EDITORIAL: Durch das schwarze Loch

Autounfall: San Bernardino GR Der Brand eines Reisecars im Strassentunnel wirft Fragen auf.

Schon bald stehen die Sommerferien vor der Tür, und es ist Zeit für die grosse Fahrt – meist gen Süden. Nun bringt es die Topografie mit sich, dass die gefahrenen Routen mit grosser Wahrscheinlichkeit durch gebirgiges Terrain verlaufen, was dessen Durchquerung in Tunnels notwendig macht. «Notwendig» erscheint mir hier die passendste Charakterisierung dieses Vorgangs zu sein. Denn wer will von sich allen Ernstes behaupten, dass man gerne diese schwarzen Löcher durchfährt. Ich jedenfalls kann mir für einen Fahrzeuglenker kaum eine unangenehmere Situation vorstellen. Jedenfalls keine, in welcher sonst eigentlich alles «normal» läuft und die keine Krisensituation darstellt. Bitte nicht falsch verstehen: Auch ich finde Tunnels – sei es für Züge oder für den motorisierten Personen- und Güterverkehr – Bauwerke von grosser Bedeutung. Gewiss gibt es Pässe, doch diese können es mit einem Tunnel in Sachen Verkehrsleistung nicht aufnehmen. Und dann gibt es ja noch saisonbedingte Sperren.

Nun gucken wir eben in die Röhre bzw. fahren durch eine solche. Gut, wenn diese richtungsgetrennt ist. Da fährt schon einmal viel weniger Risiko mit – bzw. einem entgegen. Doch auch hier stellt sich rasch ein beklemmendes Gefühl ein. Instinktiv registriert man, vor allem bei längeren Tunnels, die Ausweichbuchten und übrigen Notfallinstallationen. Und je nachdem wird das Ende der Tunnelfahrt herbeigesehnt. Wenn jetzt nur nichts geschieht. Hoffentlich ist mit dem Auto alles in Ordnung. Jetzt nur keine Panne oder Schlimmeres. Doch was, wenn doch etwas geschieht? Wenn sich eventuell ein gravierender technischer Defekt einstellt? Am meisten Angst in einer solchen Situation hat man wohl vor Feuer. Ein Horrorszenario!

Es kann immer etwas geschehen. Wie dies jüngst der schwere Zwischenfall im San-Bernardino-Tunnel GR wieder aufgezeigt hat. Ein Reisecar hatte rund 500 m vor dem Nordportal noch im Tunnel Feuer gefangen und war komplett ausgebrannt. Zum Glück wurde bei diesem Vorfall niemand ernsthaft verletzt, und es blieb bei massivem Sachschaden. Doch bei einem solchen Ereignis mit derart ausgeprägten sprich teuren Schäden stellt sich die Frage nach der Haftung. Wir gehen dieser auf Seite 4 nach. Zwar war dies hier nicht der Fall, doch nicht selten ist ein solcher Zwischenfall auf eine Kollision zurückzuführen und diese ihrerseits auf zu wenig Abstand. Dem Abstandsthema und den daraus drohenden juristischen Folgen widmen wir uns auf Seite 6 in dieser Nummer. Weitere Themen sind unter anderem die Tests Hyundai i30 N und Bentley Bentayga V8 sowie die Fahrberichte des Ford Fiesta ST und des Lotus Exige. Gute Fahrt!


 

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