IAA im Sog der Digitalisierung

Probesitzen bei Ferrari, Bugatti, Aston Martin, Maserati, Bentley und Lotus gibt es nicht mehr. Und auch bei Fiat Chrysler (Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Fiat und Jeep), der Renault-Gruppe (Alpine, Dacia, Renault), PSA (Citroën, DS und Peugeot), den japanischen Anbietern Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru, Suzuki und Toyota sowie bei Cadillac, Chevrolet, Rolls-Royce und Volvo ist Schluss damit. Alle haben sich für die von 12. bis 22. September in Frankfurt (D) stattfindende IAA abgemeldet. Damit sind zwei Drittel der globalen Automobilhersteller nicht am Start. Nur noch 800 Aussteller werden heuer ihre Produkte präsentieren, Bei der IAA 2017 waren es 994. Kommt hinzu, dass viele Hersteller die Grösse ihrer Ausstellungsfläche reduziert haben. Die IAA wird damit zu einer internationalen deutschen Meisterschaft. Freilich ist Deutschland im automotiven Business ja alles andere als ein Zwerg, sondern der mitunter grösste Player der Welt. Der Kurbelwellen-Ronaldo sozusagen. Insofern bleibt da immer noch eine ganze Menge übrig. Doch auch diese Restmenge verteilt sich nur noch auf vier statt wie etwa noch 2013 acht Hallen. In der Festhalle ist Daimler, in Halle 3 VW, in Halle 8 Ford mit Honda, und in Halle 11 rücken BMW, Opel, Hyundai und Land Rover zusammen. Die Problematik liegt auf der Hand. Gewinnwarnungen, sinkende Absatzzahlen und Jobverluste – in diesem Jahr werden weltweit gut fünf Millionen PW weniger verkauft werden als im letzten Jahr, sagen Experten. Der derzeit auf allen Märkten schrumpfende Absatz zwingt die Branche zu Sparprogrammen. Selbst der chinesische Markt stagniert. Zudem muss die Transformation hin zur Elektromobilität gestemmt werden. Grosse Infrastruktur- und Humankapitalanpassungen sind die Folge. Messeauftritte ihrerseits sind extrem teuer, und ihre Wirkung fürs Marketing wird mehr und mehr hinterfragt. Im Zeitalter der Digitalisierung können alle ihre Produkte auch ohne Messe global inszenieren und präsentieren – und das erst noch in ungeteilter Aufmerksamkeit des Betrachters. Alles ist sofort online zu sehen. Echte Enthüllungen von Weltneuheiten gibt es an Messen in dem Sinn keine mehr. Diesbezüglich kannibalisiert sich die klassische Automesse selbst und verliert natürlich gewaltig an Reiz. Den Besuchern muss daher ein anderer Mehrwert geboten werden als das Abrufen von Produktinformationen, das heute zwei Sekunden und Klicks dauert. In erster Linie liegt dieser Mehrwert für die Fachwelt im Networking und für den Endkunden in der Chance, die Produkte hautnah zu erleben. Ausprobieren statt Rein-sitzen lautet das Motto. Platz genug dafür gibt es ja jetzt!

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