WENN DER LEHRLING DEM MEISTER AUF DEN FERSEN IST

Volkswagen verwendet für den Polo dieselben Komponenten wie für den Golf V7 GTI. Wir präsentieren einen Vorgeschmack.

Wenn man das Kürzel GTI anspricht, dann meint man meistens den Golf. Er war nicht ohne Grund das erste Auto der Geschichte mit den drei goldenen Buchstaben auf seiner Heckklappe, aber der Golf GTI ist einer der ausgereiftesten sportlichen Vertreter seiner Klasse. Seit seiner ersten Vorstellung im Jahr 1976 gab es zahlreiche Nachahmer in Wolfsburg (D) wie auch bei anderen Marken. Volkswagen hat seine sportlichen Erfolge auch mit anderen Modellen errungen. Und dies mit mehr (Lupo GTI), aber auch mit weniger Erfolg (Polo GTI von 1998). Jetzt stellen die Wolfsburger wieder einen neuen Polo GTI vor, einen extrem ausgereiften sportlichen Kleinwagen, der wie das Standardmodell (Test AR 38/2017) zahlreiche Gemeinsamkeiten mit dem grossen Bruder, dem Golf, aufweist.

Er ist und bleibt ein Bestseller

Den alten Polo GTI in der Schweiz als Erfolgsmodell zu bezeichnen, ist, gelinde ausgedrückt, untertrieben. 20 % der Immatrikulationen des Polo tragen den GTI-Schriftzug. Da Amag bis Ende November dieses Jahres bereits 4864 Polo verkaufte, macht das knapp 1000 Polo GTI. Ja, und das alleine in der Schweiz! Eine hohe (ach was, enorme) Zahl, die aufgrund der überzeugenden Argumente des aktuellen Polo GTI niemanden überrascht. Der Nachfolger hat es also nicht leicht. Die erste Testfahrt des Neuen zeigt jedoch, dass VW diese Herausforderung glänzend gemeistert hat. Der Wurf ist sogar so gelungen, dass der Neue es ohne Weiteres mit den Platzhirschen des Segments wie dem Renault Clio R.S. oder dem Ford Fiesta ST aufnehmen kann. Schauen wir uns diese Armada einmal näher an.

Ein starkes Herz

Die erste Verbesserungsmassnahme von VW betrifft das Herzstück des Sportlers, den Motor. Die Wolfsburger Ingenieure folgten nicht dem Sirenengesang des Downsizings. Seit der letzten Generation (Nr. 5) des Polo GTI mit Namen 6R im Jahr 2010 und dem 1.4-L-TSI mit 180 PS stieg der Hubraum langsam, aber stetig. 2014 wurde anlässlich des Facelifts der 5. Generation ein Hubraumplus von 400 cm³ und 12 Mehr-PS eingeführt (1.8-L-TSI mit 192 PS). Der brandneue Polo GTI kommt jetzt mit dem Aggregat des Golf GTI, d. h. mit dem 2.0-L- TSI, dessen Leistung von 230 PS für den Polo GTI auf 200 PS gedrosselt wurde.

Dank Miller-Zyklus zeichnet er sich durch die variable Steuerung der Einlassventile und doppelte Einspritzung aus: eine direkte (in die Brennkammer) und eine indirekte Einspritzung (in den Ansaugtrakt).

Im Vergleich zum Standardmodell des Polo kommt der GTI serienmässig mit einem Sportfahrwerk inklusive Querstabilisator vorne, spezifischer Federungs- und Druckgas-Dämpferabstimmung sowie Halbstarrachse hinten mit integriertem Querstabilisator daher. Auf Wunsch wird der GTI auch mit «Sport Select»-Fahrwerk und variabler Dämpfungsrate mit Normal- und Sportmodus geliefert.

Die Fahrleistungen des Polo GTI mit DSG6 (die Doppelkupplung ist vorerst alleine verfügbar bis zum Erscheinen des manuellen Getriebes im September 2018) liegen bei 6.7 s von 0 auf 100 km/h.

Dank einer Höchstgeschwindigkeit von 237 km/h ist unser Testwagen auch bestens geeignet für den Rundkurs, obwohl die Vorderachse beim Abrufen aller Pferdestärken rasch an ihre Grenzen stösst. Die Gründe dafür liegen im sagenhaften Drehmoment von 320 Nm, in einer nassen Strecke und einem beneidenswerten Kampfgewicht von 1355 kg (fahrbereit mit 75 kg schwerem Fahrer am Volant).

In Schwarz-Rot

Aussen wie innen findet man die klassischen GTI-Elemente: Karomuster, rote Ziernähte, schwarzer Dachhimmel, wabenförmiger Kühlergrill und Stossfängerkomponenten, rote Bremssättel, spezifischer Frontstossfänger mit Nebelleuchten und natürlich rote Streifen. Mit den optionalen LED-Scheinwerfern verlängern sich die roten Streifen bis in die Scheinwerfer. Als Erinnerung an die beiden ersten Golf-GTI-Modelle mit teilweise schwarz lackierter Heckklappe ist der zweiteilige Dachspoiler des Polo GTI einmal in Karosseriefarbe und einmal in Schwarz erhältlich. Die Auspuffendstücke an beiden Seiten des Heckstossfängers bleiben dem Golf vorbehalten; der Polo muss sich, wie sein Vorgänger, mit einem Doppelauspuff auf der linken Seite begnügen. 

Der Polo GTI ist zum Einstiegspreis von 31 700 Franken inklusive 215/45er-Bereifung auf 17-Zoll-Milton-Keynes-Felgen erhältlich. Gegen Aufpreis sind auch 18-Zöller des Typs «Brescia» verfügbar. Die Farbpalette umfasst neue Lacktöne wie «Pure White», «Flash Red», «Deep Black Perlmutt», «Limestone Grey métallic» sowie «Reef Blue métallic». Das Armaturenbrett des neuen Polo gibt es in «Deep iron glossy» oder «Velvet red» im GTI. Dazu gehört ein digitaler Instrumententräger mit Active-Info-Display der letzten Generation, speziell für den GTI, und einer rot dominierten Grafik. Eine Anspielung auf die digitalen Uhren des Golf 2 GTI vor dreissig Jahren.

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