Chinas Marken werden sich schneller etablieren

OFFENSIVE Roger Kunz, CEO des offiziellen JAC-Importeurs, prophezeit chinesischen Marken in der Schweiz ein ähnliches Schicksal wie es früher die Japaner hatten. Mit einem Unterschied: Das Elektrozeitalter könnte die Akzeptanz beschleunigen.

Misstrauen, Spott und Widerstand: Die japanischen und koreanischen Marken mussten viele Schwierigkeiten bewältigen, bevor sie sich in Europa als vertrauenswürdige und renommierte Hersteller etablierten. Ist der Moment für die chinesischen Firmen nun gekommen – nach mehreren fehlgeschlagenen Versuchen –, sich diesem Schicksal zu stellen? Roger Kunz, CEO von Auto Kunz und Importeur der Marke JAC, sieht in der rasenden Elektrifizierung eine Chance für die chinesischen Hersteller, sich schneller zu etablieren als die Japaner.

Automobil Revue: Weshalb haben Sie sich dazu entschieden, Fahrzeuge der Marke JAC und insbesondere den E-S2 zu importieren?
Roger Kunz: Ich habe mich für die Marke JAC entschieden, weil sie eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Elektromobilität ist und enorme Erfahrung bei gleichzeitig guter Qualtiät aufweist. Wir importieren den E-S2, da dieser das erste Modell ist, dass spezifisch für Europa adaptiert wurde. Es werden weitere Modelle für den europäischen Markt und die Schweiz kommen. Es war wichtig, einen Partner mit einer langfristigen Vision für Europa zu finden. Wir möchten natürlich nicht nur ein Modell in unserem Sortiment anbieten. Die JAC-Produktpalette ist sehr breit und somit vergleichbar mit derjenigen anderer Hersteller. Schritt für Schritt werden wir die Modellpalette ausweiten.

Was ist das Verkaufsziel für den E-S2?
Die Marke bietet wettbewerbsfähige Produkte, ihre Chancen auf dem Markt stehen gut. Die konkreten Budgets publizieren wir nicht. Weitere Marktanteile werden wir in der Zukunft mit der bevorstehenden Lancierung des E-S4, eines grösseren SUVs, erreichen. Zahlreiche Marken kündigen fast täglich Elektromodelle an, doch am Ende sind nur sehr wenige dieser Fahrzeuge wirklich verfügbar. Unsere Fahrzeuge sind vorrätig und lieferbereit zum wohl schweizweit tiefsten Preis samt drei Jahren Vollgarantie und Gratisservice.

Die ersten E-Modelle wie der VW ID 3 kommen allerdings. Welche Chancen hat der E-S2, sich gegenüber diesem Modell durchzusetzen, zumal die Preisunterschiede nicht enorm sind?
JAC arbeitet mit Volkswagen zusammen. Jeder profitiert vom Know-how des anderen. Aber Sie haben recht, die Öffentlichkeit kennt die Marke JAC nicht. Schauen Sie, was mit den japanischen und koreanischen Fahrzeugen passiert ist. Der Prozess der Anerkennung hat eine Weile gedauert. Ich denke, dasselbe gilt für die chinesischen Marken, aber es wird schneller gehen. Unser JAC ist ausstattungsbereinigt doch um einiges günstiger als der VW, und die Kunden wissen, dass die Elektrotechnologie aus dem fernen Osten kommt.

Nächstes Jahr tritt der CO2-Grenzwert von 95 g/km in Kraft. Haben Sie sich für den Import von Elektrofahrzeugen entschieden, um Bussen zu vermeiden?
Nein. Wir haben uns entschieden, JAC-Fahrzeuge zu importieren, weil wir an das Produkt glauben. Natürlich helfen uns diese Elektrofahrzeuge auch, unseren CO2-Durchschnitt zu reduzieren, was ein angenehmer Nebeneffekt ist. Die Politik fordert von uns, dass wir die neuen CO2-Vorschriften erfüllen, und daher benötigen wir Elektrofahrzeuge. So geht es allen Importeuren.

Wird die Modellpalette von Auto Kunz überarbeitet, zum Beispiel bei den hubraumstarken Amerikanern, um die CO2-Normen einzuhalten?
Wir richten unser Angebot auf die Nachfrage der Kunden aus. Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen 2020 grösser ist. Wenn Sie unsere Fahrzeuganbebot anschauen, dann wird Ihnen auffallen, dass wir bereits eines der grössten Angebote an Elektrofahrzeugen in der Schweiz aufweisen. Wir möchten, dass unsere Kunden alle – oder fast alle – Elektromobile auf einem Platz zu den schweizweit tiefsten Preisen vergleichen können. Wir werden aber auch weiterhin hubraumstarke US-Fahrzeuge anbieten.

Wo kann man einen JAC in den Service bringen?
Zu uns nach Wohlen und ab nächstem Jahr zu weiteren, ausgewählten Partner aus dem Netz von SAG, zu dem auch Garage Plus gehört. Unser Ziel ist es, dass jeder Kunde sein Auto in einem Umkreis von 35 Kilometern um sein Zuhause in eine Garage zum Service bringen kann.

Ist das nicht ein wenig schwach?
Nein, gewiss nicht. Einmal pro Jahr schadstofffrei 35 Kilometer in die Wartung zu fahren oder um einmalig ein Auto zu kaufen, ist kein Problem. Wir wollen konkurrenzfähige Preise bieten, und wir leben in einer Zeit, in der die Menschen immer mehr online einkaufen. Bei uns kann der Kunde bereits heute online mit drei Klicks ein Auto kaufen, und es wird anschliessend gratis nach Hause geliefert. Diese Tendenz wird zunehmen. Alles ist eine Frage der Preisstruktur. Wenn wir ein traditionelles Netz mit zu vielen Vertragshändlern haben, sind wir zu teuer. Der Kunde sucht einen wettbewerbsfähigen Preis, weshalb wir ein modernes Vertriebsmodell anbieten müssen.

Roger Kunz, CEO von ­Auto-Kunz, ist von der Marke JAC überzeugt.

Falls der E-S2 nicht den erhofften Erfolg bringt, importieren Sie dann weitere JAC-Modelle?
Ja, wir wollen JAC langfristig und zuverlässig vertreten. Das ist auch im Sinne des Herstellers. JAC hat mir dies selbst bestätigt und versichert, dass er eine langfristige Vision für Europa hat. Er weiss, dass es unabhängig vom Erfolg des E-S2 weitere Modelle braucht. Die Erweiterung der Modellpalette ist im Gange und bereits auf dem Weg nach Europa. 

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