Ferdinand Piëch ist tot

Ex-VW-Chef Ferdinand Piëch ist im Alter von 82 Jahren in einem Restaurant in Rosenheim vor den Augen seiner Frau Ursula kollabiert und anschliessend im Spital gestorben.

Ursula Piëch (63) schreibt in einer Mitteilung zum Tod ihres Mannes, dass dieser „plötzlich und unerwartet” in gestorben sei. Die Beisetzung finde im engsten Familienkreis statt. „Wir bitten die Privatsphäre der Familie zu respektieren”, heisst es in der Mitteilung. Piëch hinterlässt 13 Kinder und mehr als doppelt so viele Enkel.

Piëch war eine Galionsfigur der Branche. Schon zu Lebzeiten gab es viele Superlative für den VW-Manager. „Ferdinand Piëch hat die Automobilbranche geprägt wie kein Zweiter”, sagte etwa der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder einmal.

Der gelernte Maschinenbauer startete seine Karriere 1963 bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Seinen Ruf als Konstrukteur erwarb sich der Enkel des Käfer-Konstrukteurs Ferdinand Porsche bei Audi in Ingolstadt. 1988 rückte der Österreicher an die Spitze der VW-Tochter, die er zu einer Erfolgsmarke ausbaute.

Ferdinand Piëchs Großvater mütterlicherseits war der Autopionier Ferdinand Porsche (1875-1951/Mitte), der den Autobauer Porsche gegründet und 1933 den legendären VW-„Käfer” und später den Auto-Union-Rennwagen entworfen hatte. Ferdinand Piëch ist der Bub rechts im Bild. ©Volkswagen AG

Aufstieg zum Weltkonzern
1993 wurde Piëch als Retter in die Zentrale nach Wolfsburg, wo er zuletzt Ehrenbürger war, geholt. Damals war der  VW-Konzern in eine schwere Krise gerutscht und es drohten Massenentlassungen. Dank der Einführung der Viertagewoche, die erst 2006 gekippt wurde, konnte Personalvorstand Peter Hartz die zusammen mit Betriebsrat und Gewerkschaft verhindern.

2002 wechselte Piëch vom Chefsessel in den Aufsichtsrat. Der gebürtige Wiener formte aus Volkswagen einen Weltkonzern. Unter seiner Ägide übernahm VW Porsche, nachdem der Sportwagenhersteller zuvor seinerseits scheiterte VW zu übernehmen. Ferdinand Piëch war ein mächtiger Patriarch dessen strenge Hand alle spürten, die ihm einmal begegnet sind. Leistung getrieben durch “Angst und Einschüchterung” bis hin zu brutal lautete der Tenor, wenn Betroffene um ein Urteil zum Führungsstil von Piëch befragt wurden.

„Ich befürchte, ich bin nicht sehr kompromissfähig und mein Harmoniebedürfnis ist begrenzt – darum habe ich auch nicht so viele Freunde”, sagte der Patriarch in dem Zusammenhang einmal selbst über sich. Piëchs Macht schien bisweilen unbegrenzt. 2012 brachte der ehemalige Schüler des Internats Lyceum Alpinum Zuoz und ETH-Student seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat.

Ferdinand Piëch zeichnete als verantwortlicher ingenieur für den Porsche 917. Hier betrachtet er auf dem Genfer Autosalon 1969 sein rennfertiges Werk. P. Der Rennwagen gilt heute als legendär. ©Porsche

Machtkampf im Konzern
Das stetig weiter wachsende Imperium lenkte Ferdinand Piëch zuletzt zusammen mit dem damaligen Konzernchef Martin Winterkorn, ehe sich die beiden zerstritten. Was folgte, war ein lodernder Machtkampf. 2015 sagt Piëch, er sei „auf Distanz” zum damaligen Vorstandschef Winterkorn. Daraufhin überwarf er sich mit seinem Cousin Wolfgang Porsche, dem Sprecher der Porsche-Familie. Porsche verhinderte damals mit anderen Aufsichtsräten, dass Piëch Winterkorn abservierte, worauf Piëch und seine Frau Ursula aus dem den VW-Aufsichtsrat ausschieden.

Der Maschinenbauer Ferdinand Piëch startete seine Karriere 1963 bei der Porsche KG in Stuttgart-Zuffenhausen. Sein Onkel Ferdinand („Ferry”) Porsche junior hatte den Autohersteller nach 1945 aus dem früheren Volkswagen-Entwicklungswerk aufgebaut. Das Werksfoto von 1936 zeigt Ferry Porsche am Steuer des zweiten Volkswagen-Prototypen (V2), fotografiert auf dem Marktplatz in Tübingen. Neben ihm seine Frau Dorothea. Auf dem Rücksitz Hellmuth Zarges, ein Freund der Familie Porsche. ©Porsche

Nach der Ära von Piëch und Winterkorn – und  nach dem einschneidenden Abgasskandal – bleiben bei Volkswagen wenig Steine da, wo sie vorher waren. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller rief einen „Kulturwandel” aus: weniger Zentralismus, mehr Verantwortung für die einzelnen Manager, mehr interne Kritik waren die Ziele.

VW würdigt seinen einstigen Chef mit Fahnen auf halbmast. 

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