Der Sound der Strasse

MUSIK-TIPPS Die Sonne im Gesicht, den Ellenbogen lässig aus dem Fenster, die Strasse vor uns. Jetzt brauchts nur noch den richtigen Sound. Die AR hat ihn.

«RUSHIN’»
Banny Price
Album: «Louisiana Blues – Early 50s and 60s R & B»
Bester Instrumentalblues des US-amerikanischen Gitarristen Banny Price, der in Louisiana zu Hause war. Da wünscht man sich doch gleich den 1962er-Cadillac- DeVille, den Schauspieler Viggo Mortensen in der Tragikomödie «Green Book – Eine besondere Freundschaft » (2018) lenkt. Die Geschichte von einer Konzertreise des schwarzen Jazzpianisten Don Shirley (gespielt von Mahershala Ali) ist randvoll mit toller Musik aus den 1950er- und 1960er- Jahren – aber das Stück von Price muss man sich schon andernorts besorgen.


«SOME VELVET MORNING»
Primal Scream, Kate Moss
Album: «Evil Heat»
Dieses Lied könnte wegen der monotonen Elektrotöne fast von der deutschen Kulttruppe Kraftwerk sein. Wie deren Titel «Autobahn» treibt einen auch der psychodelische Sound der Schotten- Rocker Primal Scream voran, und nicht nur Ex- Supermodel Kate Moss haucht dabei. Das Original von Some Velvet Morning stammt aus der Feder von Lee Hazlewood (aufgenommen mit Frank Sinatra) und gehörte zum Soundtrack des gleichnamigen Films aus dem Jahr 1967. Seither sind unzählige Coverversionen erschienen, jene von Primal Scream im Jahr 2002.


«ROUTE 66» (BEATMASTERS MIX)
Depeche Mode
Album: «Remixes 81-04»
Zugegeben, diese elektronische Version des Klassikers von Bobby Troup (Komponist) und Nat King Cole (Interpret) aus dem Jahr 1946 braucht vielleicht etwas Anlauf. Aber der modernere Anstrich der britischen Synthierocker Depeche Mode in der Beatmaster-Mix-Version setzt sich schon bald im Gehörgang fest, genauso wie zuvor die Coversongs von Musiklegenden wie Chuck Berry, Ray Charles oder Natalie Cole. Dann führt einen der Song wie gehabt zügig von St. Louis über Amarillo nach San Bernardino.


«BABIES»
Pulp
Album: «His ’n’ Hers»
Jarvis Cocker, Frontmann der Britpopper, erzählt uns in diesem Song von 1992 eine kleine Teenager-Story. Diese überh.rt man hinter dem Lenkrad bald, weil man mitswingt und immerzu auf diese Bassline wartet, die zum Mitsingen animiert: Dum dum di-dam. Eigentlich waren es falsche Gitarrenakkorde von Drummer Nick Banks, die Cocker in den Song einbaute und diesen letztlich ausmachten, wie der Sänger erklärte. Die Britpopper haben auch populärere Stücke im Repertoire, unter anderen «Common People» und «Disco 2000» – auch gut für eine Automeile.


Playlist


«FAR FROM ANY ROAD»
The Handsome Family
Album: «Singing Bones»
Ein Stück, das einfach viel zu kurz ist – darum ab in die Dauerschlaufe. So fühlt sich eine kühle Brise an – und so klingt die Autofahrt, wenn nach einem heissen Sommertag die Sonne unter geht. Die hübsche Familie, also die Handsome Familiy, das ist das Alternativ-Country-Duo und Ehepaar Brett und Rennie Sparks. Ihre Stimmen klingen gleichmütig, warm – ein Grund, weshalb man hängenbleibt und sich tief in den Autositz hineinfallen lässt. Bekannt wurde «Far from Any Road» durch die Krimireihe «True Detectives», die noch viele andere düstere Songs bietet.


«BANK ROBBERY»
John Lee Hooker, Miles Davis
Album: «The Hot Spot – Soundtrack»
Ein musikalischer Höhepunkt auf dem Soundtrack zum Film «The Hot Spot» aus dem Jahr 1990 von Easy-Rider-Legende Dennis Hopper und mit Miami-Vice-Sonnyboy Don Johnson. Die Musiker sind noch legendärer: Der Track von John Lee Hooker und Miles Davis dümpelt vor sich hin, die Blues- Gitarre treibt an, die Jazz-Trompete setzt die Akzente. Beim Cruisen unbedingt reinhören: Da kommt bald schon das Gefühl von der sengenden Hitze in dieser texanischen, verschlafenden Kleinstadt rüber, in welcher der Erotikthriller «The Hot Spot» spielt.


«HOPPÍPOLLA»
Sigur Rós
Album: «Takk …»
So darf Musik klingen, wenn man auf eine grüne Landschaft mit unendlichen Weiten und Seen trifft. Es verwundert nicht, schliesslich stammt die Band aus Island und wird unter anderen auch dem Ambientrock zugeteilt. Die Klangwelt von Sigur Rós ist opulent. Dass man die isländisch gesungenen Texte von Jón Thór «Jónsi» Birgisson nicht versteht und nicht mitsingen kann, ist deshalb zweitrangig. «Takk …» (2005) ist das dritte Studioalbum von Sigur Rós und ein Dankeschön an die Fans, welche ihre Musik konsumierten – die seither freundlicher und eingängiger klingt.


«TO LOVE AND BE LOVED»
Sting, Shaggy
Album: «44/876»
Reggae muss im Auto sein, wenn draussen die Hitze brütet und man – natürlich mit Sonnebrille auf! – hinter dem Lenkrad sitzt. Sting und Shaggy sind ja auch coole Socken. Der Brite und der Jamaikaner brachten letztes Jahr das gemeinsame Album «44/876» raus – und räumten damit bei der Grammy- Verleihung den Reggae-Award ab. Guten Sound gibt es auf dem Album genug. Aber dieses kurze Orgelspiel auf dem Track «To Love and Be Loved» lädt zum mitsingen ein, und dem «Tü-lüp» auf den Lippen folgt bestimmt bald die Hand, die auf der Mittelkonsole Orgel spielt.


«EASY»
The Dandy Warhols
Album: «Odditorium Or Warlords Of Mars»
Man mag dem Genuschel von Dandy- Frontmann Courtney Taylor-Taylor gar nicht recht zuhören. Aber Schlagzeug und Bass treiben an, und spätestens, wenn die Gitarre einsetzt, jauchzt man: That’s funky! Ist man dann eins mit dem Beat, lässt auch Taylor-Taylor nach zweieinhalb dieses über sieben Minuten langen Songs vom Nuscheln ab. Was folgt, sind ein Instrumentalteil mit Trompete und Orgel – und ein Finale, bei dem man als Autolenker Mühe hat, den Blick auf der Strasse zu halten, weil der Kopf zum Wackeldackel mutiert.


«LEAVE HOME»
The Chemical Brothers
Album: «Exit Planet Dust»
«Leave Home» ist der erste Track auf dem ersten Studioalbum der Chemical Brothers, einem britischen Electronica- Duo, das heute wahrscheinlich jeder Technofan kennt. 1995, als Tom Rowlands und Ed Simon, zwei Jungs aus Manchester ihr Heim verliessen – leaving home! – klangen sie in eben diesem Stück noch richtig, richtig funky. Der Bass macht Dampf, und das Gitarrenriff ist so etwas von sexy! Und wie das raufdreht: wie der Sound im Getriebe, wenn man die Gänge raufschaltet. Da schaut, sorry, hört man immer wieder hin: «Zeig dich nochmal, Baby!»


«WUNDERVOLL»
Wolfsheim
Album: «Casting Shadows»
Wenn, dann kennt man die deutschen Synthie popper Wolfsheim wegen des Lieds «Kein zurück» aus dem Jahr 2003. Auf dem zugehörigen Album «Casting Shadows», der letzten Studioproduktion des Duos, _ ndet sich auch der Titel «Wundervoll ». Dieser erzählt vom Gefühl einer langen, durchtanzten Nacht. «Wundervoll» ist der perfekte Begleitsound, wenn man im Auto hinaus in die neongeflutete Stadt und erwartungsvoll hinein in die Abenteuer fährt, die diese heisse Sommernacht zweifellos mit sich bringt – selbst wenn diese nur im eigenen Kopf stattfinden.


«IL TUO MONDO»
Claudio Villa
Album: «Canzoni populari»
Nie klingt diese Art Musik in einem Auto besser als im Sommer. Da stimmt man hinter dem Lenkrad gleich mit ein, wenn Claudio Villa seine Canzoni richtiggehend hinausschmettert. Der Römer besass eine besonders hohe Tenorstimme und galt in den 1950er-Jahren als König des melodiösen, populären Liedes. Aber Villa, der auch viele Filme drehte, hat weitaus mehr zu bieten als «Il tuo mondo»: Zusammen mit Domenico Modugno hält er nämlich den Rekord für die meisten Siege beim Musikfestival Sanremo (I), wo er 1955, 1957, 1962 und 1967 gewann.  

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