Hart an der Grenze

Umstritten die Einführung eines mehrstufigen Fahrverbots bei hoher Schadstoffbelastung in Genf – eine Premiere in der Schweiz – hat naturgemäss Fragen und Kritik ausgelöst. Es geht um die Verteilung der Kompetenzen zwischen Kanton und Bund.

Das Leistungsgewicht liegt bei 2.1 Kilogramm pro PS. Die Beschleunigung von 0 bis 100 km/h dauert 2.8 Sekunden. 200 km/h stehen nach 8.3 Sekunden an. Von 80 bis 120 km/h wird man in 1.5 Sekunden katapultiert. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 340 km/h, der Preis mindestens 341 800 Franken. Noch Fragen?

Der stärkste Elfer aller Zeiten veranlasst allein bei der Betrachtung der nackten Zahlen zu Schweissausbrüchen. Das Triebwerk baut auf der 3.8-Liter-Maschine des 911 Turbo S mit 580 PS auf. Zur Leistungssteigerung pressen zwei grössere Turbolader mit variabler Geometrie mehr Luft in die Brennräume. Ein neues, zusätzliches Wasserkühlsystem gewährleistet eine optimale Leistungsausbeute, im GT2 RS werden 700 PS und 750 Nm vom Boxermotor im Heck auf die Hinterachse losgelassen. Wobei diese Thematik in den vergangenen Wochen ja so eine Sache war.

Im Porsche GT2 RS steht die Welt Kopf. Ja es scheint gar etwas surreal, in Zeiten von andauernden CO2-Diskussionen in eine solche Rakete steigen zu dürfen. Wobei hier bewusst kein Vergleich  zu Konkurrenzfabrikaten gezogen wird. Fest steht, dass der Zuffenhausener etwas vom Schärfsten ist, das auf öffentlichen Strassen unterwegs sein darf. Der Überrollkäfig, Vollschalensitze und Sechspunktgurte kommen aus dem Rennsport. Gleichwohl muss man auf Annehmlichkeiten wie die Klimaanlage, ein vollwertiges Infotainmentsystem sowie eine Bose-Soundanlage nicht verzichten. Das Bekömmlichste aber im Porsche ist, dass der GT2 RS eines jener Exemplare ist, welches das Gefühl vermitteln, rund um den Fahrer herum gebaut und punktgenau abgestimmt geworden zu sein.

Der Zuffenhausener passt wie angegossen, was mitunter ganz viel Vertrauen und Ästhetik vermittelt. Ist die Klappe der Titan-Abgasanlage zu, so ist der Elfer zwar alles andere als leise, aber ausreichend kultiviert, um tatsächlich auf dem Heimweg von der Rennstrecke einkaufen zu gehen. Doch wehe, wenn die Zügel losgelassen! Dann ballert das PDK entschlossen durch die sieben Gänge, und der GT2 RS schreit in einer Art und Weise, die infernalischer – und schöner – nicht sein könnte.

Als Einstieg in den Kundensport bezeichnet Porsche den 1470 Kilogramm schweren GT2 RS – erst recht, wenn das optionale Weissach-Paket für mehr als 30 000 Franken dazu geordert wird. Noch mehr Elemente aus kohlefaserverstärktem Kunststoff und Titan sorgen für rund 30 Kilogramm weniger Gewicht. Magnesium-Räder reduzieren zudem die ungefederten Massen und sorgen für noch bessere Fahrwerkseigenschaften. Wobei gesagt werden muss, dass auch der ambitionierte Hobbypilot keinen allzu grossen Unterschied zwischen den beiden Ausführungen bemerkt.

Trotz Auslotens der Grenzen: Der Porsche GT2 RS bietet viele Annehmlichkeiten, eine fantastische Ergonomie und ganz viel fürs Herz. Autor Cedric Heer ist sichtlich angetan. Der Tacho reicht bis 400 km/h, die Motordrehzahl bis 7200 U/min. Nach dem Stossverkehr in der Boxengasse pflügt sich der GT2 RS mit einem Donnerwetter rasch durchs Feld.

Trotz Kampf perfekte Harmonie
Mit oder ohne Gewichtsoptimierung: Die anfängliche Anspannung ob der 700 PS an der Hinterachse war binnen kürzester Zeit weg. Zu faszinierend vermittelt das Geschoss derart viel Vertrauen, dass bereits nach wenigen Minuten das Heck bewusst zum Tanzen gebracht wurde. Unterstützt von einer Armada elektronischer Helfer ist das beinahe spielerisch leicht möglich – auch wenn der Kampf zwischen dem riesigen Flügel, der bei Tempo 200 km/h gigantische 340 Kilogramm Abtrieb produziert, und der Leistungsgewalt des Sechszylinders ständiger Begleiter bis in höhere Gänge ist. Das Fahrstabilisierungsprogramm (PSM) agiert selbst bei zügigsten Runden als bedachter, aber keinesfalls voreiliger oder übervorsichtiger Schiedsrichter. Zudem sorgen die Hinterachslenkung und das variable Dämpfungssystem dafür, dass sich der Supersportler handlich und mit aussergewöhnlichem Gefühl für die Fahrbahn manövrieren lässt.

Und auch wenn es nicht schnell ist, quer durch Kurven zu fahren, so ist es doch eine spassige Methode, die serienmässigen Semislicks von Schmutz zu befreien. Während des freien Trainings des GT3 Cup Schweiz (s. Box) auf der Rennstrecke in ­Misano (I) lag derart viel Reifenabrieb auf der Strecke, dass selbst Porsche-Werksfahrer Richard Lietz von speziellen Bedingungen sprach. Auch bei Tempi jenseits der 100 km/h ist der GT2 RS – provoziert durch Gasbefehle und kontrolliert durch ­eine elektromechanische Lenkung, die perfekter abgestimmt kaum sein könnte – quer überraschend stabil.

Andererseits zieht der GT2 RS seine Bahnen beim korrekten, durchaus mit grösserem Kraftaufwand verbundenden Manövrieren wie auf Schienen. Überhartes Bremsen, Curbs oder schnelle Last- und Richtungswechsel lässt der Elfer schulterzuckend, aber mit ständig erhobenen Mahnfinger über sich ergehen. Oder anders gesagt: Sündhaftes Driften ist nur eine Lenk- und Pedalbewegung von himmlischen Rundenzeiten entfernt.

Allein, was geschieht, wenn die zweistufig abschaltbare, elektronische Unterstützung nicht mehr da ist? Vielleicht war es besser, dass uns das Porsche nicht testen liess, denn in Misano tummelte sich ein buntes Feld von bisweilen 30 Autos gleichzeitig auf der Strecke. Angeführt von Instruktor Lietz pflügten wir uns ohnehin schnell durch einen Grossteil des mit überwiegend leistungsschwächeren, dafür noch frei saugenden GT3 RS (520 PS, 470 Nm) bestückten Fahrerfelds.

Zuletzt überwiegt allem voran eine Erkenntnis: Entgegen Meldungen der jüngsten Vergangenheit brechen auch heckgetriebene, moderne Sportwagen nicht ohne weiteres aus heiterem Himmel aus. Dafür ist die Regeltechnik zu ausgereift, der GT2 RS bleibt jederzeit vorhersehbar. Das ist automotive Befriedigung auf allerhöchstem Niveau.

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