Der Neue ist ganz der Alte

UNSER PRIMUS Der Škoda Octavia ist das meistverkaufte Auto der Schweiz. Der Bestseller kommt nun in seiner fünften Generation.

Der Siegeszug von Škoda um die Weltkugel ist nicht zu bremsen. Ganz im Gegenteil, bei den Tschechen folgt ein Rekordjahr auf das andere. Dieser beispielhafte Erfolg hat viele Gründe. Um nur einige zu nennen: schlaue Preisstrategie, starke Modellpalette, attraktives Design und «simply cleveres» Marketing. Das Renommee einer Billigmarke aus dem Osten hat Škoda dank der Zugehörigkeit zum VW-Mutterkonzern – mit den entsprechenden Qualitätsstandards – schon lange abgelegt. Der Hauptgrund wird wohl aber auf den Umstand zurückzuführen sein, dass es den Tschechen gelungen ist, für jeden Markt ein passendes und eigenständiges Image zu kreieren. In Deutschland und Grossbritannien ist Škoda «wie VW, nur billiger», in Russland und der Ukraine ist die Marke «besser als Lada, nur teurer» (zugegeben, nicht wesentlich), und bei uns ist Škoda das, was Toyota, Ford und Opel noch vor wenigen Jahren waren. Das wichtigste Modell, der Octavia, ist seit 2017 das meistverkaufte Auto hierzulande und läuft derweil beinahe zweimal besser als Markenleader wie Toyota Auris, Ford Focus und Opel Astra.

In Prag wurde nun die fünfte Generation des Kassenschlagers präsentiert. Die Erfolgsgeschichte des Octavia begann vor genau 60 Jahren, als im frostigen Winter 1959 die ersten Octavia das Hauptwerk in Mladá Boleslav verliessen. Die Welt war damals eine andere: Draussen wütete der Kalte Krieg, die Kommunisten hielten das Land in eisernem Griff und die Wunden des heissen Krieges sassen noch ganz tief. Der erste Octavia war für seine Zeit kein Schönling und kein technisches Wunder; praktisch musste er sein, mit viel Platz, günstig in der Herstellung und in der Anschaffung. Auf den Octavia folgten weitere Modelle, die zwar anders hiessen, sich aber dennoch derselben Philosophie anschlossen. Zuletzt hiess das Model Favorit, und es war der erste Škoda, den Schweizer Sozialisten zu uns importieren liessen. Der erste neue Octavia erblickte die Welt anno 1996 und baute auf der Plattform des Golf 4 auf. Bereits 2004 stellten die Tschechen den Octavia 2 vor. Die Etablierung der Marke sowie die grossvolumigen Investitionen des Mutterkonzerns verhalfen dem Modell zu wesentlich solideren Verkaufszahlen im Vergleich zum Vorgänger. Ganze 2.5 Millionen Stück wurden in den Jahren 2004 bis 2013 produziert. Dieses Ergebnis konnte vom Octavia 3, der nun auf der aktuellen MQB-Plattform hergestellt wurde, egalisiert werden.

Škoda-CEO Bernhard Maier präsentiert den neuen Octavia, der vor allem im Innern einen topmodernen Anstrich bekommen hat. 

Aufgepepptes Inneres
Von aussen betrachtet stellt der neue Octavia 4 branchenüblich keine Revolution dar. Die Škoda-typische Designsprache erhielt lediglich frische und elegantere Formen. Viele der optischen Elemente wie der markante Rahmen der Nebelleuchten, in dem auch ein Lüftungseinlass steckt, die Rückspiegel und der Spoiler an der Heckklappe sind nicht nur schönheitshalber da, sie dienen auch dazu, die aerodynamischen Werte zu verbessern. So sank beispielsweise der cw-Wert auf 0.24 bei der Limousine und auf 0.26 beim Kombi. Dieser wuchs um 22 Millimeter in die Länge und um 15 Millimeter in die Breite, wovon das Platzangebot im Innenraum profitieren dürfte. Der Kofferraum fasst neue 640 Liter beim Kombi (30 l mehr als früher) und 600 Liter bei der Limousine.

Im Inneren begrüsst der Octavia mit aufgepeppten Materialien, neuem Design und modernster Elektronik. Das Armaturenbrett, das uns zwar wegen der zu generischen Formen etwas enttäuschte, wirkt dank des Textileinsatzes und des weichen Plastiks dennoch hochwertig. Der freistehende Bildschirm (8.25 oder optional 10 Zoll) liegt bequem im Blickwinkel des Fahrers. Zur Verfügung stehen «besonders ergonomische» Sitze (vorne auf Wunsch mit Massagefunktion), Auflademöglichkeiten für Gadgets (kabellos oder über USB-C), ein Head-up-Display, LED-Ambientebeleuchtung und Virtual-Cockpit-Instrumente mit 10.25-Zoll-Anzeige, vieles davon gegen Aufpreis.

Der Octavia erhält sämtliche im VW-Konzern verfügbaren Assistenzsysteme, neu kommen der Ausweichassistent, der Abbiegeassistent und der Ausstiegswarner dazu. Ausserdem bestellbar sind Side- und Emergency-Assist, der vorausschauende adaptive Abstandsassistent sowie das Area-View-System. Sie alle tragen wie die neuen LED-Matrix-Scheinwerfer zur Sicherheit bei.

Viel Neues bei den Motoren
Gründlich überarbeitet wurde die Motorenpalette. Bei den Dieselmotoren der neuen Evo-Generation senkt die weiterentwickelte SCR-Abgasnachbehandlung mit zwei Katalysatoren den Ausstoss von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent. Das neue Twindosing-Verfahren steht für die Einspritzung des Adblue-Wirkstoffs vor den zwei hintereinander angeordneten Katalysatoren. Damit sind die Evo-Motoren mit der Abgasnorm Euro 6d kompatibel. Neu gibt es den Octavia auch als Mild-Hybrid, in Kombination mit zwei weiterentwickelten TSI-Benzinern. Zudem sind ein Plug-in-Hybrid und ein Erdgas-Aggregat erhältlich. Ohne Änderungen werden DSG und das manuelle Schaltgetriebe, Allradantrieb und die adaptive Fahrwerksregelung DCC auf der Optionsliste stehen. 

Der neue Octavia hat viele Qualitäten. Die altbewährte Strategie, der richtige Preis, der hohe Wiederverkaufswert, die modernste Technologie und der gewohnte Qualitätsanspruch werden ihm grosse Verkaufserfolge bescheren. Die Auslieferung beginnt im Frühjahr 2020, die Preise stehen noch nicht fest. Die angekündigte RS-Version folgt etwa ein Jahr nach der Markteinführung. 

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