Alles, was sich Camper wünschen

MESSE Noch bis am Montag, 28. Oktober, strömen Camper und Caravaner an den Suisse Caravan Salon in Bern. Wir zeigen die wichtigsten Themen in den Hallen der Bern Expo.

Während die Autosalons europaweit einen Besucher- und Ausstellerschwund beklagen, erfreuen sich die Veranstalter von Messen für Hobbys, Hunde oder Katzen, Old- und Youngtimer, Nautik oder Camping steigender Beliebtheit. So war der Autohersteller Ford 2019 erstmals nicht am Autosalon in Genf präsent, präsentiert sich nun aber am Suisse Caravan Salon in Bern. Die Messe in Düsseldorf (D) im September verzeichnete mit 268 000 Besuchern erneut einen Rekord (+7% im Vergleich zu 2018), nachdem bereits im Vorjahr ein solcher zu verzeichnen war. Bern Expo hat ähnliche Erwartungen; die Verkaufszahlen von Camping-Fahrzeugen sprechen dafür.

Elektro-Wohnmobil
Die Elektromobilität wird selbst unter den Wohnmobilherstellern zum Thema, und deshalb hat Dethleffs, der aktive Brand im Hymer-Konzern (der seit 2018 zur amerikanischen Thor-Gruppe gehört), in Düsseldorf das erste serienreife Motor-home mit Hybridantrieb vorgestellt. Der E-Globevan basiert auf dem Ford Transit Custom Hybrid, ist formatmässig im Segment des VW California angesiedelt, und mit einem aufstellbaren Dach ausgerüstet. Der Plug-in-Hybrid soll 50 Kilometer rein elektrisch fahren können. Dethleffs bringt den E-Globevan nicht nach Bern. Eine Entspannungsmeldung für Händler und Wohnmobilisten gibt es trotzdem: Personentransporter und Wohnwagen sind von der CO2-Gesetzgebung befreit. Der Ford Transit Custom Nugget von Westfalia hat, anders als der E-Globevan, nur einen Turbodieselmotor. Was ihn von seinen Mitbewerbern unterscheidet, ist die vom Wohnraum abgetrennte Küche mit optionalem WC im Heck.

Der Plug-in-Hybrid E-Globevan von Dethleffs fährt 50 Kilometer rein elektrisch.

Van-Sinn
Die wachsende Van-Nachfrage hat viele Aus- und Aufbauer aufgeweckt. Kaum ein Hersteller entzieht sich diesem Trend, und kaum eine denkbare Innenraumarchitektur ist noch nicht auf dem Markt. Allein Hymer hat sein Angebot auf elf Van-Modelle ausgedehnt, Pössl mit drei Submarken bietet noch mehr, Karmann lässt die Wahl aus gleich 16 Grundrissen. Auch die französischen und italienischen Hersteller holen auf. Einige der aus- und umgebauten Vans scheinen einzig dafür geschaffen, möglichst vielen Personen eine Bleibe während eines Weekend-Anlasses zu bieten; für Camperferien hingegen sind sie weniger geeignet. Mit der Wiederbelebung der James Cook auf Sprinter-Basis und Sven Hedin – neuerdings mit MAN-Emblem – setzt Westfalia auf deren Kultstatus. Der erste Sven Hedin kam 1976 auf VW-LT-Basis mit dem Motor zwischen den Vordersitzen auf den Markt. Um den VW Grand California ist es ruhiger geworden; in Bern kann man dennoch überprüfen, ob die diskutierten Defizite inzwischen behoben worden sind. Wegen Übergewichts ist der grosse California nicht mit Allrad lieferbar. Volkswagen stellt ausserdem den California 6.1 vor (siehe folgende Doppelseite). Die neueste Ausbaustufe des Camper-Klassikers wird oft mit 4×4-Antrieb bestellt und kommt neu mit einer modernisierten Di-nette. Der Allradantrieb bleibt trotz reduzierter Nutzlast bei den Wohnmobilisten hoch im Kurs. Wer auf Expedition gehen will, wird bei Bimobil (Stand Tartaruga) oder bei HRZ und Werz fündig. Geht es um Traktion im Schnee oder auf der nassen Wiese, steht bei La Strada (Stand Lexa) auf Sprinter-Basis oder bei Karmann mit dem Transit-Van als Dexter 560 das passende Modell. Aber nicht jede Veränderung schafft bessere Verhältnisse. Die konventionellen Spülen werden teilweise auf dem Altar der Mode geopfert und mutieren zu Designerelementen. Potenziellen Käufern raten wir, sich weniger von stilistischen Eskapaden als von praxisgerechten Lösungen leiten zu lassen. Punkto Innovation fällt der teilintegrierte Chausson 778 auf, der ein Hubbett über einer Doppelspüle hat – man kann also zu zweit nebeneinander die Zähne putzen. Challenger montiert im TI 380 zwei Hubbetten übereinander. Viele Aufbauer setzen neuerdings auf Dinetten mit beidseitigen Längssitzbänken. Das ist bequem, kann aber den Durchgang zur Fahrerkabine einschränken.

Zwei Sitzbänke in Längsrichtung: Auch Chausson setzt auf das neue Dinettekonzept.
Chausson verbaut im 778 unter dem Hubbett eine Doppelspüle und weitere Exklusivitäten.

Exklusive Schweizer Modelle
Die Schweizer sind stets mit exklusiven Wohnmobilen präsent. Kaiser aus Stans freut sich über den neuen Sprinter, hält beim Ausbau aber am bewährten Konzept der Diskretion fest – einen Kaiser soll man nicht als Wohnmobil erkennen. Maurer, inzwischen von Roggwil BE nach Unterentfelden AG gezogen, entwickelt hochpreisige Mobile unter der Marke Starliner ausschliesslich auf Kundenwunsch und hat kürzlich ein rollstuhlgängiges Wohnmobil mit Rollstuhllift sowie einer rollstuhlgerechten Nasszelle realisiert. Satelliten-TV, Klimaanlage, Sonnenstoren sowie Solarzellen auf dem Dach sorgen neben der üblichen Campingausrüstung für zusätzliches Gewicht. Doch Carthago hat es trotz der neuen Adblue-Abgasreinigung im Fiat Ducato geschafft, seine Reisemobile um bis zu 55 Kilogramm abzuspecken. Und Hymer zeigt mit dem MLT570 auf dem neuen Sprinter einen 6.7 Meter langen Teilintegrierten mit unter 2.9 Tonnen Leergewicht inklusive Allradantrieb. Das Hymermobil B-Klasse Masterline 880 ist der erste Tandemachser der Marke. Auf knapp neun Metern Länge und 2.35 Metern Breite gibt es laut Hersteller ein «völlig neues Raumgefühl», einen neuen Grundriss und sogar Handtuchwärmer. Das sorgt für Prestige auf dem Campingplatz. So ist auch der Astella von Adria einzuordnen. Da wird der Wohnwagen kunstvoll neu zelebriert und mit einem Mobilheim gekreuzt. Mit dem 2.5 bis drei Tonnen schweren und 2.5 Meter breiten Fahrzeug aus Slowenien soll man – ein entsprechendes Zugfahrzeug vorausgesetzt – jederzeit das Domizil wechseln können, sodass, falls gewünscht, der Winter in Pontresina GR und der Sommer am Lauerzersee SZ verbracht werden kann. Dethleffs schafft mit hellen Holzapplikationen im Caravan eine Atmosphäre wie in einem Kaminzimmer. Bürstnerkupfert mit einer sogenannten Line-Option von der Autobranche ab, Designelemente sollen dafür sorgen, dass Umsatz und Gewinne steigen. Camping bedeutet jedoch mehr als selbstfahrende Behausungen oder Anhängerwohnungen – auch Zelte gehören dazu. Die Basis kommt in Bern nicht zu kurz und eine Stufe höher das Dachzelt, oder der Klappzeltanhänger. Der Faltcaravan Kyte des holländischen Herstellers Holtkamper lässt sich samt Küche, Sanitärkabine, Doppelbett, Schlafkabine und Foyer clever zusammenklappen, dass alles in einem kompakten Anhänger Platz findet. Auch Leute ohne Camping-Affinität haben am Suisse Caravan Salon viel zum Staunen.

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