Pick-up fürs Picknick

NASHORN MIT STIL Der Ssangyong Musso ist ein Pick-up mit praktischen Vorzügen. Der Koreaner macht aber auch als Lifestyle-Auto eine gute Figur.

Wissen Sie welches 2018 das meistverkaufte Auto der Welt war? Der Golf? Nein, Platz 3. Der Skoda Octavia? Nein, Platz 37. Der Toyota RAV 4? Nein, Platz 5. Es war der Ford F-Serie, ein Pick-up. Seit über 30 Jahren ist der F-150 mit seinen vielen Ablegern nonstop das meistverkaufte Fahrzeug in den USA. Auch in Afrika, Südamerika und vielen Ländern Asiens sind die Lastesel Topseller. Nun wird der Pick-up auch in Europa zusehends beliebter. Ein Anachronismus angesichts von Downsizing und umweltfreundlichem E-Mobilitätsboom. Freilich sind Pick-ups auch komfortable Reise- und Lifestyleautos. Und dabei ja so praktisch: Jeder Ikea-Einkauf, jede Campingausrüstung inklusiv Grill und Velo oder ein kompletter Junggesellenhaushalt passt hinten auf die Ladefläche.

Längst nicht mehr nur funktional sondern auch chic im Auftritt.

Unter 30 000 Franken
Eine günstige Variante, um künftig mit dem Pick-up zum Picknick zu fahren und Surfbrett und bereits fertig aufgebautes Zelt gleich mitzunehmen, ist der Ssangyong Musso. Los geht es in der einfachsten Ausführung Crystal schon bei 29 900 Franken. Der sehr gut ausgestattete Testwagen in der Luxusversion Sapphire geht bei 37 700 Franken los. Unter anderem mit optionaler Sechsstufen-Automatik kommt der Günstig-Pick-up auf knapp über 40 000 Franken.

Das Design ist gemäss dem Hersteller von Bewegungen der Natur inspiriert. Das ist in der Interpretation zwar ziemlich subjektiv, im Endergebnis aber deutlich hübscher als einst beim Actyon oder Rodius. Die Optik ist auch für Mitteleuropäer sehr in Ordnung. Die Front des Musso wirkt bullig und ist geprägt von einer horizontalen Chromstrebe, die die Breite von 1.95 Metern unterstreicht. Das Heck ist typisch Pick-up. Trickreich ist der Einstieg für Grossgewachsene. Durch die knappe Abmessung von Sitzhöhe und Dachkante heisst es Kopf einziehen!

Angetrieben wird der 5.10 Meter lange Allradler von einem 2.2-Liter-Dieselmotor mit 181 PS. Bis zur B-Säule ist der Musso ein Klon des attraktiven Rexton. Die beiden teilen sich die gleiche Plattform. Statt eines gedeckten Laderaums wie beim SUV bietet der Pick-up hinter der zweiten Sitzreihe eine offene Ladefläche von 1.30 Metern Länge. Das Fassungsvermögen beträgt 1011 Liter bei einem maximalen Ladegewicht von 775 Kilogramm. Die Anhängelast liegt bei drei Tonnen. Verzurrösen helfen, die Ladung auf der mit einer Kunststoffwanne geschützten Fläche zu sichern. Zudem gibt es einen Zwölf-Volt-Anschluss. Um längere und schwerere Materialien zu transportieren, wurde die Heckklappe verstärkt, sie trägt jetzt bis zu 400 Kilogramm Last.

Die Ladeklappe kann bis 400 Kilogramm tragen.

Dem Verbrauch zuliebe – im Test waren es im Mittel 7.8 Liter – ist der Allradantrieb zuschaltbar. Die Hinterachse ist permanent angetrieben. Im Modus 4H wird die Vorderachse mit einer festen Kraftverteilung dazugeschaltet. Fürs Gelände gibt es den 4L-Modus mit Geländeuntersetzung. Beim Rangieren sind im Allradmodus freilich Verspannungen im Antriebsstrang spürbar. Mit 21.5 Zentimetern Bodenfreiheit lässt sich der Musso von tiefem Terrain nicht abschrecken. Der Unterbau besteht aus einem tor­sionsfesten Leiterrahmen und einer Radaufhängung, vorne zusammengebaut aus zwei Doppelquerlenkern und einer fünffach gelagerten Hinterachse mit Schraubenfedern. Der neu entwickelte Leiterrahmen besteht aus hochfestem Stahl mit einer Festigkeit von 1.5 Gigapascal. Das Sperrdifferenzial zur Optimierung von Traktion und Anhängerbetrieb ist optional.

Viel Platz auch innen
In Innern des Musso finden fünf Personen problemlos Platz. Das herrscht allgemeine Geräumigkeit – nicht nur für asiatische Konfektionsgrössen. Hinten lassen sich die Lehnen für mehr Komfort um bis zu 27 Grad neigen. Via der Mittelkonsole schaut man auf einen hochauflösenden, 9.2 Zoll grossen Multifunktionsbildschirm, über den sich per Touch-Funktion Einstellungen, Navigations- oder Soundsystem steuern lassen. Die Haupt­instrumente und der Bordcomputer im Cockpit sind übersichtlich angeordnet. Die Bedienung ist selbsterklärend und geht einfach von der Hand. Fix gibt es eine Berganfahr- und Bergabfahrhilfe.

Das Smartphone lässt sich schnell mit dem Infotainmentsystem verbinden. Das ist nicht bei allen Autos aus Asien so. Apple Carplay und Android Auto sind so schnell eingebunden. Ratsam sind angesichts der Dimensionen des grossen Koreaners Rückfahr- und Rundumsichtkamera. Letztere gibt es nur in der Ausführung Sapphire und auch da nur gegen Aufpreis. Weitere Optionen sind 20-Zoll-Reifen, das erwähnte Sperrdifferenzial, der Totwinkel- und Spurwechselassistent und der Querverkehrswarner. Alles in allem klettert dann der Preis für einen vollbepackten Musso auf deutlich über 40 000 Franken, was immer noch sehr attraktiv ist. Der Euro-6-Diesler stösst 185 g CO2/km aus. Stauraum gibts reichlich.

Keine Wahl
Wie beim Rexton lässt Ssangyong der Kundschaft beim Antrieb keine Wahl, es gibt nur einen Motor. Der 2.2 Liter grosse Commonrail-Diesel leistet 133 kW (181 PS) und ein maximales Drehmoment von 400 Nm, das zwischen 1400 und 2800 U/min anliegt. Das Vierzylinder-Aggregat läuft gerade für einen rustikalen Pick-up, der ebenso als Lastesel, Lifestyler oder Geländewagen taugt, vibrationsarm und bis zum mittleren Drehzahlbereich distinguiert. Acht Karosseriehalterungen und eine Radhausverkleidung aus Polyester (PET) reduzieren die Fahrbahngeräusche. Die Windgeräusche sind dank einer vierlagigen Dichtung nicht auffällig.

Enge Kurven meistert der Korea-Pick-up problemlos und hält solid die Spur. Diese gute Note holt er sich auch dank seiner in der Regel ordentlichen Lenkung. Eine allzu sportliche Fahrweise freilich ist nicht seine Stärke. Wenn es im Grenzbereich um die Ecke gehen soll, verneigt sich der Musso in asiatischer Demut zuweilen etwas gar heftig. Da heisst es via Lenkung eingreifen, allein, wer fährt mit so einem Auto schon am Limit? Auf Überlandstrassen oder der Autobahn zeigt sich der Pick-up als absolut langstreckentauglich und offeriert einen guten Fahrkomfort Die Dämmung sorgt dafür, dass man sich selbst bei höherer Geschwindigkeit gut unterhalten kann. Bis zu sechs Airbags inklusive durchgehender Vorhangairbags sorgen im Fall, den man nie erleben will, für eine gut Sicherheit. 

Im Innenraum bekommt niemand Platzangst. Die ­hinteren Sitzlehnen lassen sich um bis zu 27 Grad neigen.

FAZIT – Michael Schenk, Tester

Der Ssangyong Musso ist ein idealer Mobilitätspartner für Arbeit oder die Ferien. Optisch haben die Koreaner deutlich zugelegt, das steigert die Attraktivität. Schliesslich ist das Auge erster Impulsgeber bei einem Kauf. Das Raumangebot für Fahrer und Passagiere ist üppig. Ausserhalb der Stadt ist das Nashorn nahezu jeder Aufgabe gewachsen – nomen est omen. Parkhäuser indes werden mit fast zwei Metern Breite und über drei Metern Radstand eher zur Herausforderung. Die Anhängelast von drei Tonnen reicht für den Privaten üppig aus. Der neue Leiterrahmen wäre sogar stabil genug, um die höchstzulässigen 3.5 Tonnen zu ziehen. Für manches KMU kann dies entscheidenden Unterschied zugunsten der Konkurrenz ausmachen.

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