ALFA ROMEO: MIT REANIMIERTER LEGENDE IN DIE ZUKUNFT

Eines steht fest: Das Sauber-Formel-1-Team wird 2018 sowieso viel Aufmerksamkeit geniessen. Der neue, legendäre Partner Alfa Romeo ist mit den aktuellen Modellen lebendiger denn je. Dieser «Drive» soll sich nun auch auf der Rennstrecke spiegeln.

Wer einen Alfa Romeo fährt, sagt: «Ich bewege kein Allerweltsauto, sondern bekenne mich zu Leidenschaft.» Seit Jüngstem ist klar, dass die magische Marke fortan Hauptsponsor und technischer Partner des Formel-1-Teams Sauber ist. Der Hinwiler Rennstall ist eine mehrjährige Partnerschaft mit der zum Fiat-Konzern gehörenden Traditionsmarke eingegangen. Es handle sich um eine «strategische, kommerzielle und technologische Zusammenarbeit», heisst es vonseiten Sauber. Man verspricht sich demnach den «Austausch von Know-how». Sauber hofft, dass in Zukunft auch Ingenieure von Alfa und Ferrari in Hinwil ZH arbeiten. Die Schweizer werden 2018 ja nicht mit Vorjahresmotoren von Ferrari «abgespiesen», sondern mit brandaktuellen Aggregaten antreten. Vielleicht reicht das, um wieder in den Kampf um Punkte einzugreifen. «So eng mit einem Hersteller zusammenzuarbeiten, ist für Sauber auf jeden Fall eine grosse Chance», sagt Pascal Picci. Letzterer ist operativer Leiter der Longbow Finance SA mit Sitz in Lutry VD, welche die schwedischen Sauber-Besitzer von Tetra Laval, also der Familie Rausing, vertritt. Fiat-Chef Sergio Marchionne seinerseits ortet für die Traditionsmarke Alfa Romeo die Möglichkeit, «ein aufregendes neues Kapitel deren legendärer Sportgeschichte zu schreiben». Auch sei die Einigung mit Sauber «ein essenzieller Schritt für die Neuausrichtung der Marke Alfa», betont Marchionne. Der Italo-Kanadier hatte 2014 angekündigt, bis 2018 fünf Milliarden Euro in Alfa investieren zu wollen, um die seit 1987 zum Fiat-Konzern gehörende Marke zu altem Glanz und Gloria zurückzuführen. Ob es so viel sind, sei dahingestellt. Die Sanierung von Alfa Romeo ist auf jeden Fall auch ein Kernstück der Fiat-Chrysler-Strategie. Die Marke hatte in den letzten Jahrzehnten ihre Identität nahezu gänzlich verloren und  im Grunde mausetot – nur noch eine Dekoration ihrer selbst. Vorbei die Zeiten, als Alfa Autos wie den  Spider baute, der im Film «Reifeprüfung» von Dustin Hoffman gefahren wurde.

Allein, mit der Giulia brachte der ­Fiat-Boss das Cuore Sportive im Vorjahr wieder zum Schlagen. Und wie die 510 für den Mittelstand produzierten Ferrari-PS sorgen nicht nur bei den Alfisti für Entzücken und Jubilieren. Da ist es wieder, eines jener Automobile namens Alfa, das für viele die Synthese aus Schönheit und Temperament ausmacht. Ein bezauberndes Gleichgewicht zwischen Vernunft und Gefühl, technischer Kultur und kreativem Design.

Giuseppe «Nino» Farina war 1950 auf der «Alfetta Typ 158» der erste Formel-1-Weltmeister der Geschichte.

Liebling der Schweizer

Die mit der Giulia lancierte Wiederbelebung, sprich die Kurswende alter Glanzzeiten scheint voll zu fruchten – die Neuen finden sehr viele Freunde. Soeben hat die grösste, sprachübergreifende Auto-Jury der Schweiz, bestehend aus Leserinnen, Lesern sowie Usern von «Schweizer Illustrierte», AutoScout24, «Blick», «SonntagsBlick», «L’illustré» und «il caffè» und den Besuchern der Auto Zürich Car Show, aus 46 Autoneuheiten «Das Lieblingsauto der Schweizerinnen und Schweizer» gewählt. Über 52 000 Stimmen wurden abgegeben und am Schluss triumphierte  – der Alfa Romeo Stelvio (s. S.14). Damit lag das erste SUV von Alfa, das es bald auch als Quadrifoglio-Variante mit 510 PS gibt, knapp vor dem Volvo XC60. Nicht weniger als 3064 Alfa Romeo wurden heuer von Januar bis Ende November in der Schweiz immatrikuliert. Das entspricht einem Plus von 138.4 % gegenüber dem Vorjahr. Keine andere Marke hat in dieser Zeit derart markant zugelegt. Und mit dem erwähnten Stelvio mit dem zivilen Ferrari-Triebwerk dürfte die Aufwärtstendenz anhalten. Dass Alfa just jetzt auch wieder im Big-Business-Motorsport – vorderhand zwar noch soft via Sauber, aber immerhin – auftaucht, passt in dem Kontest also perfekt zu Marchionnes gelungener Reanimations-Strategie der ruhmreichen Marke.

 

Der «Grösste» «ever» – Juan Manuel Fangio war auch ein «Alfisti».

Medienpräsenz auf sicher

Für Alfa ist es nach mehr als 30 Jahren eine Rückkehr in die Formel 1. Für Sauber ist es neben dem erwähnten und erhofften technischen, finanziellen und strategischen Gewinn auch ein Imagegewinn – keine Frage.  Fortan dürfen und können sich  die Zürcher bei jedem Auftritt auch im Umfeld einer weltberühmten Marke präsentieren. Sauber steigt an der Seite von Alfa sozusagen zum Premium-Label auf. Immerhin fuhren die ersten beiden Weltmeister der Königsklasse Alfa Romeo (s. Text auf dieser Seite). Mit einer solchen Legende, in Logo-Form verewigt auf dem Auto, ist jedem Team Aufmerksamkeit gewiss. Selbst wenn die Hinwiler auch 2018 sportlich keine allzu gigantische Rolle spielen sollten – überall, wo man hinkommt, wird man sich medialer Aufmerksamkeit gewiss sein dürfen  – allein, weil das Auto eben so aussieht, wie es aussieht. Allein dieser Look wird da und dort Journalisten animieren, die grosse Geschichte aufleben zu lassen. Insofern ist Sauber aus Marketingsicht ein bisschen der Vollgaswerbeträger und Promoter der mit Vollgas wiederbelebten Marke Alfa Romeo. «Wir sind stolz, dass diese Firma mit einem solch international hohen Ansehen entschieden hat, bei ihrer Rückkehr in die Königsklasse des Motorsports mit uns zusammenzuarbeiten», erklärt Sauber-Boss Picci. Alfa Romeo steht für kompromisslose Exzellenz «made in Italy». Deshalb ist Alfa noch immer eine der begehrtesten Marken der Welt. Das letzte Kapitel der Legende ist also noch längst nicht geschrieben. Denn: Die Zukunft gehört denen, die eine grossartige Geschichte haben.

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