Ein 4×4, der Überstunden macht

VIERTE PHASE Von dem 2010 aufgelegten ASX von Mitsubishi, einem echten 4x4, der sich bestens verkauft, kommt ein drittes – und ­vermutlich letztes – Facelift auf den Markt.

Nach dem Zusammenschluss mit der Renault-Nissan-Allianz Ende 2016 und nach dem Skandal um manipulierte Tests hat Mitsubishi mittlerweile seine Projekte für die Zukunft überprüft. Der kleinste Partner des französisch-japanischen Verbundes wird sich auf SUVs und andere Crossover spezialisieren, nachdem sich das Unternehmen bereits in den Segmenten der echten 4×4 (Pajero) und der Pick-ups (L200) einen Namen gemacht hat. Dabei wollen die Japaner auf den Teilebaukasten des Konzerns zurückgreifen und unter anderem die gemeinsamen Plattformen übernehmen.

Bis diese Vereinheitlichung umgesetzt wird, hat das Unternehmen keine andere Wahl, als die von ihm angebotenen Modelle, einschliesslich den ASX, in die Verlängerung zu schicken. Der ASX, der im März 2010 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt wurde, ist ein Schlüsselmodell für Mitsubishi, da er mehr als ein Viertel des Umsatzes des japanischen Unternehmens (27%) in Europa ausmacht. In den letzten neun Jahren hat Mitsubishi mehr als 330 000 Einheiten auf dem Alten Kontinent verkauft. Weltweit wurden von dem wiederholt überarbeiteten Fahrzeug 1.36 Millionen Einheiten in über 100 Ländern verkauft. Angesichts dieses Erfolgs wird die Karriere des ASX nun durch ein drittes – und vermutlich letztes! – Facelift verlängert (1. Version 2010–2012, 2. Version 2012–2016, 3. Version 2016–2019).

Neuer Stil
Um die stilistische Kontinuität zu gewährleisten, passt Mitsubishi seinen Bestseller optisch den neuesten Modellen an. So erhält der neue ASX die von den Designern Dynamic Shield genannte neue Frontpartie des Autobauers aus Tokio. Im gleichen Zug erhält die umgestaltete Front neue Scheinwerfer. Auch an der Heckpartie wurden bei diesem letzten Facelift noch einmal Änderungen vorgenommen, indem bei den Heckleuchten nun LED zum Einsatz kommen.

Mitsubishi hat sich auch den Innenraum des Fahrzeugs vorgenommen und vor allem technisch überarbeitet. Die auffälligste Änderung betrifft das Infotainmentsystem, das nun einen acht Zoll grossen Bildschirm mit Tomtom-Software bietet. Dessen Verkehrsinformationen können über den Internetzugang eines verbundenen Smartphones in Echtzeit aktualisiert werden. Das System arbeitet mit dem Smartphone-Link-Display-Audio-Standard, also Android Auto. Dies ist nicht die einzige technologische Innovation: Auch die Konnektivität wurde modernisiert, indem durch ein Programm nunmehr die Daten der verschiedenen im Fahrzeug verbauten Sensoren verarbeitet werden. Dies dient dazu, den Fahrer im Alltag besser zu unterstützen. Das System schlägt beispielsweise vor, nach einer Tankstelle zu suchen, wenn der Treibstoff im Tank zur Neige geht.

Inspiriert vom älteren Bruder Outlander
Der 4×4-Kompakt-SUV ist ein Cousin des Peugeot 4008 und des Citroën C4 Aircross, deren Produktion 2016 beziehungsweise 2017 eingestellt wurde, und somit das dritte Gemeinschaftsprojekt von PSA mit dem japanischen Unternehmen (nach dem C-Crosser/Outlander/4007 und den C-Zero/
i-MiEV/iOn). Zur Erinnerung: Das Fahrzeug bestand zu 70 Prozent aus Komponenten des Outlanders, darunter die wesentlichen Elemente des Fahrwerks. Allerdings wurde die Dämpfung speziell angepasst und mit einem etwas dünneren Stabilisator versehen.

Bei der Motorisierung des ASX setzte Mitsubishi auf den 1.6-Liter-Benzinmotor mit 115 PS. Dieser Motor erfüllte jedoch nicht mehr die aktuellen Abgasnormen, sodass der japanische Hersteller ihn aus dem Verkehr zog. Um ihn zu ersetzen, mochte das Unternehmen allerdings nicht auf den kürzlich im Eclipse Cross eingeführten 1.5-Liter-­Turbo mit 163 PS zurückgreifen. Nein, anstelle des 1.6-Liter-Benziners kommt im ASX ein 2.0-Liter-Saugmotor mit 150 PS (bei 6000 U/min) und 195 Nm (bei 4200 U/min) zum Einsatz; ein Motor, der sich – ebenfalls im Outlander – bewährt hat. Technisch gesehen verfügt dieser Vierzylinder-Motor über nur eine obenliegende Nockenwelle (aber mit immer noch 16 Ventilen) zum Öffnen und Schliessen der Brennkammern, erhält jedoch eine stufenlos geregelte Ventilsteuerung und Mehrpunkteinspritzung.

Je nach Ausführung ist der ASX entweder mit Frontantrieb und Schaltgetriebe oder einer stufenlosen Automatik erhältlich. Der Allradantrieb ist immer an das CVT gekoppelt. Bei der Automatik wird der Antriebsstrang über eine Taste am Mitteltunnel in der Nähe des Ganghebels elektronisch gesteuert. Die drei verfügbaren Modi sind 2WD, 4WD Auto (Vorder-/Hinterachsverteilung von 98:2 bis 50:50%) und 4WD Lock. Letzterer ermöglicht es, die Drehmomentverteilung bis zu einer Geschwindigkeit von 40 km/h bei 50:50 Prozent zu blockieren – ein Getriebe, das den ASX zu einem der letzten echten Kompakten mit 4×4-Antrieb auf dem Markt macht. Darüber hinaus ist der ASX in der Lage, eine beachtliche Anhängelast von 1300 Kilogramm zu bewegen.

Obschon Mitsubishi das Interieur seines ASX neu gestaltet hat, bleibt es im Vergleich zu seinen Konkurrenten im Kompakt-SUV-Segment relativ spartanisch. Der Kofferraum fasst ein Volumen von 406 Litern.

Der nützlichste der Kompakt-SUVs
Zweifellos wird der 4×4 vor allem wegen seines Nutzens und seiner Robustheit geschätzt, denn mehr als jedes andere SUV ist der ASX so konzipiert, dass er robust, funktional und zuverlässig ist. Der Innenraum hat keinen Schnickschnack, und die Getriebetaste beziehungsweise die Bedienelemente an der Mittelkonsole sind besonders gross gehalten, damit man sie leicht bedienen kann. Die Sitze sind fest genug, bieten guten Halt, wenngleich sie etwas spartanisch sind. Natürlich bietet der Japaner ein gutes Platzangebot, vor allem auf den Rücksitzen, wo die Insassen von einer für das Segment grosszügigen Beinfreiheit profitieren. Weniger gut sieht es im Kofferraum aus, da er auf 406 Liter Ladevolumen begrenzt werden musste – ein Wert, der immer noch durchschnittlich ist.

Der ASX ist ein wahrer 4×4-SUV und kann daher natürlich nicht die gleiche Dynamik wie seine Konkurrenten entfalten. Sein Saugmotor erschien uns häufig träge und für eine flotte Fahrweise ohnehin ungeeignet. So sehr, dass wir uns oft gefragt haben, wo die im technischen Datenblatt versprochenen 150 PS geblieben sind. Dies gilt insbesondere auf Passstrassen, denn in den Bergen wirkt der Motor bei geringster Beanspruchung angestrengt und zwingt den Fahrer zur ständigen Betätigung der Schaltpaddles, die äusserst geschickt an der Lenksäule angebracht sind. Beim Fahrverhalten sehen die Ergebnisse besser aus: Im Modus 4WD Auto ist die Traktion vorbildlich. Das Gleiche gilt für die Dämpfer, die gute Filter- und Dämpfungseigenschaften zeigen. Die Seitenneigung ist spürbar, hält sich jedoch in Grenzen. 


Fazit – Olivier Derard, Tester

Mit dem ASX für den Offroad-Einsatz bietet Mitsubishi eine Alternative zu den unzähligen SUVs auf dem Markt, die häufig nicht für Fahrten abseits der Strasse geeignet sind. Leider geht dies einher mit den häufig festzustellenden Schwächen der Autos vom Typ Nutzfahrzeug, nämlich recht anspruchslosen Oberflächen im Innenraum und einer veralteten Infotainmenttechnologie. Vermisst haben wir vor allem etwas mehr Dynamik. Der Grund liegt auf der Hand: ein träger Motor in Verbindung mit einem stufenlosen Getriebe mit letztlich begrenztem Wirkungsgrad. Der Preis des Fahrzeugs (17 950 Franken für das Basismodell) lässt jedoch schnell über all diese Mängel hinwegblicken.

Die technischen Daten und die AR-Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.