Opel fährt mit Klopp und Corsa-E in die Zukunft

DOPPELSCHLAG Erstmals in der mehr als 70-jährigen Geschichte stellt Ferrari zwei neue Modelle miteinander vor: Vom F8 Tributo und vom 812 Superfast gibt es nun auch je eine Cabrioversion, Spider und GTS genannt.

Viele Marken, rund zwei Drittel, blieben der IAA in Frankfurt (D) heuer fern. Die beiden Top-Favoriten im Rennen um das erste Volks-E-Auto im jetzt so richtig beginnenden E-Zeitalter waren allerdings am Start und präsentierten sich ihre Weltneuheiten. VW geht mit dem ID 3 in dieses äusserst prestigeträchtige Rennen. Wie hoch die Wolfsburger dieses Fahrzeug hängen, sagt ein Halbsatz aus der Pressemitteilung: «Neue Ära nach Käfer und Golf». Allein, nachdem VW während der letzten Generationen mit dem Käfer und dem Golf den Volkswagen klar für sich verbuchen konnte, ist der Kampf um diese kontinentale und globale Leader-position im Jahr 2020 unter Strom neu entfacht. Die Karten werden neu gemischt. Den Sieg unter sich ausmachen dürften der Opel Corsa-E und der VW ID 3. Sie führen das Feld vor den mit guten bis sehr guten Aussenseiterchancen mitfahrenden Konkurrenten wie Nissan Leaf, Hyundai Kona, Renault Zoe, Honda E oder Kia E-Niro an.

Fast ein Volks-Schwank
Punkto Präsentation in Frankfurt verbuchte Opel gegenüber der Konkurrenz ein Tor mehr. Schliesslich können die Rüsselsheimer aber auch auf die Dienste von Jürgen Klopp zählen. Opel-CEO Michael Lohscheller bot an der IAA zusammen mit dem superbeliebten Trainer des FC Liverpool ein moderiertes, volksbühnenreifes Zwiegespräch dar – sehr sympathisch und auf jeden unterhaltsam, da ziemlich authentisch. «Ich freue mich wirklich sehr, mit dem Opel-Team hier zu sein», sagte Klopp, bevor er am Nachmittag wieder nach Liverpool zum Training flog. Sein Kontakt zu Opel sei in den letzten Jahren sehr eng geworden, hielt der 52-jährige Stuttgarter, der 2012 mit Borussia Dortmund in Deutschland das Double gewann, fest. Und: «Was dieses Team von Opel in den letzten Jahren erreicht hat, ist grossartig. Ich kann nur sagen: Hut ab!» Letzteres natürlich mit einem unüberhörbaren Verweis auf sein Team in Liverpool, dass heuer in der Champions League brillierte. Lohscheller meinte dazu: «Ich muss sagen, ich bin sehr glücklich über unsere Ergebnisse. Auf der IAA 2017 waren wir frisch von PSA übernommen worden. Inzwischen haben wir den Turnaround geschafft.» Opel konnte in den vergangenen zwölf Monaten mehr als 1.5 Milliarden Euro Gewinn erzielen. 800 Millionen im zweiten Halbjahr 2018, 700 Millionen im ersten Halbjahr 2019, auch wenn dieser Erfolg zweifellos mit zum Teil schmerzlichen Personaleinsparungen zustandekam. Auch hier trifft der Vergleich mit dem Spitzensport zu: Je höher ein Team hinaus will, desto härter wird die Selektion derer, die dabei sein können, ungeachtet von Sympathie, Freundschaft oder Anciennität. Und Opel will nicht nur mit dem Corsa beziehungsweise dem Corsa-E hoch hinaus, sondern auch mit dem Grandland X Hybrid 4 (s. Interview rechts) und dem nächstes Jahr kommenden neuen Mokka. Sind dann die Geeignetsten beisammen, zeichnet es einen Coach aus, dass er dafür sorgt, dass diese Mannschaft ihr volles Potenzial abruft. Da-für gibt es kein Patentrezept. Klopp freilich ist auch darum ein Startrainer, weil er genau das schafft. So hat Liverpool im Halbfinal ein 0:3 mit einem 4:0 im Rückspiel noch aufgeholt. Klopp: «Sorge dafür, dass die Leute an sich selbst und daran glauben, das Unmögliche zu schaffen. Wer erst die Furcht vor Niederlagen spürt, hat schon verloren.» Just für diese Siegermentalität steht Deutschlands Trainer des Jahres auch als Markenbotschafter für Opel. Lohscheller, heuer vom Branchenmagazin «Automotive News Europe» als Marken-CEO des Jahres ausgezeichnet, zitiert dazu auch PSA-Boss Carlos Tavares, der sagt: «Ein Plan macht nur fünf Prozent des Ganzen aus – die Umsetzung ist der wahre Schlüssel zum Erfolg.» Lohscheller: «Wir sind wirklich sehr diszipliniert an die Umsetzung unseres Turnaroundplans herangegangen, und alle, die daran mitgearbeitet haben und immer noch mitarbeiten, wollen Opel wirklich wieder auf die Erfolgsspur führen.»


VW ID 3
Die Erstauflage des ID 3 verfügt über eine 58-kWh-Batterie. Der Elektromotor an der Hinterachse leistet 150 kW (204 PS) und liefert ein maximales Drehmoment von 310 Newtonmetern. Von 0 auf 100 km/h dauert es mit dem ID 3 acht Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Preislich wird der ID 3 in der Basisversion bei rund 32 000 Franken starten. In der Schweiz kann man für 1500 Franken einen Produktionsslot für den ID 3 1st reservieren, Auslieferung dürfte im ersten Quartal 2020 sein. Die Erstauflage kostet mit der vollen Ausstattung Max rund 54 000 Franken.


Design ist sehr wichtig
Diese markigen und einfach zu verstehenden Worte schüren natürlich Emotionen. Emotionen sind ganz eng mit Auto verbunden – nicht nur, wenn es um den Kaufentscheid geht. Ins Kapitel Emotionen fällt selbstverständlich auch das Design eines Fahrzeugs. Ein möglicherweise sogar matchentscheidender Punkt im Hinblick auf den definitiven Ausgang im Rennen um den Volksstromer Num-mer 1. Und genau hier gibt es auffällige Differenzen zwischen den beiden Rivalen von Opel und Volkswagen. Der Corsa-E setzt auf Bekanntes und Bewährtes – ohne optische Unterscheidung zum Modell mit Verbrenner und ohne klar ersichtliches Aussehen, dass die Zukunft abbildet, auch innen nicht. Indes hält CEO Michael Lohscheller fest, dass es sich beim Corsa-E mit dem Infotainment, dem digitale Display vor dem Lenkrad und der Elektrostruktur um den modernsten Innenraum handelt, den Opel derzeit zu bieten hat. VW andererseits betritt mit dem Cockpit des ID 3 Neuland, konsequent digital und vernetzt wie nie noch zuvor mit einem Zehn-Zoll-Touchdisplay in der Mitte. In der Topversion gibt es ein Head-up-Display, das nahezu die gesamte Windschutzscheibe nutzen kann. «Es ist halt immer eine Frage, worauf man setzt», sagt Opel-Designer Friedhelm Engler. «Will ich, dass jeder und jede sofort an der Optik des Autos erkennt, dass ich mit einem E-Auto unterwegs bin – oder will ich das nicht?» Die Rüsselsheimer sind der Meinung, dass die Zeit für den neuen Look noch nicht reif sei. Schon gar nicht, wenn es darum geht, das erste E-Auto zu kaufen. Der ID 3 dagegen gibt sich mit seiner entwickelten Design-DNA sofort als Zero-Emission-Vehicle zu erkennen. «Mit dem ID 3 fährt Volks-wagen in die Zukunft», sagt VW-Chefdesigner Klaus Bischoff dazu.

Es wird spannend
Zum Schluss noch einmal zu Jürgen Klopp, der zweifellos seinen Anteil daran trägt, dass der Cor-sa-E punkto Präsentation an der IAA um das eine Tor besser abgeschnitten hat als die Konkurrenz. Dieser, einer der populärsten Fussballtrainer der Welt, jettete nicht einfach schnell nach Frankfurt, um über ein Auto zu referieren, dass er noch nie gefahren ist. Bereits beim Dreh für die nächste Werbekampagne, die im Herbst anläuft, ist Klopp im Corsa-E herumgestromert. «War richtig cool», erklärte er. Auch wenn er eher zu einem Liverpool-Rot als einem Niederlanden-Orange tendiere. «Ich bin ja nicht Coach der Oranjes.» Opel-Boss Michael Lohscheller hat schon ein paar Kilometer mehr unter den Rädern und sagte: «Eines kann ich euch versprechen: Mit unserem Corsa-E werden wir richtig abliefern.»


Opel Corsa-E
Der Corsa-E (Länge 4060 mm, Breite 1960 mm, Höhe 1435 mm, Rad-stand 2538 mm) kommt mit einem 50-kWh-Batteriepack und 100 kW (136 PS) Leistung daher und liefert ein maximales Drehmoment von 260 Newtonmetern. Die Reichweite liegt bei 330 Kilometern. Von 0 bis 100 km/h benötigt er 8.1 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 150 km/h. Der Energieverbrauch liegt bei 17 kWh/100 km. In der Schweiz sind bis heute rund 500 Bestellungen eingegangen, die Auslieferung beginnt im ersten Quartal 2020. Preislich wird es bei rund 34 000 Franken losgehen.


«Der Corsa-E wird zum Imagebotschafter»

Wendy Penaloza, Managing Director von Opel Schweiz, ist überzeugt, dass Opel künftig für viel Farbe auf dem Markt sorgen wird.

Automobil Revue: Wendy Penaloza, was versprechen Sie sich vom Opel Corsa-E?
Wendy Penaloza: Der Corsa-E unterstreicht die Dynamik der Marke. Wir wollen damit farbig sein, dynamisch, sportlich und ein junges und junggebliebenes Publikum ansprechen. Diese Attribute repräsentiert der Cosa-E sehr gut.

In der Schweiz liegen schon rund 500 Bestellung für das Auto vor, das im ersten Quartal 2020 ausgeliefert wird. Da zeichnet sich ein grosser Erfolg ab?
Schon bei der Lancierung in der Schweiz gingen sofort über 200 Bestellungen ein. Ich denke auch, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Markteinführung sehr gut sind.

Wissen Sie etwas über den durchschnittlichen Käufer eines Corsa-E?
Gemäss dem Händlernetz ist der durchschnittliche Käufer um die 30 Jahre alt. Der Frauenanteil ist überdurchschnittlich hoch.

Und wie sieht es mit dem Grandland X Hybrid 4 aus, der ja auch ein Bestseller werden könnte?
Das ist unser zweites zentrales Modell bei der Elektrifizierung aller Modellreihen von Opel bis 2024. Der Grandland X Hybrid 4 ist ideal für die Schweiz, da er Allradantrieb mit viel Kraft und sehr tiefen Emissionen verbindet. Bei einer Systemleistung von 300 PS, die von einem Benzin- und zwei Elektromotoren generiert wird, sprintet er in nur 6.1 Sekunden auf 100 km/h, fährt 59 Kilometer rein elektrisch und verbraucht im Mix lediglich 1.6 Liter beziehungsweise stösst nur 36 Gramm CO2 pro Kilometer aus. Zu einem Preis ab 48 900 Franken ist der Grandland X Hybrid 4 wie der Corsa-E bereits seit Juni bestellbar und wird im ersten Quartal 2020 ausgeliefert.

Ab Oktober übernimmt Emil Frey den Vertrieb von Opel in der Schweiz. Können Sie etwas zu den Hintergründen dieses Deals sagen?
Die Groupe PSA entwickelt ihre Geschäftsstrategie in ausgewählten europäischen Märkten wie der Schweiz weiter, um noch agiler, flexibler und effizienter zu werden. Daher hat sich die Groupe PSA entschieden, das Geschäft in der Schweiz über die renommierte und erfolgreiche Emil-Frey-Gruppe als lokalen, unabhängigen Importpartner zu führen. Das Unternehmen hat in der Schweiz eine sehr gute Marktposition und ich begrüsse diesen Schritt.

Glauben Sie, dass der Corsa-E der Käfer oder Golf des E-Zeitalters werden könnte – also das Volksauto Nummer 1?
Ich glaube schon, dass der Corsa-E in jeder Hinsicht das Zeug zum neuen Publikumsliebling hat. Je mehr wir davon auf der Strasse fahren sehen – wenn möglich in bunten Farben –, umso besser ist das! Wir ermuntern deshalb unsere Händler, den Corsa wenn möglich nicht in Schwarz oder Weiss oder Grau zu verkaufen, sondern in Orange, Rot oder Blau. Das Auto wird zum Imagebotschafter.

Ist der Corsa-E noch ein richtiger Opel – oder eher ein PSA-Auto?
Natürlich ist er ein richtiger Opel, wie jedes unserer Modelle. Der Corsa-E läuft in Saragossa in Spanien vom gleichen Band wie alle anderen thermisch angetriebenen Corsa-Modelle. Die gemeinsame Nutzung der Plattformen der Groupe PSA ermöglicht deutlich mehr Freiheiten bei der Ausprägung der individuellen Markenwerte. Alles, was der Kunde sieht, fühlt und beim Fahren spürt, ist Opel.

Als erster Hersteller der Welt hat Opel ein elektrisches Rallyefahrzeug für den Kundensport entwickelt. Ab Mitte 2020 startet Opel mit dem ADAC-Opel-E-Rally-Cup den weltweit ersten Rallye-Markenpokal für Elektrofahrzeuge. Ein Projekt mit Signalwirkung?
Der Corsa-E ist als erstes Elektroauto für jeder-mann gedacht, das Einsteigerauto in die Elektromobilität also. Bei der Rallyeversion sind alle ele-mentaren Komponenten wie Batterie oder Motor gleich wie in der Serie. Das Ziel von Opel ist ganz klar, an der Zukunft der Elektromobilität mitzuwirken, und dazu gehört es auch, die sport- liche Note der E-Mobilität zu demonstrieren. In-sofern ist das Projekt für den ganzen Konzern sehr wichtig.

Da werden vermutlich viele Augen anderer Markenverantwortlicher auch noch auf Sie gerichtet sein?
Ich denke schon. Und einige bereuen es vielleicht bald, dass sie nicht die Ersten waren. Wir hoffen es zumindest.

Wie werden die E-Rallyeautos geladen?
Auf jeden Fall nicht mithilfe eines Dieselgenerators, sondern mit einer mobilen Ladestation mit 2.1 Megawattstunden und einer Kapazität von 100 Kilowattstunden. Damit sind die Autos in dreissig Minuten zu 80 Prozent geladen. Das entspricht genau demselben Wert wie beim normalen Corsa-E.

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