. Ein Interview mit Alfa-Romeo- Technik-Chef Roberto Fedeli lässt dazu die Philosophie dahinter erkennen. Klar ist, Alfa Romeo hat Charakter und polarisiert. Ein gutes Beispiel dazu liefert unser Vergleichstest aus den Federn von Peter Rohrer und Lorenzo Quolantoni zur Giulia mit Diesel- oder Benzinmotor. Die Fragen bleiben dabei offen: Wird die Marke mit der Drachenschlange es schaffen, neue Fans zu gewinnen und für das Mutterhaus FCA (Fiat Chrysler Automobiles) neue Märkte zu erschliessen? Werden die Italiener, wie angekündigt, eine nahezu vollständige Modellpalette mit acht Varianten bis 2020 auf die Beine stellen können? Er wäre ihnen zu wünschen. Denn in einer automobilen Welt mit immer mehr gleichschaltenden Regulatorien und Normierungen, produktionsoptimierten, doch austauschbaren Plattformen und viel Badge-Engineering ist es mehr als anerkennenswert, wenn ein Hersteller sich die Mühe macht, eine Marke von Grund auf neu zu lancieren und dazu seinem Entwicklungsteam Carte blanche zu erteilen. Das zeugt von Charakter.

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