Ich fühle, ich lebe

ZEITLOS SCHÖN Einfach mal gehen lassen. Auch in Porsches Einstiegs-911er hält einen nichts davon ab.

Aus den Radiolautsprechern tönt der 1980er-Hit «Feels like Heaven». Zuge-geben, die Schnulze von Fiction Factory passt nicht zur röhrenden, rohen Gewalt hinter mir. Aber mit einem Porsche 911 Carrera von Stuttgart (D) über die Landstrasse Richtung Schwäbische Alb schweben, da bekommt man schon Schmetterlinge im Bauch. Da zieht nichts, da drückt nichts, da quetscht nichts. Der 911er ist jetzt, in diesem Moment, einzig und nur für mich gemacht, und passt zu mir wie gut eingelaufene, bequeme Siebenmeilenstiefel. Und die Strasse, die vor uns liegt, passt auch noch.
Der Sechszylinder-Heckmotor mit 2981 cm3 und 385 PS – ja, lassen wir die moderne, nach DIN-Norm korrektere Leistungsangabe Kilowatt bewusst weg und halten uns bei einem Klassiker wie dem 911er an historische Werte – diese 385 PS, 15 mehr als beim Vorgänger, schieben den Porsche durch die grüne Landschaft. 80 km/h, dann schon 100 – und ehe man sich versieht, ist man auf den öffentlichen Strassen zu schnell unterwegs. Porsches Achtgang-Doppelkupplungsgebtriebe PDK flutscht, in 4.2 Sekunden gehts von 0 auf 100 km/h, mit dem Sport-Chrono-Paket noch zwei Zehntelsekunden schneller. Mit dem PDK kämen die meisten Porsche-Kunden klar, sagt Christoph Henrici, Leiter Vertrieb und Marketing der 911er-Reihe, später beim Mittagessen. «Aber es ist ein offenes Geheimnis, dass wir unseren Kunden dem-nächst auch eine Alternative mit Handschaltung anbieten, mit sieben Gängen.» Feels like Heaven. Und das Kurvenfahren mit dem 911er, es ist schlicht ein Gedicht. Selbst wenn ich das Porsche-Stability-Management, kurz PSM, das automatische Regelsystem zur Stabilisierung im fahrdynamischen Grenzbereich, nicht zugeschaltet hätte, würde der 911 noch wie auf Schienen durch die Kurven gleiten. Man wird leicht übermütig am Lenkrad dieses Sportgeräts, weil eine Kurve selbst dann zum Tempo machen lockt, wenn nicht er-sichtlich ist, was sich dahinter versteckt – keine Bange, der 911er trägt mich da durch, wie auf Schienen. Im 911er bleibt der Fuss am Gas, wo man ihn in einem anderen Auto meist lupft, denn man vertraut mit jedem Kilometer mehr darauf, dass das alles hält. Und für den Fall, dass doch et-was hinter der Kurve lauert, gibt es noch die Vier-Kolben-Aluminium-Monobloc-Festsattelbremsen vorn und hinten, Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 330 Millimeter vorn und hinten, innen-belüftet und gelocht, die dem Porsche 911 Carrera kurzum wieder Tempo rausnehmen. Ich fühle mich unheimlich aufgehoben, geborgen in diesem modernen Klassiker.

Der Kontrollgriff an den Mund
Nichts kann mir passieren, auch dann nicht, wenn ich viele Fahr- und Sicherheitshilfen abgemeldet habe – bei Regen gibt es neu auch den Wet Mode für noch sichereres Fahren auf nasser Bahn. Und wenn man bei einer sportlichen Achterbahnfahrt noch einen anderen Porsche im Rückspiegel sieht und den dort hält, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, wo man des Genusses wegen das Navi über-sieht, die falsche Abzweigung nimmt und von der geplanten Route abkommt, dann kommt man aus dem Grinsen nicht mehr hinaus. Wir sprechen hier nicht vom GTS oder GT3, sondern vom Basismodell, dem Einstiegs-911er. «Der Motor ist derselbe wie beim S-Modell, aber mit kleinerem Lader, kleinerem Verdichter», sagt Christoph Henrici. See me, I feel, see me, I live. Schau, ich fühle, schau, ich lebe. Feels like Heaven. «Das hat wohl gefallen», sagt ein Porsche-Mitarbeiter, als die Gruppe nach und nach – und den Gesichtern nach zu urteilen auch happy – an der Wimsener Mühle eintrifft, einem Restaurant in der Nähe von Hayingen, rund 60 Kilometer Luftlinie südlich von Stuttgart. «Wieso, mache ich diesen Eindruck?», frage ich und greife dabei prüfend an meinen Mund, dessen Mundwinkel tatsächlich gegen oben zeigen. «Ehrlich», sage ich zum Porsche-Mitarbeiter, «ich bin diesen Frühling 50 geworden, und eigentlich habe ich gedacht, ich hätte solche Spielchen nicht mehr nötig. Aber wenn einen ein-mal etwas fasziniert hat, in diesem Fall ein – par-don, aber mit fällt kein passenderes Wort ein – geiles Sportgerät auf vier Rädern, dann bringt man das nicht weg.» – «Das geht nicht weg. Niemals!», sagt auch der Porsche-Mitarbeiter, der bei seiner Arbeit wohl schon unzählige Gesichter wie eben gerade meines gesehen hat.

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