Das Volvo-Girl

MEIN FREUND, DER VOLVO Wie Autos zu mehr als blossen Gebrauchsgegenständen werden können.

Möchten Sie mit ihnen sprechen?» Die junge, blonde Frau neben mir schaute mich auffordernd an, als ich einen Moment lang in Richtung der Polestar- Designer blickte. Sie kenne die Leute drum alle, sie sei das Volvo-Girl. Bevor ich überhaupt nur reagieren konnte, begann es aus ihr herauszusprudeln.

«Pass? Nein, ich bin Tatarin!»
Annika Miftakhova (25) besitzt den russischen sowie den _ nnischen Pass und spricht beide Sprachen _ iessend. Sie selbst sieht sich allerdings keiner Nation zugehörig, sondern einfach als Tatarin, also aus der Region Tatarstan westlich des Urals in der osteuropäischen Ebene stammend. Sie sei zwölf gewesen, als ihr Vater für Neujahr 2006 mit ihr und ihrer kleinen Cousine im damals eineinhalb Jahre alten Familien-Volvo S60 2.5 Turbo AWD in Titanium Grey – sie konnte sich tatsächlich an jedes Detail erinnern! – die 1240 Kilometer von Moskau über St. Petersburg zum Ferienhäuschen westlich von Helsinki gefahren sei.

«A Volvo saved my life!»
Die dreispurige Überlandstrasse sei vereist gewesen und der beiden Fahrtrichtungen fürs Überholen zustehende Mittelstreifen unbenutzt. Zunächst! «Plötzlich wollte weit vorne ein Lastwagen an einem PW vorbei, und ein zweiter Laster setzte just gleichzeitig noch zum Überholen des ersten Schwergewichts an. Er kam frontal auf uns zu!», berichtete Annika. «Mein Vater riss das Steuer herum, wir schossen auf eine Aufschüttung rechts von der Fahrbahn und hoben ab.» Der S60 habe sich in der Luft einmal um seine Längsachse gedreht und sei im knietiefen Schnee wieder auf den Rädern gelandet, haarscharf zwischen zwei Bäumen. Schock! Annikas Augen begannen sich ob der dramatischen Ereignisse jenes Tages mit Tränen zu füllen. «Unser Volvo hatte nur eine Beule an der linken Hintertüre, und ein Stück Kunststoff war abgerissen, sonst fehlte dem Auto nichts.» Kein Wort über sich oder die anderen Insassen, einzig der Schaden am Volvo schien erwähnenswert und offensichtlich aufwühlend. Die gute Nachricht: Alle Passagiere waren wohlauf! «Unser S60 wurde aus dem Schnee gezogen und wir setzten unsere Fahrt zum Silvester mit Grosseltern, Onkeln und Tanten fort!»

«Ich bin das Volvo-Girl»
«Seit damals bin ich ein Fan der schwedischen Marke, und jetzt schreibe und blogge ich ausschliesslich über Volvo und Polestar», schwärmte Annika. «Es schmerzt mich, wenn einem Volvo ein Schaden zustösst!» Die sympathische junge Frau hatte keine einfache Kindheit und Jugend, die Eltern liessen sich schon früh scheiden, die Grossmutter hatte lange Zeit versucht, Annika gegen ihre Mutter aufzubringen, und Freunde habe sie auch nur wenige gekannt. «So sind die Autos meine Freunde und ich zum Volvo-Girl geworden.» Bei diesen Worten war das Strahlen in Annikas rundes Gesicht zurückgekehrt, und wir verabschiedeten uns herzlich voneinander. 

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