IN SPORTLICHER MISSION MIT DER «KNUTSCHKUGEL»

Die Mini-John-Cooper-Works-Palette beweist im Alltag und auf den Rennstrecken ihre motorsportliche Vergangenheit. Da stecken unheimlich viel Spass-Gene in diesen Autos. Schnelle Kurven sind ihr Ding.

Mit ihrer ruhmreichen, sportlichen Vergangenheit im Gepäck (s. Kommentar unten) geht es auf Erfahrungssammlung. Weil, da stehen sie, die vier neuen Mini-John-Cooper-Works-Modelle. Wenn es darum geht, den rennsportlich, genetischen Fingerabdruck zu hinterlassen, dann hat John Cooper seine Finger im Spiel. Seit zehn Jahren ist die Marke John Cooper Works unter dem Dach von Mini zu Hause. Die Modelle sind der frontgetriebene 3-Türer als Normalo und Cabrio, der Allradler Clubman und selbstverständlich der ebenfalls ALL4-getriebene und Dakar-erprobte Countryman. Letzterer fällt spontan durch seinen Mini-atypischen Blick, sprich die kantigeren «Lampenschirme» an der Front auf. Allein, er ist ja sozusagen der Papa der sportlichen Familie und braucht darum den ganz besonderen Überblick. Sportlich ist das Stichwort. Denn, wo Cooper Works draufsteht, da ist auch im Motorsport entwickelte Leidenschaft, Ehrgeiz, Temperament, Tempo und Agilität drin.
Und, so viel sei vorweggenommen, der Name hält in jeder Beziehung, was er verspricht. Da steckt in jedem der vier John-Cooper-Works-Mini eine fette Portion Fahrspass mit verbriefter Grins-Garantie. Allesamt sind sie mit einem 2-Liter-Vierzylinder-Triebwerk bestückt, das 231 PS abgibt. Die 3-Türer krallen sich die Reifen mit einem maximalen Drehmoment von 320 Nm, die allradgetriebenen Club und Countryman mit 350 Nm. Diese liegen bei zwischen 1250 und 1450 Umdrehungen an. Das sorgt auf dem Weg an die Rennstrecke durch den kurvigen Schwarzwald vorbei an der höchstgelegenen Brauerei Europas, da, wo das Tannzäpfle-Bier herkommt, für dollen Fun. Ein Gefühl wie Super Mario himsielf auf seiner Gokart-Bahn, nur ohne rote Kappe. Ob mit handgeschaltetem 6-Gang-Getriebe oder über die 8-Gang-Automatik via Paddel am Lenkrad bedient, da ist immer mächtig Zug auf den Gummis, um sportlich um die Bögen zu ziehen und flott wieder aus ihnen rauszukommen. Praktisch in jedem Moment ist spontan Kraft abrufbar – auf Wunsch begleitet von mehr oder weniger emotionalem Sound. Beschleunigen tut das Quartett im 6-Komma-irgendwas-Sekunden-Bereich. Alle sind weit über 220 km/h schnell, sofern sie von einem grossen, bösen Wolf gejagt werden sollten. Eine Weltreise punkto Potenz vis-à-vis der Kraftquelle, wie sie noch im Monte-Sieger-Auto von 1964 steckte. Das Fahrwerk, die extra entwickelte Brembo-Bremsanlage, das Aerodynamik-Kit, die Abgasanlage, Sitz … alles ist in der Familie Mini Works sportlich ausgelegt. Damit lassen sich die Agilität und das exakte Handling, das die Mini Cooper einst zu Riesen im Rallye-Sport machte, auch 50 Jahre danach nachfühlen. Im Innenraum erinnert nichts mehr an «Spartanicus». Da gibt es Leder, Assistenzsysteme, eine mehrfarbige Motordrehzahlskala (je nach Modus), ein Head-up-Display, Sitze in feinem Stoff mit oder ohne Lederkombination, feines Audiosystem und Navigationsgerät auf einem 8.8-Zoll-(22.3-cm-)Bildschirm, Bluetooth-Anbindung usw. Tolle Autos, denen sowohl der Geradeausfahrt – oder und noch viel besser – der eng- und weitkurvige Landstrassen-Modus liegt. Und dann gibt es noch eine weitere Umgebung, in der es richtig Spass macht und sexy ist, die Cooper-Mini zu bewegen. Eine Umgebung, in welcher die glorreichen Vier eine brillante Falle machen – die Rennstrecke.

Gelb heisst nicht Postauto

Die sportliche Vergangenheit der Minis ist verbrieft – darum gehts nun auf den vier Kilometer langen Circuit in Anneau du Rhin im französischen Blitzheim. Ein Lizenzkurs, der im Idealfall mit dem Erlangen der deutschen A-Lizenz endet, ist angesagt. Die Works-Mini dienen den journalistisch tätigen «Hobby-Alonsos» als geradezu prädestinierte Werkzeuge für diese Herausforderung. Ehe es freilich darum geht, im Countryman, im Clubman und im offenen und gedeckten 3-Türer den Sport-Modus reinzuhauen, steht die Theorie an. Schliesslich muss Mann und Frau ja wissen, dass die gelbe Flagge nichts mit einem entgegenkommenden Postauto oder die rot-gelb gestreifte Flagge nichts mit dem katalanischen Zoll zu tun hat. Also lauscht die Vollgashorde nun im «Alten Spital» in Mülheim (D) den Ausführungen des Instruktors Paul Martin Dose vom Deutschen Motor Sport Bund (DMSB). Dies, um finalement den abschliessenden Test zu bestehen. 30 Fragen verlangen am Ende nach 30 Antworten, und nur wer besteht, darf tags darauf auf der Rennbahn praktisch ran. Dabei handelt sich um Fragen wie: Wer kann einen Rennleiter unterstützen? a) dessen Nachbarin, b) Winnetou oder c) der Rennsekretär. Schön wärs, wenn die Auswahl so einfach wäre. Oder dann wird da gefragt: Was bedeutet es, wenn während des Rennens mit der pinkfarbenen Flagge (Code 60) gewedelt wird? a) dass alle Ü60 bitte sofort in die Box zum Fitness-Check reinkommen sollen, b) dass vorderhand Tempo 60 für alle gilt oder dass c) es in 60 Minuten warmes Essen gibt. Nun, schliesslich schaffen alle die theoretische Hürde. Einen Test, der es freilich deutlich mehr in sich hatte, als Mann gemeinhin geahnt hätte.

Schön rund bleiben

Im praktischen Teil stehen nun auch die Autos wieder im Zentrum. Jedes Team wählt einen der Works-Mini. Im konkreten Fall betrifft dies den Clubman mit 8-Gang-Automatik. Die serienmässige Park Distance Control braucht es gerade nicht, aber gleichwohl schön, dass sie da ist. Dafür sorgt die Sportabgasanlage für einen passenden, kernigen Sound. Gut gebrüllt, kleiner Löwe. Instruktor Lars Mysliwietz, seines Zeichens mehrfacher Klassensieger im Rahmen der Deutschen Rallyemeisterschaft und auch zigfach auf der Rundstrecke unterwegs gewesen, zeigt die richtige Sitzposition. «Wenn du auf die Bremste trittst, darf das Bein nie durchgestreckt sein», sagt er. «Mit dem Liegestuhl auf einem Kreuzfahrtschiff hat das hier nichts zu tun.» ­Also relativ senkrechte Sitzposition. Die Mini-Modelle können sich angesichts ihrer «Grösse» prima in Renn-Karts verwandeln. Richtiges Bremsen ist im Rennauto in den allermeisten Fällen von grösstem Vorteil. Schliesslich erreichen die Mini-Bomber da in Anneau du Rhin auf der Start-Ziel-Geraden bis hin in die Nähe des Bremspunkts vor der schnellen Rechtskurve – eine Mutkurve – an die 180 km/h. Da heisst es also 80, 70, 60, 50… Meter vor dem Einlenkpunkt richtig reintreten in die Klötze. «Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade», sagt Instruktor Dose. «Je gerader ihr die Kurve kriegt, desto höhere Kurvengeschwindigkeiten sind möglich.» Am Beispiel der Rechtskurve bedeutet das: Am äussersten linken Rennbahnrand anfahren, ziemlich spät– beim idealen Einlenkpunkt eben – nach rechts einlenken, den Scheitelpunkt genau treffen und mit zunehmenden öffnender Lenkung an den linken Rand gleiten lassen. Allein, Motorsport ist erheblich anspruchsvoller, als es der Laie jemals erahnen könnte. Autorennfahren hat dann rein gar nichts mit ein bisschen am Rädchen drehen und aufs Gas und auf ein Pedälchen drücken zu tun. Die Brems-, Einlenk-, Scheitel- und Beschleunigungspunkte wollen Kurve für Kurve und je nach Auto, Wetter und Reifen präzis erkannt sein. Lenkst du zu früh ein, musst du mitten in der Kurve korrigieren. Das Auto wird instabil – sogar ein Mini, der angesichts seines tiefen Schwerpunkts kaum kleinzukriegen ist, gerät aus dem Konzept. Wenn das passiert bist du froh, wenn du einen Helm auf dem Kopf hast. Weil, eher peinlich.

Jede Runde besser

Wichtig ist, dass das Bremsmanöver vor dem Einlenken abgeschlossen ist und der «richtige» Gang eingelegt ist, um das Auto bis zum Scheitelpunkt unter Zug und ab dem Scheitelpunkt mit wieder deutlich mehr Gas aus der Kurve herauszufahren. Rund bleiben und die Strecke ausnützen heisst das Motto. Und in der Tat – die Symbiose Mini-und-Du fühlt sich zusehends harmonischer an, so dass die Geschwindigkeit am Kurvenausgang immer höher wird. «Das passt», denkts einem. Mit jeder Runde in diesem Clubman aus der Works-Mini-Familie folgt der Wagen der Ideallinie besser und nähert sich dem Grenzbereich. Zumindest dem Grenzbereich besagten Fahrers hier, in dem Fall. Ein effektiver Alonso oder Vettel holte aus der fliegenden Flipperkugel zweifellos noch viel mehr raus. Aber auch so macht es Spass, mit diesen legendären Autos um die Rennstrecke zu kurven. Die rennsportliche DNA ist zweifellos spürbar und das nicht nur auf der Rennbahn, sondern jederzeit auch im Alltag. Allein, auf der Landstrasse kann es schnell teuer werden, wenn man sich dem Rausch der Mini-Cooper-Works-Modelle ungezügelt hingibt.


Plötzlich ein Star

Am 24. Januar 1964 sorgten Patrick Barron «Paddy» Hopkirk und Henry Liddon gleichermassen für Befremden und Stauen in der Motorsportwelt. Mit ihrem «Winzling», dem tar­tanroten Mini Cooper S mit weissem Dach, gewannen die beiden die Rallye Monte Carlo. Dem Iren und seinem Co-Piloten war eine Glanznummer gelungen – die britische Knutschkugel schlägt die massiv leistungsstärkere Konkurrenz. Glückwünsche gab es damals unter anderem von der britischen Regierung oder vom Beatles-Schlagzeuger Ringo Starr.

Der neue Vierzylindermotor mit 1071 Kubikzentimetern Hubraum und 90 PS stellte die Mercedes-Benz 300 SE und Ford Falcon mit deren Sechszylinder- und V8-Motoren in den Senkel. Hopkirks beeindruckender Fahrstil legte den Grundstein dafür, dass aus dem Underdog ein Publikumsliebling und eine Motorsportlegende wurde. «Der Frontantrieb und der vorn quer eingebaute Motor waren sehr vorteilhaft, genauso wie die Tatsache, dass das Auto klein war und die Strassen kurvig», hatte Hopkirk später einmal gesagt. Mit seinem Frontantrieb, seinem geringen Gewicht, seiner breiten Spur und dem vergleichsweise langen Radstand ergab sich ein sehr wendiger und agiler Sportler. Hopkirks finnische Teamkollegen Timo Mäkinen und Rauno Aaltonen sorgten  in den Jahren 1965 und 1967 für zwei weitere «Monte»-Gesamtsiege. Und auch 1966 gewann ein Mini, wurde jedoch wegen falscher Glühlampen in den Scheinwerfern disqualifiziert – eine sehr umstrittene Entscheidung seinerzeit. Allein, der Kurze hat nicht nur eine ruhmreiche Rallye-Vergangenheit. In den 1960er-Jahren fuhr er auch auf der Strasse zahlreiche Siege ein.  Auf dem Formel-1-Kurs von Silverstone (GB) testeten schon 1960 Stars wie Graham Hill, Jack Brabham und Jim Clark die Kurvenkünste des von John Cooper getunten Kleinwagens. 2011 feierte der Mini im Rahmen der Rallye-WM sein Comeback. Und auch bei der Rallye Dakar trumpfte der Mini 2012 gross auf. Fünf ­Minis gingen damals an den Start – einer gewann die Gesamtwertung, und der Rest reihte sich in den Top Ten ein. Die Franzosen Stéphane Peterhansel und Jean Paul Cottret gewannen vor ihren Mini-Markenkollegen Nani Roma und Michel Périn.

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