Zwischen Feuer und Eis in der Heimat der SUVs

ISLAND Super-SUVs wie der VW Touareg V8 TDI sind zum Feindbild vieler Klimaschützer geworden. In einer sich zusehend polarisierenden Welt haben auch solch edle und grandiose Alleskönner ihren Platz.

Alle reden vom Klima und – zurecht – dessen Schutz, vom CO2 und dessen Reduktion und von erneuerbaren Energien und deren Förderung. Drei Viertel der Bevölkerung sprechen sich gemäss Umfragen dafür aus, dass die Politik zupackt, das Klimaproblem ernst nimmt und Taten statt heisse Luft produziert. Nichtsdestotrotz kauft die ganze Welt, allen voran Schweizer und Chinesen, SUVs, als gäbe es kein Morgen. Vermeintlich eine krasse Ambivalenz. Allein, man darf davon ausgehen, dass so gut wie jedes neu zugelassene SUV weniger Treibstoff verbraucht, als es das vorherige Auto des jeweiligen Käufers getan hat. Insofern ist das Gewissen beruhigt, Rebound-Effekt nennt sich das in der Fachsprache. Längst führen diese Alleskönner auf jedem Untergrund die Zulassungsrankings nicht nur im Reich der Mitte und dem der Schokolade an. Im August wurden erstmals auch in Deutschland mehr SUVs als Kompaktwagen neu zugelassen. Freilich führen bei Herr und Frau Schweizer nicht die Crossover, die kleinen SUVs oder gross gewordenen Kombis von früher also, die Hitparade an, sondern die nobelsten, schwersten und teuersten C-SUVs. Am liebsten gleich mit Anhängerkupplung, um den Pferdestransporter oder das Boot zu ziehen. Nicht wirklich das Sparsamste also, das im Zeitalter der Elektrifizierung auf vier Gummis durch die Botanik rollt. Viel mehr ein anachronistischer Dampfhammer mitten zwischen die Augen aller Ultraklimakämpfer und Hardcore-Luftreinhaltekrieger. Für diese sind SUVs Stadtpanzer, Dreckschleudern und Fahrradfresser, die abgeschafft gehören. Die grössten unter ihnen sind mittlerweile so wuchtig, dass sie kaum noch auf einen Parkplatz aus dem letzten Jahrtausend oder ei-ne Fahrspur passen.

Pole und Gegenpole
Freilich ist es ein Fakt, dass sich zu jedem Trend ein Gegentrend entwickelt. Jeder Pol kennt seinen Gegenpol – das kennen wir von der Batterie, vom Nord- und vom Südpol, von der SVP und den Grünen. Wenn also auf der einen Seite die alternative Antriebe wie Strom, Erdgas und Wasserstoff Hochkonjunktur feiern, wird es auf der anderen Seite immer auch einen Markt für das Gegenteil geben. Damit ist die Daseinsberechtigung des VW Touareg V8 TDI, um den es hier geht, und seiner Kollegen hobby-wissenschaftlich bewiesen. Es gibt in der Tat Gegenden auf der Erde, in denen man ohne SUV auf reduzierten Posten steht. Island zum Beispiel liebt SUVs. Klimaschutz und SUVs sind auf dieser Insel der Gegensätze kein Gegensatz. Landschaftlich ist die grösste Vulkaninsel südlich des nördlichen Polarkreises voller unfassbar reizvoller Kontraste. Stille, kleine Seelein wechseln sich ab mit den, gemessen am Volumen pro Sekunde mal Fallhöhe, energiereichsten Wasserfällen der Welt. Heisse Quellen und Bäche bohren Eishöhlen und Schneetunnel, öde Wüstenlandschaften wechseln sich ab mit saftigen Wiesenlandschaften, schroffe Fjorde mit Schwemmküsten, Supermodernes mit Ultra-traditionellem. Feuer und Eis, Vulkan und Gletscher geben sich in Island die Hand. Im Bestreben, zumindest nach aussen den eigenen CO2-Fussabdruck so klein wie möglich zu halten, machen wir immer häufiger Dinge, die weniger sexy sind. Dabei sind es diese Gegensätze, seien sie automotiver oder botanischer Natur, die das Leben spannend, abwechslungsreich und heiter machen. Nicht umsonst bescherte Volkswagen so seinem stärksten Stier im Stall einen grandiosen Auftritt in Island. In einer Region, in deren umliegenden Meeren viele Wale heimisch sind, müssen sich auch Wale der Landstrasse wohlfühlen.
Der Touareg V8 TDI bietet aus einem Vierliter-Motor 421 Diesel-PS, zwei Abgasturbolader, supersportwagenanaloge 900 Nm Drehmoment und das bereits im Drehzahlkeller ab 1000 Touren/min. Inklusive Passagiere wiegt das Teil rund 2.5 Tonnen. Auf 100 Kilometer braucht es knapp acht bis gut zehn Liter Diesel – das hängt in dieser Liga stark vom Gasfuss des Fahrers ab. Knapp zwei Meter breit ist der V8 TDI, fünf Meter lang und 1.7 Meter hoch. Staturmässig ein Muni von Auto mit ebenso potentem Inhalt. Mit diesem stärksten Diesel-Allradler, der in Wolfsburg je gebaut wurde, durchs in prächtige Herbstfarben getauchte Is-land zu cruisen ist ein Traum! Das würde in einem Fiat 500 oder Panda, sorry, jetzt echt weniger Spass machen. Wenn Sie die Wahl zwischen einem Rendez-vous mit Miss Universe Catriona Gray und Schwiegermutter Annekätti haben, ist vermutlich auch klar, was emotional mehr erregt.

Problemlos auf den Vulkan
Mit diesem Oberklasse-SUV, einer Kombination aus Pistenbully, Supersportwagen und Linienbus, gibt es kaum Grenzen. Problemlos kraxeln wir so die Hekla hoch. Bis auf 1491 Meter über Meer geht es über pechschwarze Lavaerde, durch heftige Verwindungen, Flüsse und über Herden von Schlaglöchern. Letztere bieten allen inneren Organen eine animierende Massage. Die Hekla ist 6600 Jahre alt und der Zentralvulkan einer 40 Kilometer langen Vulkanspalte im Süden des Landes, rund eineinhalb Stunden von Reykjavik entfernt. Sie galt früher als Tor zur Hölle, in der verdammte Seelen gequält werden. Ob es ein Zufall ist, dass der Ausbruch 1991 just auf den Beginn des Golfkriegs am 16. Januar fi el? Letztmals brach die Hekla im Februar 2000 aus, die nächste Eruption ist fällig, just jetzt, da wir mit den Touareg hier hoch-klettern. Das gibt der Tour neben der Zündfolge der Zylinder (1-5-4-8-6-3-7-2) eine extra-explosive Note. Die Allradlenkung hält den Brocken wendig und agil, der Wankausgleich mit elektromechanisch gesteuerten Stabilisatoren verhindern zu viel Seegang in den Kurven, zwei Abgasturbolader, elektrische Ventilhub-Umschaltung und zweiflutiger Abgaskrümmer sorgen für Schub, Nachtsichtunterstützung, 15-Zoll-Screen und LED-Matrix-scheinwerfer für den Durchblick. All das und vie-les mehr, das der Touareg an Assistenten und fahr-dynamischen Hilfen an Bord hat, helfen zwar nicht, wenn nebenan ein Vulkan ausbricht. Im Normalfall indes sind das Features, die das Auto in allen Lebenslagen äussert komfortabel und anpassungsfähig machen und für prima Laune sorgen. Zum Beispiel wenn es wie jetzt über die coupierte nordamerikanische und eurasische Platte geht. Die Luftfederung kann im Geländeniveau um 25 Millimeter und im Sondergeländeniveau um 70 Millimeter angehoben werden. Erst mit Letzterem ist es möglich, diese Hochebenen zu bezwingen und das Pony im Stall zu lassen. Wenn es später auf betoniertem Untergrund wieder schnell zur Sache geht, senkt sich das Auto vom Normalniveau ausgehend um 15 bis 25 Millimeter ab, verringert so den Luftwiderstand und gewinnt an fahr-dynamischer Stabilität. Der Touareg V8 TDI ist echt ein echtes Islandpony mit 900 Nm Drehmoment und acht Gängen.

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