Drei Zylinder müssen reichen

NEUE MOTOREN Opel stellt den neuen Astra vor. Der Kompaktwagen bekommt eine Reihe neuer Motoren.

Im Gegensatz zu anderen Marken, die ihre Einstiegsmodelle zugunsten von SUVs aufgeben, ist Opel offenbar davon überzeugt, dass der Corsa als Stadtwagen und der Astra als Kompaktfahrzeug noch eine Zukunft haben. In Rüsselsheim (D) geht man davon aus, dass die bei-den Fahrzeuge auch künftig ein beträchtliches Absatzvolumen erreichen. Das deutsche Unternehmen möchte daher diese Modelle auf keinen Fall aufgeben. Die neue Version des Corsa wird auf der CMP-Plattform von PSA gebaut und hat mit dem Vorgänger nichts mehr zu tun. Anders verhält es sich mit dem Facelift des Astra. Da die aktuelle Generation erst im Jahr 2015 entstand, ist die Idee eines neuen Modells, das seinen Unterbau vermutlich mit dem Peugeot 308 teilen wird, offenbar vom Tisch. Da der Astra noch unter der Ägide von GM entwickelt und geplant worden war, konnten bei der Überarbeitung der 2019er-Version keine PSA-Teile verwendet werden.

Äusserlich hat sich kaum etwas geändert. Dafür gibt Änderungen unter der Motorhaube: drei neue Triebwerke.

Optimierter Luftwiderstand
Da es sich um ein Facelift handelt, bleiben die kleinen Änderungen auf die äussere Gestalt be-schränkt. Lediglich der Stossfänger, der Kühler-grill mit dem um die berühmten Flügel erweiterten Logo und die Scheinwerfer wurden neu gestaltet. Am Heck trägt der Deutsche nun einen Diffusor oberhalb der Heckscheibe. Ziel war es, die Aerodynamik des Fahrzeugs zu optimieren. Das ist durchaus gelungen, denn dank dieser neuen Lamelle, des Einbaus von motorisierten Klappen im Kühlergrill und einer Neugestaltung des Unterbodens konnte der Luftwiderstandsbeiwert des Wa-gens von 0.28 auf 0.26 gesenkt werden. Was die Kombiversion, den Sportstourer, betrifft, so ist er noch besser, da sein cw-Wert auf 0.255 sinkt. Erklärtes Ziel: den Kraftstoffverbrauch des Fahrzeugs und damit seinen CO2-Ausstoss zu senken. Wie alle von PSA geführten Marken will Opel seinen Flottendurchschnitt unter die ab 1. Januar 2021 europaweit geltende Schwelle von 95 Gramm CO2 pro Kilometer reduzieren. Der Kampf gegen die CO2-Emissionen hat zur Entwicklung von drei neuen Motoren geführt. Erstaunlicherweise kommen alle drei, sogar der 1.5-Liter-Diesel, mit nur drei Zylindern aus. Bei den Benzinern gibt es einen 1.2- und einen 1.4-Liter-Motor. Obwohl der 1.2-Li-ter-Motor den gleichen Hubraum wie der von PSA entwickelte 1.2-l-Puretech-Motor hat, haben bei-de nichts miteinander zu tun. Eigentlich sind die drei genannten Motoren ein Erbe der GM-Ära, denn die Entwicklung der neuen Aggregate war bereits bei der Übernahme von Opel weit fortgeschritten. PSA war dadurch gezwungen, das Projekt durchzuziehen und die drei neuen Motoren auch einzusetzen.
Während der 1.5-Liter-Diesel 105 oder 122 PS entwickelt, leistet der 1.2-Liter-Benziner 110, 130 oder 145 PS. Ihre identischen Werte für CO2-Emissionen und Kraftstoffverbrauch bestätigen, dass die Unterschiede in der Leistung allein durch Änderungen am Steuergerät, also der Motorsoftware, erreicht werden. Im Übrigen sind die neuen Motoren, abgesehen von einer Direkteinspritzung, mit zwei obenliegenden Nockenwellen ausgestattet. Darüber hinaus zeichnet sich der Dreizylindermotor durch einen relativ geringen inneren Reibungswiderstand aus. Das reicht aus, um die «CO2-Emissionen um bis zu 21 Prozent» zu reduzieren, wie Opel schreibt. Natürlich entsprechen alle genannten Motoren der neuesten Euro-6d-Norm. Das Angebot bei den Getrieben umfasst ein Sechsgang-Schaltgetriebe, ein stufenloses Automatikgetriebe und eine Neungang-Automatik. Zu weiteren Verbesserungen gehören die Optimierung des Fahrwerks (neue Federn und Stossdämpfer) sowie eine neu kalibrierte Lenkung für mehr Leichtgängigkeit und Komfort. Was den Komfort angeht, waren die von uns getesteten Astra-Versionen tatsächlich etwas weich. Besser gesagt, zu weich: Das Fahrwerk zeichnet sich durch ein ausgeprägtes Wankverhalten aus. Was die allgemeine Dynamik des Fahrzeugs betrifft, so glänzt sie eher durch Abwesenheit. Insgesamt fehlt es den Motoren, insbesondere dem Dreizylinder-Diesel, an Punch. Da Opel seinen Kompakten jedoch weniger auf Sportlichkeit als auf Komfort ausgelegt hat (z. B. durch die Verwendung von AGR-Sitzen), kann der Astra 2019 durchaus als gelungen bezeichnet werden.

Im neuen Kühlergrill spreizen sich
flügel artige Lamellen vom Blitz-Logo bis in die Intellilux-LED-Scheinwerfer hinein.

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