Swiss E-Prix: Vollstrom im Gegenwind

SWISS E-PRIX Nach der Premiere 2018 hat der Motorsport-Weltverband grünes Licht für ein weiteres Formel-E-Rennen in der Schweiz gegeben – am 22. Juni 2019 in Bern.

Als Freudentag bezeich­net der Berner Ge­meinderat Reto Nause die Bekanntgabe, dass am 22. Juni 2019 der Swiss E-Prix in Bern stattfindet: «Die Stadt Bern als Unesco-Weltkulturerbe kann sich in bestem Licht prä­sentieren und auf sich aufmerksam machen. Die Bilder werden um die Welt gehen.» Erwartungsgemäss sind nicht alle Parteien gleichermassen er­freut über das zweite Formel-E-Ren­nen der Schweiz. Der rund 2.7 Kilometer lange Rundkurs startet in der Laubeggstrasse und verläuft via Aargauerstalden, Grosser Muristalden, Muristrasse und Schosshaldenstrasse. Die Boxen­gasse befindet sich auf dem Bea-Expo-Gelände und somit nicht un­mittelbar in Streckennähe. Die Fahr­zeuge werden jeweils wie bei der In­dycar Series an die Strecke gerollt, was – anders als noch in Zürich – für erheblichen Lärmschutz sorgen soll. Pascal Derron, CEO von Swiss E-Prix Operations, die die Veranstal­tung durchführt, erklärt: «An der Strecke selbst wird es während des Rennwochenendes nur kleine Repa­raturen und Reifenwechsel geben, was die Lärmemissionen auf ein Mi­nimum reduziert.»

Keine finanzielle Belastung
Man habe die nötigen Schlüsse aus der Premiere in Zürich gezogen, ver­sprechen die Verantwortlichen. So war die Bewilligung von Seiten der Stadtberner Exekutive an diverse Auflagen geknüpft: keine Vollsper­rungen vor dem Rennwochenende, keine permanenten Strassenerweite­rungen und keine Eingriffe in die Na­tur. Drei mögliche Streckenführun­gen wurden detailliert besprochen. «Einer der ausschlaggebenden Punk­te für das finale Layout war, dass wir keine grossen baulichen Massnah­men treffen müssen», sagt Derron. Die Infrastruktur sei grundsätzlich gegeben, weshalb nur kleinere und temporäre Umbauarbeiten am Tag nötig würden. Von Beginn weg stand fest, dass die Stadt Bern keinen finanziellen Beitrag leisten würde. Weder für das Rennen, noch für das in der Altstadt dargebotene Rahmenprogramm. Ne­ben einem Familienbereich gibt es beim CO²-neutralen Event beispiels­weise eine Plattform für Hochschul­technologien. «Die gesamte Veran­staltung soll genutzt werden, um das Thema der Elektromobilität und den Diskurs um ökologische Mobilität und neue Technologien stärker zu lancieren», sagt Nause.

Falsche Glorifizierung
Ein Diskurs, der bereits entfacht ist. Der Dialog an der Anwohner-Infor­mationsveranstaltung war hitzig. Die Bevölkerung fühlt sich von der Ent­scheidung ausgeschlossen. Das Ber­ner Grüne Bündnis und die Junge Al­ternative lancierten gar eine Petition gegen den am Berner Umwelttag stattfindenden Swiss E-Prix. Die Stadt sei Lebensraum und keine Rennstrecke. Und: Autorennen seien auch mit Elektroantrieb nicht zeitge­mäss. «Elektromobilität ist wichtig. Noch wichtiger aber ist es, unnötigen Verkehr zu vermeiden. Autorennen gehören für uns in letztere Katego­rie», sagt die Berner Stadträtin Fran­ziska Grossenbacher. Sie fordert, dass der Gemeinderat, die Berner Stadtregierung, die Bewilligung zu­rückziehe.So weit wird es nicht kommen, wie Reto Nause bekräftigt: «Das Rennen findet definitiv statt.» Mit den Anwohnern müssten individuel­le Lösungen gefunden werden. Denn: «Es braucht solche Leuchttürme, da­mit wir zeigen können, dass die E-Mobilität eine markttaugliche Tech­nologie für die Breite ist. Und so un­sere Ziele von Zulassungen von elek­trischen Fahrzeugen erreichen.»

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