Honda legt den Fokus voll und ganz auf Strom

VORGEZOGENER TERMIN Unter dem Druck der ­Emissionsverschärfungen revidiert Honda seine Produktions­planung. Anstatt, wie bisher angekündigt, bis ins Jahr 2025 wird die gesamte Produktpalette bereits 2022 elektrifiziert.

Ab 2021 gelten für alle Automobilhersteller dieselben obligatorischen Vorschriften mit drakonischen Strafzahlungen, wenn sie bis zu diesem Zeitpunkt ihre durchschnittliche CO2-Flottenemissionen nicht unter 95 g/km reduziert haben. Damit dieses Ziel auch erreicht wird, müssen ab sofort technologische Änderungen eingeführt werden.

Während einige Hersteller dem Anschein nach in Anbetracht dieser ambitionierten Termine lieber den Kopf in den Sand stecken, haben andere wiederum ihre eindeutige Absicht kundgetan, keine Strafe zahlen zu wollen. So auch die Marke Honda, die ihre Produktionsplanung revidierte. Das bestätigt uns Tom Gardner, Senior Vice President Honda Motor Europe, an einem Event zum Thema «Elektrische Vision» seines Unternehmens: «Durch die rasante Entwicklung von Regelwerken, Märkten und Verbraucherverhalten in Europa ist die Akzeptanz der Elektrifizierung in dieser Region schneller als anderswo auf der Welt gewachsen. Da sich der Rhythmus ständig beschleunigt, müssen wir uns dieser Herausforderung bereits früher stellen. Ich bin stolz darauf, ankündigen zu können, dass alle Fahrzeuge der Palette von Honda Europa nicht erst 2025, sondern bereits drei Jahre früher bis Ende 2022 elektrifiziert sein werden.» Konkret bedeutet das in Europa die Markteinführung von sechs elektrischen Honda-Modellen in den nächsten 36 Monaten.

Um die Elektrifizierung voranzutreiben, hat sich Honda mit Partnern zusammengeschlossen, darunter das Schweizer Unternehmen EVTec.

E-Technology
So werden die aktuellen Hybridversionen CR-V und NSX demnächst durch die Speerspitze dieser Elektrooffensive ergänzt. Es sind dies der neue E, ein kompakter Vollstromer, der bereits präsentiert wurde. Ebenso wird es einen völlig neuen Jazz geben. Das kürzlich auf der Messe in Tokio gezeigte Modell wird in Europa nur als Hybrid angeboten (siehe Kasten). Danach folgen 2021 und 2022 vier weitere Modelle inklusive eines, laut Honda, eleganten SUVs – also wahrscheinlich ein Coupé – «sowie ein weiteres Batteriefahrzeug», ergänzt Tom Gardner. Diesen Modellen gemein ist das Label E-Technology, das auch für Motorräder und Produkte ausserhalb der Autobranche zur Anwendung kommt.

Fundamentale Partnerschaften
Honda lässt seine Kunden aber nicht alleine bei der Wahl ihres Elektromodells und ergänzt sein kommerzielles Angebot laut Jorgen Plum, Projektleiter für Energiemanagement bei Honda Motor Europa: «Wir wollen vier Schlüsselprobleme lösen, mit denen die Kunden von Elektrofahrzeugen konfrontiert werden: den Zugang zu den Ladepunkten, deren Verfügbarkeit, die Möglichkeit für den Kunden, den Strom so einfach wie möglich zu bezahlen und den optimalen Einsatz von erneuerbaren Energiequellen.» Honda stellt sich dieser Herausforderung mit drei Partnern. Ubricity ist führend bei der Infrastrukturentwicklung mobiler Zähler und urbaner Ladesysteme. Moixa ist spezialisiert auf die Entwicklung von Energieeingliederungs-Software. Und das Schweizer Unternehmen EVTec ist spezialisiert auf die Entwicklung von fortschrittlichen Nachladesystemen in beiden Richtungen.

Tom Gardner ist Senior Vice President von Honda Motor Europe.

Power-Charger für zu Hause
Dank dieser neuen Allianzen kann Honda seinen zukünftigen Kunden drei unterschiedliche Ladelösungen anbieten, wie Jorgen Plum erklärt: «Erstens können Kunden ihr Elektrofahrzeug zu Hause aus­serhalb der Ballungsgebiete mit einem Power-Charger nachladen. Dieses System bietet unter anderem die Möglichkeit, Energie günstig ausserhalb der Spitzenzeiten zu beziehen.» Der japanische Hersteller Honda kümmert sich aber auch um die Stadtbewohner: «Als Lösung für Besitzer von Elektrofahrzeugen in den Vororten mit unzureichender Infrastruktur haben unsere Partner von Ubricity ein Ladesäulennetzwerk in den Städten Grossbritanniens und Deutschlands entwickelt, das alleine in London 1500 Ladepunkte umfasst. Und schliesslich gibt es den Honda-Power-Manager, ein Zweirichtungs-System, das den Strom bei hohem Angebot in den Fahrzeugbatterien speichert und bei starker Nachfrage wieder in das Netz einspeist. Diese Technologie bietet somit auch den Vorteil einer optimierten Nutzung der erneuerbaren Energiequellen und zusätzlicher Einnahmen für die Halter von Elektrofahrzeugen.»

Derzeit fehlt noch ein Partner für die Abnahme der rückgespeisten Energie. Doch kooperiert Honda bereits mit Vattenfall, einem schwedischen Energiekonzern: «Es besteht die Absicht, gemeinsam eine flexible Strompreisstruktur zu entwickeln und anzubieten», so die Erklärungen von Honda. «Dadurch können die Elektroautos während der rentabelsten Zeitspanne in Abhängigkeit zur Nachfrage im Netz aufgeladen werden. Die Strompreise (die für alle Halter von Elektrofahrzeugen markenunabhängig gleich sind – Red.) fördern somit die Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, insbesonder Wasser- und Windkraft. Dieser Service soll zuerst in England und Deutschland angeboten werden. Andere Länder werden folgen.»

Vatenfall überwacht ebenfalls den Einbau des Honda-Power-Chargers zu Hause über ein Netzwerk autorisierter Firmen. Dieses Ladesystem kann an der Wand oder auf einem Sockel montiert werden und leistet bis zu 7.4 kW (einphasig) oder 22 kW (dreiphasig). Mit 22 kW kann man seinen Honda in etwas mehr als vier Stunden mit 32 Ampere Stromstärke zu 100 Prozent aufladen, also viel schneller als an einer herkömmlichen Haushaltssteckdose. 


Ein vielseitiger Hybrid mit einem Platzangebot wie ein Kompaktvan

Nach mehr als 7.5 Millionen produzierten Einheiten kommt der Jazz 2019 in seiner vierten Generation. Er ist der erste Honda mit dem Label ­E-Technology und wird in Europa exklusiv mit der von Honda entwickelten und bekannten i-MMD-Hybridtechnologie angeboten. Tom Gardner, Senior Vice President von Honda Motor Europa, erklärt: «Die für den CR-V Hybrid entwickelte Technologie wurde für den Jazz weiter verkleinert.» Gardner hebt ebenfalls die Weiterentwicklung des Chassis hervor: «Dynamik und Komfort wurden durch den Einsatz von 80 Prozent hochfester Stähle, welche die Steifigkeit der Karosserie nochmals erhöhen, weiter verbessert. Dank der optimierten Biegesteifigkeit und Strukturtechnologie wird die Aufprallenergie in Richtung Frontspoiler umgelenkt.» Dadurch konnte «die A-Säule im Vergleich zum Vorgänger in ihrer Breite halbiert werden». Und tatsächlich: Die Rundumsicht ist für alle Insassen schlicht und einfach verblüffend grosszügig.

Das Interieur des Honda gefällt durch eine schlichte, vernetzte und intuitive Gestaltung. Auch die Raumverhältnisse sind vorbildlich. «Die Insassen geniessen ein in diesem Segment unerreichtes Raum- und Komfortgefühl», heisst es bei Honda. Der Jazz ist in der Tat beinahe ein echter Kompaktvan. Die neuen, breiteren Vordersitze bieten ein zusätzliches Stützpolster, das auf langen Strecken von Vorteil ist. Auf der Rückbank wurden die Sitzflächen verbessert.

Oberhalb des Standardmodells bietet der (ebenso hybride) Jazz Crosstar ein hochwertigeres Interieur mit erhöhter Sitzposition, spezifischem Kühlergrill und integrierten Dachträgern. Der Jazz ist in der Schweiz ab Mitte Mai des kommenden Jahres erhältlich.

Der Anteil an hochfestem Stahl wurde auf 80 Prozent erhöht. Dadurch konnten die Honda-Ingenieure die Breite der A-Säule im Vergleich zur Vorgängergeneration um die Hälfte reduzieren.

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