«Wir machen gerne tolle Autos»

TRADITION Wer Škoda fährt, schätzt Preis-Leistungs-Verhältnis, Zuverlässigkeit und Design. Nur wenige aber kennen die Geschichte des grössten Autobauers Tschechiens.

Dass der Škoda Octavia in der Schweiz mit 6740 Immatrikulationen (September 2019) ganz oben in der Zulassungstabelle steht, hat seine Gründe. Škoda stehe für «smart understatement, ein ausgeprägtes, nicht alltägliches Design, viel Raum und value for money», so Christian Strube, Vorstand für technische Entwicklung bei Škoda. Der Name Octavia ist indes keine Neuschöpfung. Schon zwischen 1959 und 1971 gab es ein Modell dieses Namens, der nach der Übernahme von Škoda durch Volkswagen 1991 gleich mit übernommen wurde. Übrigens: Škoda wird Schkodda ausgesprochen. Und die Geschichte Škodas begann eigentlich 1899.

Der Škoda Favorit von 1987 in modernem Bertone-Design mit Frontmotor und Frontantrieb wurde in Mladá Boleslav entwickelt.

Also zurück auf Feld eins: Wer weiss schon, dass 1895 der Fahrradhersteller Laurin & Klement (L & K) von Václav Laurin und Václav Klement gegründet wurde, die 1899 einen Einzylinder-Motorradantrieb mit Magnetzündung entwickelten (Slavia Typ A), den Urahn der Škoda-Motoren? Und wer weiss, dass die beiden 1905 das erste Automobil der Marke konstruierten, die Voiturette A mit einem wassergekühlten Einliter-V2-Motor? Und dass schon 1907 der erste Reihen-Achtzylinder Mitteleuropas mit 45  PS folgte, der Typ FF? Die enge Zusammenarbeit mit einem Erfinder namens František Križik brachte das erste Hybridfahrzeug von L & K mit zwei Gleichrichter-E-Motoren. 1910 befeuerte mit dem Hiero 4 mit 50 PS der erste Flugzeugmotor Österreich-Ungarns den berühmten Bleriot-Eindecker. 1925 kaufte der Maschinenbaukonzern Škoda die Gesellschaft Laurin & Klement auf: Neue Modelle kamen ab jetzt mit dem Namen Škoda auf den Markt. Ab 1929 begann die Grossserienfertigung von Motoren.

2400 Motoren pro Tag: AR-Redaktor Hans-Peter Steiner im neuen Motorenwerk M2 in Mladá Boleslav. 

Die Wiege moderner Škoda-Triebwerke steht in Mladá Boleslav, einem hübschen Städtchen am Fluss Jizera in Mittelböhmen. Heuer feiert der tschechische Motorenbauer «120 Jahre Ingenieurskunst». Christian Strube nutzte die Gelegenheit, die Kompetenz des Motorenherstellers zu umreis­sen. Zuallererst betonte er: «Wir machen gerne tolle Autos.» Und: «Wir sind gleichberechtigte Entwicklungspartner in der Volkswagengruppe.» Hinter dem Erfolg der Marke stünden aber auch heute noch die Innovationskraft, Begeisterung und das Improvisa­tionstalent der Gründer.

Rein äusserlich dokumentiert sich der Erfolg der Marke in einem 38-prozentigen Arealzuwachs des Motorenwerks mit 2400 Mitarbeitern in Mladá Boleslav: 2014 wurde das neue Motorenzentrum mit 21 Prüfständen eröffnet, 2017 ein Emissionszentrum, 2018 ein Getriebelabor und Ende Oktober 2019 ein neues Rechenzentrum. Aktuell verlassen täglich etwa 2400 Motoren das Werk, alle Motoren des Typs EA211 von 1.0 bis 1.6 Liter für die EU, Mexiko, Indien und Afrika werden hier gebaut. Seit 2018 läuft auch der 1.0 MPI Evo vom Band. Aber Škoda fertigt auch in Algerien, China, Indien, Russland und der Slowakei vor allem über Konzernpartnerschaften sowie in der Ukraine und Kasachstan mit lokalen Partnern.

Der erste selbst konstruierte Velo-Hilfsmotor von ­Laurin & Klement aus dem Jahr 1899.

Martin Hrdliçka, Chef der Motorenentwicklung, erinnerte sich in seinem Rückblick: «Carl Hahn, zwischen 1982 und 1993 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, sagte einst: ‹Ohne den Favorit hätte VW damals Škoda nicht gekauft.›» Er verwies damit auf das Modell desselben Namens von 1987, das auch als tschechischer Golf bezeichnet wurde und der erste Škoda mit Frontantrieb war. Er wurde bis 2003 gebaut. Aber schon ab 1997 lieferte Škoda Motoren an andere VW-Konzernmarken.

Mit VW begann 2001 eine neue Ära, gemäss Christian Bleich von Škoda Components gilt etwas aber weiterhin: «Die nächsten fünf bis zehn Jahre ist der Verbrennungsmotor noch aktuell. Wir befinden uns jedoch längst in einer Transformationsphase. Die Elektromobilität ist unsere Zukunft, aber die Anforderungen an uns bleiben dieselben.» Um die Zukunft des Automobilsektors in Tschechien langfristig zu sichern, investiert der Hersteller bis 2025 zwei Milliarden Euro in die Elektromobilität und neue Mobilitätsdienste. 


Motorenwerk Mladá Boleslav

Standort Mladá Boleslav, Tschechien
Eröffnung 2014
Betrieb Zweischichtbetrieb
Taktung 29.8 Sekunden/Station
Mitarbeiter 900
Tagesproduktion 2400 Motoren
Motortypen 1.0 MPI/MPI Evo Dreizylinder, 1.4/1.6 TSI/MPI Vierzylinder
Motorenbaureihe EA211 für neun Konzernmodelle
Motorenausstoss seit Gründung Über 2.5 Millionen EA211

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