Elmar – Elektro-Mobilität zum Anfassen und Ausprobieren

NEUE MOBILITÄT Erstmals ist Elmar durchs Verkehrshaus Luzern gerollt. Die Erlebnis-Expo will dem Publikum die Elektromobilität näherbringen.

Elmar ist weder der Bruder von Balthasar noch der Cousin von Othmar sondern der Name der ersten Erlebnis-Expo zum Thema Neue Mobilität im Verkehrshaus Luzern. «Es ist ein frei erfundener Name», hält Marc Ziegler fest. Ziegler, zuständig für Marketing und Kommunikation bei ZM Strategic Design, ist zusammen mit Bernd Linke, Organisator der Swiss Classic World in Luzern, und Rutschi Sindico, Inhaber einer Eventagentur, einer der drei Organisatoren der Elmar. Zusammen hat das Trio das Forum Neue Mobilität gegründet. Kein Zufall indes ist, dass die Macher explizit von einer Expo und nicht von einer Messe reden. Einer Erlebnis-Expo, um genau zu sein. «Wir wollen die neue Mobilität nicht nur zeigen, wir wollen sie erlebbar, vergleichbar und käuflich machen», sagt Ziegler. So standen für das Publikum während der drei Elmar-Tage in Luzern Wasserstofffahrzeuge von Hyundai und Toyota sowie E-Autos von Jaguar und BMW zur Probefahrt bereit. Wie lange die Ersterfahrung mit dem Alternativen dauern sollte, stand den Interessierten frei. Von der Möglichkeit eines Erstkontaktes mit einem E- oder H2-Autos wurde sehr rege Gebrauch gemacht. Man spürte, dass sich viele mit der Materie gedanklich schon auseinandergesetzt haben und dankbar waren, mit Elmar eine Gelegenheit zu einer praktischen Erfahrung zu erhalten. Mehrheitlich fielen die Feedbacks der Probanden aus allen Altersklassen positiv aus. Probieren geht eben über Studieren – das ist Elmar. Ein Motto, das zum just vor 60 Jahren gegründeten Verkehrshaus passt. Seit Generationen freut man sich ins Verkehrshaus zu kommen, um Knöpfe zu drücken, Hörer abzuheben, an Hebeln zu ziehen, sich hinzusetzen oder Kopfhörer aufzusetzen – Information durch Interaktion eben. In dieses Kapitel fällt auch der Workshop für Kinder. Der Jungmannschaft wurde auf spielerische Weise der Umgang mit Kickboards und E-Scootern nähergebracht. Letztere boomen nicht nur und zieren mehr und mehr die Stadtbilder, auch die Unfälle mit den rollenden Bügelbrettern häufen sich. Was heute noch leichte Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen sind, können morgen schon schwere Verletzungen sein. Elmar leistet hier einen Beitrag zu mehr Sicherheit. Die aus-gewachsenen Kickboarder ihrerseits durften natürlich auch mitmachen und ihre Brems- und Fahrtechnik verbessern.

Viel Halbwissen
Es ist zweifellos so, dass unter der Bevölkerung zurzeit eine schnell wachsende Sympathie punkto elektrisch angetriebener Fahrzeuge grassiert (s. Grafik). Insofern stossen Ausstellungen wie die Elmar auf Interesse. Bis 2020 soll ja jeder zehnte neue Personenwagen in der Schweiz und in Liechtenstein ein Elektroauto- oder Plug-in-Hybrid sein, ein Ziel, das erreichbar scheint. Und auch die Schaffung der erforderlichen Rahmenbedingungen wie der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur geht zügig voran. In den kommenden Wochen und Monaten wird eine Flut neuer, elektrisch getriebener Fahrzeuge auf den Markt geschwemmt. 2020 werden mehr Elektromodelle neu auf den Markt kommen als in den letzten sechs Jahren zusammen. Nichtsdestotrotz herrscht in der Bevölkerung im Bereich Elektromobilität nebst viel Interesse auch viel Halbwissen vor. Was fährt da alles auf dem Markt herum? Wie funktioniert das, heiliger Bimbam!, nochmals mit dem Laden? Wie lange dauert das und wie viel verbrauche ich? Noch kryptischer wird es, wenn es um Wasserstoff und Erdgas geht. Diese Technologien haben in der Luftfahrt, im Schwerverkehr oder in der Schiff-fahrt viel mehr Potenzial als elektrifizierte Antriebe. Airbus etwa konzentriert seine Entwicklung ganz auf synthetische Kraftstoffe. Elmar will innerhalb der automobilen Revolution sein, was Voltaire und Montesquieu einst während der französischen Revolution waren – Aufklärer. «Wir wollen auch zeigen, dass neue Mobilität durchaus mit Lifestyle, Design und Coolness zu tun hat und keineswegs nur in biederer oder verschrobener Form zu kaufen ist», sagt Marc Ziegler. Viele E-Autos hätten für Normalbürger lange Zeit weniger wie Autos, sondern eher wie Marsmobile ausgesehen. Auch das sei neben dem höherem Preis, der Reichweitenangst und der Unwissenheit ein Grund für die allgemeine Zurückhaltung. Doch damit sei Schluss – die neuen E-Autos sähen top aus, seien bezahlbar und führen weit genug.

Es soll weitergehen
Klar, dass die Macher die Elmar in Zusammenarbeit mit dem Verkehrshaus Luzern auch 2020 durchführen wollen. Denn auch für das Museum sind Anlässe wie die Elmar wichtig, wie Direktor Martin Bütikofer bestätigt: «90 Prozent meiner Arbeit wende ich für Partnerschaften auf, und nur zehn Prozent sind museal. Solche Partnerschaften passen ideal.» Für die Organisatoren von Elmar ist die Kooperation mit dem Verkehrshaus ein Glücks-fall. Das finanzielle Risiko ist Minim, da keine Infrastruktur gemietet und hergerichtet werden muss. Der Rahmen ist perfekt. Eine Win-win-Situation also. Das Angebot werde nächstes Jahr allein schon deshalb reichhaltiger, weil heuer vielen potenziellen Ausstellern noch die Produkte gefehlt hätten, erklärt Ziegler. «Viele kommen derzeit erst auf den Markt.» Am liebsten hätten die Veranstalter nächstes Jahr auch das Flugtaxi, dass in Dubai schon abgehoben hat, am Start. Platz vor dem Verkehrs-haus über dem See wäre ja vorhanden. Die Elmar 2020 wird voraussichtlich von Freitag, 28., bis Sonntag, 30. August 2020 stattfinden.

BEV: Battery Electric Vehicle, batterieelektrisches Fahrzeug. HEV: Hybrid Electric Vehicle, Hybrid-Elektro-Fahrzeug. PHEV: Plug-in Hybrid Vehicle, Hybrid-Fahrzeug mit externer Lademöglichkeit. Brennstoffzellen- Fahrzeuge (Fuel Cell) sind in den Zahlen der batterie elektrischen Fahrzeuge (BEV) enthalten.

Wasserstoff-Tankstellen werden kommen

Gekoppelt ist Elmar mit einem Forum und diversen Impulsreferaten von Experten. Zum Thema Wasserstoff hielt Roland Bifang, Geschäftsführer von Avenergy Suisse (bis Ende Juni noch als Erdölvereinigung Schweiz bekannt), fest, dass es in Zukunft darum gehe, die geeignetsten unter den rund 2000 Tankstellen, die Mitglied bei Avenergy seien, zu eruieren und diese mit Wasserstofftanksäulen zu bestücken.

Derzeit stehen die beiden einzigen Wasserstofftankstellen der Schweiz in Hunzenschwil AG und bei der Empa in Dübendorf ZH. Schon 2020, so Bifang, kämen in St. Gallen und Lausanne weitere H2-Tanksäulen dazu. Und das sei erst der Beginn: «Ich rechne damit, dass bis in vier, fünf Jahren an 30 bis 50 Tankstellen in der Schweiz Wasserstoff getankt werden kann.» Angesichts der Reichweite von bis zu 800 Kilometern, die Wasserstofffahrzeuge erreichten, sei das bereits ein flächendeckendes Netz. Was es jetzt brauche, so der Chef von Avenergy Suisse, seien «mehr Tankstellen, mehr Wasserstofffahrzeuge und mehr Wasserstoff.» Den Bereich Erdgas stellte Iveco mit dem Stralis Natural Power vor – «kein abgewandelter Die-sel, sondern ein eigens entwickelter Erdgasmotor», wie Uwe Killian, zuständig für Schweizer Grosskunden, betonte. Der Stralis ist der erste Truck, der sowohl komprimiertes (CNG) als auch flüssiges Erdgas (LNG) tanken kann. «Hinten kommen 70 Prozent weniger Stickoxide, 99 Prozent weniger Russpartikel und 90 Prozent weniger unverbrannter Kohlenwasserstoff hinaus als von der Euro-6-Norm gefordert», erklärte Killian. In grossen Teilen Europas werden erdgasbetriebene Fahrzeuge heute steuerlich begünstigt oder auf andere Wei-se subventioniert. Nicht so in der Schweiz. Kilian kann das nicht wirklich verstehen: «Auch darum bin ich froh, dass wir an solchen Veranstaltungen wie der Elmar auftreten und uns präsentieren können.» Wer wollte, konnte sein Wissen auch in Sachen bidirektionalem Laden und Entladen updaten. Diese erweiterte Stufe des E-Automobil besitzes nutzt das E-Auto nicht nur als Transportmittel, sondern auch als Stromspeicher. Die Batterie nimmt nicht nur Strom auf, sondern gibt ihn auch ab, sodass damit zum Beispiel die Kaffeemaschine, der Toaster oder gleich das ganze Haus mit Strom versorgt werden kann. Ein reges Interesse an dieser Technologie hat Dominik Mock von Evtec in Kriens LU, einer der Aussteller, festgestellt. «Je nach dem lassen sich damit durchaus Stromkosten sparen», erklärte Mock. Allerdings rentiere eine solche Einrichtung erst ab einem gewissen Bedarfsvolumen und einem entsprechenden Strompreis. Letzterer ist mit durchschnittlich 20 bis 30 Rappen pro Kilowattstunde in der Schweiz derzeit noch recht günstig.

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