DS zelebriert Extravaganz und Luxus aus Frankreich

DIE BEGEGNUNG An der Eröffnung des DS Store in Schlieren traf die DS der «Automobil Revue» aus dem Jahr 1967 auf ihren Urenkel – den DS X E-Tense. Ein aussergewöhnliches Rendez-vous.

Wo ist der Rückwärtsgang? Naturelle-ment, wo er ist, ist klar – bloss, wie krieg ich ihn rein? Ah, voilà – Hebel leicht nach vorn drücken. Die Gangwechsel in der Moulin-Rouge-roten DS von 1967 mit dem dünnen Stäbchen oben am Lenkrad haben etwas von Stricken mit einer Hand: «Nach vorn, zurück, zweimal nach rechts, zweimal nach links und wieder nach vorn!» Nach dem Ausparkieren geht es in diesem Designmythos vorwärts Richtung Schlieren ZH. Ziel: der neue DS Store – einer von elf in der Schweiz –, der seine Eröffnung erst jetzt feiert, obwohl er bereits seit April offen ist. Mit ein Grund für die zeitversetzte Party ist die Tatsache, dass der Stargast nicht früher kommen konnte. Er ist der Einzige seiner Art auf der Welt, deshalb unglaublich teuer und unglaublich aufregend. Er, das ist das Concept Car von DS und heisst DS X E-Tense. Die Architektur dieses Superhelden-Mobils aus Fantasy-Island ist asymmetrisch. Links kann man selber fahren, rechts kann man sich autonom oder von Menschenhand chauffieren lassen. Thomas Odier, CEO von DS Schweiz, sagt: «Der X E-Tense implementiert die Vision der Marke DS. Avantgardistisch, elektrisch, dyna-misch, Haute Couture.» Und: «Wir wollen Extravaganz und Luxus à la Frankreich verkaufen.» Der Fahrer fährt offen, der Beifahrer setzt sich, nachdem sich die Schmetterlingstür geöffnet hat, in einen Glaskokon. Die Luft darin ist gefiltert und duftet – der Komfort ist extraordinär. Sogar eine Kaffeemaschine gibt es. Das Maison Lemarie aus Paris stand Gewehr bei Fuss, als es um die Verarbeitung der bunten Vogelfedern ging, die im Innern des Kokons farbige und personalisierbare Akzente setzen. Das Soundsystem entstand in Kooperation mit Focal, einem führenden französischen Hifi-Unternehmen, und die virtuelle Uhr mit der französischen Manufaktur BRM. Céline Marcq, CMF-Designerin (Colours Materials and Finishes) im DS Design Studio in Paris, sagt es so: «Wir wollen die Erfahrung aus der französischen Luxusmode und des Schmuckdesigns in die Auto-industrie bringen.» So sind zum Beispiel blau gefärbte Aluminiumpartikel in die Farbe Blue Millenium eingearbeitet. Im Innenraum wird nur feins-tes Leder verarbeitet und mit speziellen Ziernähten abgesteppt. Für die Lederverabeitung auf Topniveau sorgt unter anderem die international bekannte Schweizerin Yvonne Reichmuth, Gründerin des Labels Yvy. «Mit ihrem Streben nach Perfektion passt sie ideal zur Marke DS», sagt DS-Marketingdirektor Dominique Gazano.

Viel Formel E impliziert
Angetrieben wird die Karbonflunder, die die Tochter des Raumschiffs Enterprise sein könnte, von zwei Elektromotoren mit total 540 PS Systemleistung. Dieses Auto ein paar Kilometer fahren zu dürfen, ist ein Privileg. Hinter der Entwicklung des Aggregats steht ebenso die Performance-Crew des aktuellen Formel-E-Weltmeisters wie hinter dem Fahrwerk und anderen Komponenten wie beispielsweise dem Batterie- oder Rekuperationsmanagement. Der DS X E-Tense ist bien sûr rein elektrisch angetriebenen, schliesslich ist der Name Programm. Odier: «E-Tense ist die globale Vision von DS Automobiles für die Energiewende. Im Rahmen unserer Elektrifizierungsstrategie werden alle Modelle der Marke als rein elektrisch angetriebene oder als Hybridversionen verfügbar sein.» Und: «Es war von Anfang unsere Strategie, unsere Erfahrungen aus der Formel E hier in die Serie einfliessen zu lassen.» DS ist von Anfang an, also seit 2015, bei der Formel E dabei. Man munkelt, dass der X E-Tense im Race Modus über 1000 PS auf den Beton brennen könnte. Aber nicht hier und heute bei dieser Visite. Mit der alten DS von 1967, die früher einmal mit ihrer Herrschaft in den USA durch die Prärie galoppierte – allerdings mit einem Mü weniger als 1000 Pferden unter der Haube –, ist derweil die halbe Strecke nach Schlieren geschafft. Kraft der Hydropneumatik gleitet das Wunder aus dem Hause Citroën schwerelos über die A1. Wohnmobile wer-den zu deinen Freunden, denn sie spielen in der gleichen Geschwindikeitsliga. Auf der ultrabequemen Polstergruppe im Salon namens Cockpit fühlt man sich wie Gott (und Göttin) in Frankreich. Ex-travagant, elegant, komfortabel, anders. Genauso ist sie, aussen wie innen, diese DS – anders. Dieses schicke und aparte französische Automobil. Schon 1955 bei ihrer Taufe, als die Zeit der Besatzungsmächte zu Ende ging und Robert Lembke mit «Was bin ich» erstmals am TV Schweinchen verteilte, warf die Göttin alle Konventionen über Bord. Sie wurde mit einem Ufo verglichen wie jetzt der X E-Tense. Sie kam genauso selbstbewusst, so atypisch und umso charakteristischer daher. Beispiele gefällig? Abgesehen vom einzigartigen hydropneumatischen System steckt der Rückspiegel auf dem Armaturenbrett, der Schalthebel auf dem Lenkrad mit nur einer Speiche, und die Blinker blinken am Dach. Dazu wird die lastabhängige, hydraulische Zweikreisbremse nicht über ein Pedal, sondern über einen Knopf mit übergestülptem Gummi betätigt. Ein Festival für Nonkonformisten also und ein Technologieträger für Experimentierfreudige. «Wir wollen keine Marke für den Massenmarkt sein. Wir sind die etwas andere Premiummarke, die Extravaganz, Eleganz, Komfort verkauft», sagt Marketingchef Dominique Gazano. Oder anders herum: Wenn die Anzugträger BMW-, Mercedes- und Audi-Fahrer sind, sind DS-Kunden auch offen für bunte Designersocken oder extravagante Highend-Krawatten.

Einfach ein Genuss
Nach rund 100 Kilometern im neusten DS Store in Schlieren angekommen, werden die Sinne tout de suite inspiriert. «Wir wollen das Auto nicht im Internet oder ab Blatt verkaufen», sagt Thomas Odier. «In unseren Stores bieten wir den Kunden ein sinnliches Erlebnis. Frau oder Mann soll Luxus à la France berühren, riechen, sehen und hören können.» Der Kunde soll sich quasi in einen Kokon begeben wie im X E-Tense und sich von all dem Guten, Schönen, Feinen und Exklusiven be-kehren lassen und dann DS kaufen. Zurzeit ist das entweder der DS 7 Crossback oder der DS 3 Cross-back – beide auch als Plugin-Hybrid erhältlich. Künftig kommt jedes Jahr ein Model dazu, bis die Palette sechs Autos umfasst. 2020 dürfte es eine Oberklasse-Limousine sein. Einmal gekauft, beinhaltet der französische Luxus à la DS, dass sich der Kunde um nichts mehr kümmern muss. DS-Angestellte bringen das Auto nach Hause, holen es für den Service ab und bringen es wieder zurück. Ein Rundumwohlfühlpaket. Oder wie Marketingchef Dominque Gazano sagt: «Wenn Sie zu denen gehören, die das Leben geniessen, die gerne einen guten Wein oder Whiskey trinken oder eine gute Zigarre rauchen, müssen Sie einmal DS gefahren sein.» So ist es – und dann spielt es keine Rolle, ob diese DS Jahrgang 1967 hat, in der Gegenwart sehr jung oder noch gar nicht geboren ist. DS steht seit 1955 auf jeden Fall für Genuss und exzentrische Extravaganz.

Sehen Sie im Video, wie die Ausfahrt der «Automobil Revue»-DS von 1967 und des DS X E-Tense verlief.
www.facebook.com/automobilrevue
www.automobilrevue.ch

80 Jahre Unterschied: Die DS der «Automobil Revue» hat Jahrgang 1967. Lanciert wurde das Modell 1955 am Salon in Paris. Der DS X E-Tense steht für das Jahr 2035. An der Eröffnung des DS Store in Schlieren trafen die beiden epochalen Fahrzeuge aufeinander. Ein besonderer Moment. DS stand und steht für Extravaganz und Luxus à la Frankreich.

Bis 2050 doppelt so viele Autos

Die vom Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) organisierte erste nationale Mobilitätskonferenz bot verschiedene Denkanstösse für eine effiziente und auch wirtschaftliche Verkehrspolitik (vgl. AR 36/2019). Sven Kesselring, Professor für nachhaltige Mobilität an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen (D), gab in seinem Referat einen kurzen Abriss über die Entwicklung der Mobilität. Früher sei etwa vom Reisen abgeraten worden, denn das bedeutete Last. Das habe sich geändert, jetzt bedeute Reisen Lust. Heute lebten wir in einer auto-mobilen Gesellschaft. Das zeige sich etwa daran, dass in Ländern wie China immer noch ein grosser Nachholbedarf an Autos bestehe. Weltweit zähle man etwa 1.3 Milliarden Personenfahrzeuge. Hochrechnungen gingen von 2.5 Milliarden Autos im Jahr 2050 aus. Früher sei das Auto Teil des guten Lebens gewesen, das sei jetzt nicht mehr der Fall. Die Leute suchten nach Alternativen. Nicht das Automobil, sondern die Mobilität werde wichtig. Mit Bezug auf die Verkehrssicherheit äusserte sich Kesselring positiv. Sobald alle Verkehrsteilnehmer vernetzt seien, gingen die Unfallzahlen zurück. Tankstellen und Garagen blieben, so Kesselring, veränderten sich aber, Mobility on demand werde in städtischen Gebieten zur Norm. Der Verzicht auf das eigene Auto bedeute jedoch nicht, dass man unbeweglich werde.

Verschiedene Szenarien
Ein weiterer Referent war der bekannte Basler Architekt Pierre de Meuron. «Wenn sich alles bewegt, bewegt sich nichts mehr», erklärte er und verwies dabei auf die Verkehrssituationen in Städten wie Moskau, Delhi oder Jakarta als Ausdruck einer grenzenlosen Mobilität. Demgegenüber nehme andernorts die Bedeutung des Autos ab. So werde etwa in Tokio die U-Bahn von Millionen von Menschen genutzt, und der öffentliche Raum bleibe den Fussgängern vorbehalten. Nach de Meuron ist auch vorstellbar, dass man zu Hause alles erledige: wohnen, arbeiten und online shoppen. Wo dann noch Zeit für die sozialen Kontakte bleibt, blieb in der Schwebe. Auf alle Fälle werde sich die Mobilität erheblich ändern. Klar sei auch, dass es keine Patentrezepte gebe. So seien Verkehr und Siedlung im Kanton Aargau anders zu gestalten als etwa im Wallis. Wichtig sei, Siedlung, Verkehr und Landschaft aufeinander abzustimmen, dabei müsse der Bund die Führung übernehmen. Zudem sei jedes Ausbauprojekt angesichts des knappen Bodens zu hinterfragen. In der anschliessenden Diskussion unter den Politikern waren die Meinungen zu Verkehr und Mobilität geteilt. Neue Ansichten und Impulse fehlten weitgehend.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.