Am Flughafen heben längst nicht alle ab

SICHERHEIT AM BODEN Bruno Fitze, der Leiter des Fahrzeugcenters des Flughafens Zürich, verfügt über eine teure, aber auch nachhaltige Flotte.

Bruno Fitze hat die Übersicht. Muss er auch. Denn als Leiter des Fahrzeug­centers Flughafen Zürich ist er Herr über 540 Fahrzeuge, vom normalen PW bis hin zum Spezialfahrzeug. So eigen wie die Fahrzeuge sind, müssen auch die Mitarbeiter sein, welche die Maschinen lenken und warten. Apropos lenken: Autonome Fahrzeuge beschäftigen Bruno Fitze mit Blick in die Zukunft genauso wie die Nachhaltigkeit seiner millionenschweren Fahrzeugflotte. 

Bruno Fitze ist Leiter des Fahrzeugcenters am Flughafen Zürich. Seine Flotte umfasst 540 unterschiedliche Fahrzeuge.

Automobil Revue: Wie viele Fahrzeuge umfasst die Flotte der Zürich Flughafen AG?
Bruno Fitze:Zur Flotte gehören total 540 Fahrzeuge, davon sind 200 PW und Lieferwagen, 60 Lastwagen und Busse, 210 Spezialfahrzeuge, 70 Anhänger und eine Vielzahl von An- und Aufbauten. Der Wiederbeschaffungswert beziffert sich auf rund 70 Millionen Franken.

Welche sind David und Goliath der Flotte?
David ist der 24 PS starke John-Deere-Traktor zum Ausmähen der luftseitigen Wegweiser und von Verregnungsanlagen. Goliath sind die drei rund zwei Millionen teuren und je 1520 PS starken Schneefräsen des norwegischen Spezialisten Overaasen. So ein Gerät schafft pro Stunde rund 10 000 Tonnen Schnee von der Start- und Landbahn.

Welche Anschaffungen im Fahrzeugpark sind kurz- und mittelfristig vorgesehen?
Im Schnitt bleiben die Fahrzeuge etwa 15 Jahre in der Flotte. So ergibt sich Jahr für Jahr ein ansehnlicher Ersatzbedarf. Aktuell werden acht Kehrblasgeräte des Räumkonvois C ersetzt. Sie werden bis mindestens 2040 im Wintereinsatz sein.

Nach welchen Kriterien werden etwa bei VIP- oder Follow-me-Fahrzeugen sowie Bussen Marke und Fahrzeugtyp evaluiert?
Je nach Volumen werden die Fahrzeuge ausgeschrieben. Die wichtigsten Anforderungen an die Fahrzeuge werden vorerst mit den internen Kunden geklärt. Nach dem Abgleich zwischen zwingend notwendigen, wünschbaren, machbaren und letztlich bezahlbaren werden dann möglichst serienmässige Fahrzeuge beschafft. Wichtig sind neben der Erfüllung der Anforderungen hinsichtlich Fahrzeugeinsatz der Preis, die einschätzbaren Betriebskosten und der Kundendienst. Es müssen aber auch alle Fahrzeuge die jeweils gültigen Abgaslimiten einhalten, auch wenn sie nur auf dem Flughafenareal unterwegs sind.

Die meisten der übermässig grossen und schweren Fahrzeuge sind wohl immer noch mit Benzin- oder Dieselmotoren bestückt?
Das ist so. Pro Jahr verbrennt die Flotte 750 000 Liter Diesel und 150 000 Liter Benzin. Doch seit bald zwanzig Jahren beziehen wir aus unserer CNG-Tankstelle auch Gas, im vergangenen Jahr waren es rund 200 000 Kilo. Bei der Flughafen Zürich AG achten wir in allen Bereichen auf Nachhaltigkeit. Bei den Personenwagen geht der Trend klar in Richtung Elektroantrieb. Der Renault Kangoo, unser Alltagswagen, fährt längst lokal emissionsfrei, und der Abfall aus den Papierkörben wird neu von zwei vollelektrischen Nissan ­E-NV200 eingesammelt.

Wird der Fuhrpark künftig auch mit Wasserstoff betriebenen Fahrzeugen ergänzt?
Die Mobilität besteht schon heute aus einem Mix verschiedener Antriebstechnologien. Absehbar ist, dass Verbrennungsmotoren in immer höherem Masse den sehr effizienten Elektromotoren weichen werden. Batteriebetriebene Fahrzeuge sind auf dem Flughafen schon recht verbreitet und eignen sich gerade im Kurzstreckenbetrieb mit moderatem Leistungsbedarf. Beim Energiespeicher Batterie gibt es betreffend Nachhaltigkeit, Gewicht oder Ladezeiten aber noch Luft nach oben. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen früher oder später durchsetzen werden. Welche Technologie es schliesslich auch sein wird: Wir werden als Flughafenbetreiberin in die entsprechende Betankungsinfrastruktur zukünftiger Antriebe investieren müssen.

Der Meister und seine Riesen: Bruno Fitze zwischen zwei Schneefräsen, die zusammen über 3000 PS haben.

Sowohl Fahrer, die Operator, aber auch die Spezialisten für Wartung und Unterhalt dürften nicht ganz einfach zu rekrutieren sein?
Für die Wartung und Reparatur bringen Landmaschinenmechaniker, Auto- oder Lastwagenmechatroniker die besten Voraussetzungen. LKW- oder Busfahrer eignen sich für schweres Gerät am besten. Wir haben auch einige Fahrerinnen. In Sachen Multitasking sind sie den Männern meist überlegen!

Umfasst die Fahrerprüfung auf einem Fahrzeugtyp ebenfalls eine Einweisung auf dem für Laien doch eher unübersichtlichen Flughafengelände mit seinen Bodenmarkierungen, Hinweisschildern, Leuchttafeln et cetera?
Vor einer Einweisung auf den Spezialfahrzeugen durch die jeweiligen Fachgruppen gilt es die Fahrberechtigung zu erhalten. Diese wird nach einer theoretischen und praktischen Ausbildung mit einer Prüfung abgeschlossen. Basis bildet die Fahrberechtigung für das Vorfeld, die je nach Einsatzgebiet der Fahrerinnen und Fahrer mit Prüfungen für Rollwege und Funk erweitert werden kann.

Fahren die spezifisch ausgebildeten Fahrerinnen und Fahrer stets dieselben Fahrzeuge, oder gibt es Operators, welche auf verschiedenen Fahrzeugen eingesetzt werden können?
Das hängt von Arbeit und Einsatzgebiet ab. Mitarbeitende müssen also entsprechend in der Lage sein, verschiedene Fahrzeuge oder Maschinen bedienen zu können, und die dazu notwendigen Prüfungen ablegen.

Wie managen Sie den Einsatz der Kehrblasgeräte, Schneefräsen und Schneepflüge?
Wir vom Fahrzeugcenter sind für die Bereitschaft der Fahrzeuge verantwortlich, damit sie die Gruppe Winterdienst einsetzen kann. Dazu sind die Fahrzeuge in Gruppen eingeteilt, und sie werden von Koordinatoren gezielt eingesetzt. Die ungefähr 140 Einsatzkräfte aus eigenen Reihen werden zusammen mit nochmals so vielen externen Mitarbeitenden per Mobiltelefon aufgeboten und müssen innert einer Stunde verfügbar sein. So gelingt es, Frost, Eis und Schnee den Garaus zu machen. Noch nie in der Vergangenheit war der Airport Zürich infolge Schnees geschlossen!

Die Arbeits- und Ruhezeitverordnung gilt auch für die Operator?
Ja, klar.

Ein klar begrenztes, in sich geschlossenes Gelände wie ein Flughafen bietet sich geradezu an als operatives Feld für autonom fahrende Fahrzeuge. Signalisieren deshalb womöglich einzelne Hersteller Interesse, dereinst vollautomatisierte Schneefräsen oder Follow-me-Zebras am Flughafen Zürich einzusetzen?
Autonom fahrende Fahrzeuge für die Schnee­räumung auf Pisten befinden sich bei spezialisierten Unternehmen bereits in der Testphase. Bei uns sähen wir vorderhand den Einsatz von Assistenzsystemen oder Teilautomatisierungen. Unsere neusten Fahrzeuge sind auf solche Systeme ausbaubar. Später könnte man sich dann Schritt
für Schritt der bedingten Automatisierung oder
gar der Vollautomatisierung nähern. Der Flug­hafen ist zwar ein geschlossenes Gebiet. Man darf aber die hohen Sicherheitsstandards der Luftfahrt nicht unterschätzen, weshalb der Einsatz von fahrerlosen Fahrzeugen auf dem Flughafen eher später als auf den öffentlichen Strassen kommen wird.

Gibt es ein Fahrzeug, das Sie gerne auf Ihrem Wunschzettel hätten?
Wir sind mit unseren oftmals multifunktionalen Fahrzeugen gut aufgestellt. In Zukunft werden elektronische Fahrassistenten zum Normalfall. In diesem Zusammenhang faszinieren mich autonome Fahrzeuge, die ihre Arbeit selbständig erledigen. Ich bin überzeugt, dass wir schon bald mit solchen Fahrzeugen arbeiten werden. 

Der VIP-Chauffeur

Roy Kevin Bearth, Duty Manager VIP-Service und Driving & Safety Instructor
Alter 37
Einsatzfahrzeug 7er BMW, Spezialversion mit Karbonverstärkung
Bei der Flughafen Zürich AG seit 1. Januar 2018

Automobil Revue: Was fasziniert Sie in Ihrem Job besonders?
Das Arbeiten mit verschieden Organisationen und Stellen wie Botschaften, dem EDA, der Polizei, dem Militär, den Airlines und diversen Abteilungen des Bundes ist faszinierend. Ich schätze die Arbeit in einem internationalen Umfeld. Der Flughafen Zürich ist dafür der beste Ort, hier trifft die ganze Welt aufeinander.

Was ist an Ihrem Einsatzfahrzeug besonders schön oder besonders schwierig?
Der Luxus in einem 7er BMW ist natürlich schon etwas ganz Besonderes. Die Herausforderung für unser Team ist das Fahren auf dem Vorfeld, wo wir uns sehr nahe bei den Flugzeugen bewegen und diverse Prozesse einhalten müssen. Zusätzlich trägt unser Team die Verantwortung für unsere VIP-Gäste. Alle durchlaufen ein spezielles Fahrtraining, bei welchen wir unter anderem auch Konvoifahrten mit der Polizei trainieren.

Was ist Ihr Lieblingsort am Flughafen Zürich?
Ich liebe besonders die Atmosphäre auf dem Flughafen am Abend. Einen Lieblingsort gibt es aber für mich keinen.

Der Pisten-Bully

Christoph Nussberger, Mechatroniker und ­Mitglied Pistenräumgruppe
Alter 54
Einsatzfahrzeug Schneeschleuder
Bei der Flughafen Zürich AG seit Februar 1995

Automobil Revue: Was fasziniert Sie in Ihrem Job besonders?
Ich wurde vor gut 25 Jahren vom Flughafenfieber angesteckt. Ich bin Mechatroniker und im Winterdienst sowie bei der Feuerwehr der Flughafen Zürich AG tätig. Jeder Tag ist anders, jeden Tag er­lebe ich hier Neues. Zudem schätze ich die Entscheidungsfreiheit bei meiner Tätigkeit als Mechatroniker sehr. So kann ich stets den bestmöglichen Service für unsere Fahrzeuge anbieten.

Was ist an Ihrem Einsatzfahrzeug besonders schön oder besonders schwierig?
Die Schneeschleuder beispielsweise ist ein riesiges Fahrzeug, aber meistens bin ich mit kleineren Fahrzeugen auf dem Gelände unterwegs. Diese Umstellung von kleinen auf grosse Fahrzeuge ist eine Schwierigkeit, welche es unabdingbar macht, dass ich mich fahrtechnisch jeweils sehr schnell umstellen muss.

Was ist Ihr Lieblingsort am Flughafen Zürich?
Der schönste Ort hier am Flughafen Zürich ist für mich eindeutig bei der Piste 14. Besonders beim Frühlingserwachen ist dort die Sicht auf die Alpen gigantisch – dieses Panorama ist in Worten nicht zu beschreiben.

Millionenschwere Bodencrew

DAVID UND GOLIATH 540 Fahrzeuge, kleine und riesige, kurven auf dem Flughafegelände in Zürich herum. Die AR hat sich acht davon und ihre Aufgaben­bereiche genauer angeschaut.

Adler als Bodyguard
Für die Sicherheit besonders gefährdeter Flugzeuge sorgt am Flughafen ein gepanzertes Fahrzeug der Kantonspolizei Zürich. Landende Maschinen aus Ländern mit Konfliktpotenzial werden ans Dock geleitet oder zum Start an die Schwelle der Startpiste eskortiert. Der Anschlag auf eine
El-Al-Maschine 1969 in Kloten, als vier Attentäter der Volksfront zur Befreiung Palästinas die Maschine auf dem Vorfeld des Zürcher Flughafens beschossen, war der Hauptgrund, künftig mit einem gepanzerten, optisch eindrücklichen und potenzielle Angreifer abschreckenden Schutzfahrzeug Präsenz zu markieren. Fast dreissig Jahre lang kam einem Piranha-Schützenpanzer diese dissuasive Aufgabe zu. Der Dreiachser erfreut heute die Besucher des Festungsmuseums im aargauischen Reuenthal. Ersetzt wurde der Piranha durch den New Eagle IV, ein neues Produkt der Kreuzlinger Mowag. 8.3 Tonnen schwer, mit Stahlplatten gepanzert und mit Scheiben der höchsten Schutzklasse, ist der Adler trotzdem schneller und beweglicher als der Vorgänger.

Mit Adleraugen auf Pistenkontrolle 
Die Airport-Authority, die operative Flugbetriebsaufsicht, fährt mindestens viermal täglich alle drei Pisten ab. Für die Pistenkontrolle sind Adleraugen gefragt, denn schon ein kleines Metall- oder Kunststoffteil könnte ein Triebwerk lahmlegen – ein ebenso teurer wie möglicherweise verhängnisvoller Schaden. Zu sauberen Pisten und Rollwegen gehört auch das Entfernen toter Tiere. Die Kontrolleure haben ausserdem ein Augenmerk auf Vögel und Vogelzüge. Gemäss Pflichtenheft obliegt der Equipe auch die Alarm- und Wetterzentrale, sie hat den Wetterradar stets im Blick, besonders bei aufziehenden Gewittern und möglichen Blitzschlägen. Gegebenenfalls bietet die Airport-Authority den Winterdienst auf oder verfügt einen Handling-Stop. Dann wird nicht mehr getankt, die Flugzeuge werden nicht mehr be- und entladen, die Passagiere entweder ins Flugzeug oder in die Abfertigungshalle beordert. Auf dem Flugfeld herrscht dann gespenstische Ruhe!

Schneepflüge mit Bürsten und Gebläse
So schön die weissen Flocken vom Himmel fallen, so leise der Schnee rieselt, dass er knarrend unter den Winterstiefeln nachgibt, so sehr die verschneite Winterlandschaft das Auge entzückt: Für einen Flughafen ist die weisse Pracht eine grosse Herausforderung. Der Winterdienst der Abteilung Airfield Maintenance der Flughafen Zürich AG ist für die Schneeräumung und Flächenenteisung aller Flugbetriebsflächen (Pisten, Rollwege, Standplätze und Abstellflächen), aber auch für alle Strassen und Parkplätze zuständig. Im Dokument «Winter Operation@ZRH» sind sämtliche Kontakte und Abläufe aufgelistet und genau definiert. Bei Schneefall gilt es, zuerst sämtliche Flugbetriebsflächen mechanisch zu räumen. Insgesamt stehen dazu 71 eigene Räumfahrzeuge mit einem Wiederbeschaffungswert von rund 37 Millionen Franken im Einsatz. Auffallend mächtig sind die drei leistungsfähigen Schneefräsen der norwegischen Firma Ove­raasen. Jede räumt stündlich bis zu 10 000 Tonnen der weissen Pracht von der Piste. Bestückt mit einem rund acht Meter breiten Pflug, entfernen die 20 Kehrblasgeräte mittels rotierender Stahlbürsten und Luftblasdüsen mit 500 km/h Austrittsgeschwindigkeit den Schnee vom Asphalt. Zur Flächen­enteisung wird heute entweder flüssiges Kaliumformiat oder festes Natriumformiat verwendet. Auf den technischen Harnstoff (Urea) wird ganz verzichtet, und herkömmliches Streusalz gelangt wegen korrosiver Eigenschaften lediglich auf Flächen ohne Flugzeugrollverkehr zur Anwendung.

Follow-me-Zebras
Neben dem New Eagle, dem Adler, kurven auf dem Flughafen auch eine Vielzahl von Zebras herum. Zebra, so der Funkname, sind auch auf dem Airport Zürich die klassischen Flughafensymbole. Mit dem schwarz-gelben Schachbrettmuster kommt den Follow-me-Fahrzeugen weltweit dieselbe Wegweiserfunktion für rollende Jets zu. Als Leitfahrzeuge begleiten sie die Flugzeuge nach der Landung über das Rollfeld bis zu ihrem Standplatz. Fast pausenlos sind die Zebras auf den Fahrstrassen, Taxiwegen und Flugzeug-Abstellpositionen unterwegs. Auch ohne ein Flugzeug im Schlepptau gehört auf dem weitläufigen Vorfeld die Betriebsflächenkontrolle dazu, immer mit Augenmerk auf im Wege stehende Hindernisse, falsch abgestellte Fahrzeuge oder vergessene Fluggasttreppen – denn der Pilot sieht nur nach vorne und Flugzeugtragflächen sind gross und ausladend. Die Follow-me-Fahrzeuge sind mit verschiedenen Funkgeräten ausgerüstet, um die wichtigsten Kanäle abzuhören und mit allen Institutionen am Flughafen kommunizieren zu können. 

Flugfeld-Löschfahrzeuge mit 1250 PS
Der Grundsatz «Safety first» gilt an jedem Flughafen. Feuerwehr und Sanität vom Airport Zürich-Kloten stehen seit zehn Jahren unter dem Dach der Organisation Schutz und Rettung der Stadt Zürich. Die International Civil Aviation Organisa­tion (ICAO) erlässt an alle Flughafenbetreiber klare Auflagen, welche Mittel des Feuerwehr- und Rettungsdienstes bereitzuhalten sind. Dabei gilt es vorrangig, innert drei Minuten mit 32 000 Litern Löschwasser jeden Punkt auf dem Flughafen­areal anfahren zu können. Weil in Kloten ein so riesiges Flugzeug wie der Airbus A380 landen kann, wird der Airport Zürich automatisch zu einem Flughafen der höchsten Kategorie 10, was auch die Ansprüche an die Kapazität der Feuerwehr erhöht. Star der Flughafenfeuerwehrflotte ist ein 48-Tonnen-Monster des Typs Ziegler Z8. Die Nummer 1 wurde auf den Namen Florian 9 getauft. Bis Ende 2020 soll die Flotte insgesamt sieben Fahrzeuge umfassen. Das Fahrzeug verfügt über eine Motorleistung von 1250 PS – verteilt auf zwei Motoren, schliesslich bewegt der in Deutschland hergestellte Ziegler Z8 in etwa das Leergewicht eines Airbus A321-200. Diese gewaltige Leistung braucht es, um einen solchen Koloss auf 140 Stunden­kilometer beschleunigen zu können. Der Z8 bunkert ausserdem Schaumextrakt, Löschpulver und Kohlendioxid, verfügt sowohl über einen Dach- und Frontwerfer. Der Preis für das grösste Feuerwehrfahrzeug der Schweiz liegt bei rund 1.5 Millionen Franken.

Schiltrac Eurotrans CVT – der Alpen-Porsche
Die Winterdienst-Flotte umfasst nicht nur XXL-Schneeräumfahrzeuge. Seit vier Jahren stehen ebenfalls zwei kleinere, 175 PS starke Räumtransporter der Marke Schil­trac Eurotrans CVT im Einsatz. Neben einer Kehrbürste am Bug und einem Enteisungstank mit 4000 Litern Fassungsvolumen, einem niveauregulierten Achsfedersystem und Allrad­lenkung beeindruckt vor allem das von Schiltrac speziell entwickelte stufenlose Getriebe. Von 0 auf 40 km/h beschleunigt der Alpen-Porsche wie kaum ein anderes, ähnlich gebautes Fahrzeug. Dazu kommt die geringe Bauhöhe, sodass das massgeschneiderte Spezialfahrzeug unter den Flugzeugflügeln hindurchfahren kann. Weil er agiler ist als die riesigen Pflüge, befreit der Schiltrac Pistenränder, kleinere Verbindungswege und Parkplätze von Schnee und Eis. Im Sommer werden die einfach zu bedienenden Fahrzeuge zur Grünlandpflege eingesetzt.

Pushback-Traktoren – der Rückwärtsgang der Jets

Der Airbus A330-100/200 ist soeben gelandet und steht jetzt auf der Parkposition. Rund eine halbe Stunde später wird der Flieger – neu beladen mit Passagieren, Fracht, Verpflegung und Crew, dazu frisch herausgeputzt – wieder abheben. Rund um den Airbus arbeitet eine Vielzahl von Personen mit gelber Warnweste, vom Ramp-Supervisor dirigiert, der dafür verantwortlich ist, dass der Riesenvogel pünktlich und bestens gewartet zur nächsten Reise abheben kann. Um das Flugzeug aus der Abfertigungsposition so zurückzuschieben, dass dieses aus eigener Kraft Richtung Rollbahn gelangen kann, stehen Flugzeugschlepper, sogenannte Pushback-Traktoren, bereit. Wenn Pushback angesagt ist, umschliesst und hebt der Traktor das Bugfahrwerk und somit den Flieger um 20 bis 30 Zentimeter an. Dann geht es volle Schubkraft voraus, denn Flugzeuge haben keinen Rückwärtsgang. Also weg von der Parkposition, hinaus auf die Weite des Vorfelds. Während des Pushbacks können bereits die Triebwerke gestartet werden.

Nissan E-NV200 verbessern die CO2-Bilanz
Das betriebseigene Abfallmanagement bedeutet für viele Unternehmen eine Herausforderung. Auch für die Flughafen Zürich AG, welche unlängst zwei ältere Fahrzeuge ausmusterte. Nachhaltigkeit, Funktionalität und Zuverlässigkeit, aber auch das Bestreben, die CO2-Bilanz zu verbessern, standen ganz oben auf der Kriterienliste. Um täglich den Abfall einzusammeln, «fanden wir mit dem Nissan E-NV200 ein Fahrzeug, das emissionsfrei unterwegs ist, prädestiniert für Kurzdistanzen», erklärt Bruno Fitze, Leiter Fahrzeugcenter der Flughafen Zürich AG. Bei einer geplanten Einsatzdauer von acht bis zehn Jahren und einer Jahreslaufleistung von zirka 20 000 Kilometern gefiel bei der Evaluation überdies die Flexibilität in der Fahrzeugkonfiguration, wurde doch der ursprüngliche Kastenwagen von Ariva aus Wangen a. d. Aare BE kurzerhand zum Kipper umgebaut.

So schnell wie ein Jet am Boden

In Bologna (I) müssen sich die Düsenjets richtig Mühe geben, wenn sie dem Follow-Me-Fahrzeug folgen. Denn auf dem Heim-Airport von Autohersteller Lamborghini könnte das Follow-Me-Fahrzeug dem Jet bis zum Abheben auf der Startbahn die Richtung weisen. Eine normale Boeing 787 hebt bei rund 300 km/h ab – für einen Lamborghini kein Problem. Automobili Lamborghini hat zum sechsten Mal die Zusammenarbeit mit dem Flughafen Guglielmo Marconi verlängert und setzt darum bis Ende Januar einen Huracán RWD als neues Follow-Me-Car ein. Die Lackierung des neuen Lamborghini-Follow-Me-Cars mit dem 5.2-Liter-V10-Saugmotor, der 580 PS an die Hinterachse liefert, wurde extra vom haus­eigenen Lamborghini Centro Stile entworfen. Auf der orangefarbenen Grundlackierung des Fahrzeugs findet sich das charakteristische Karomuster der Flughafenfahrzeuge wieder. Abgerundet wird das Erscheinungsbild des Follow-Me-Cars an Türen, den vorderen Lufteinlässen und am Heck mit einigen in den ita­lienischen Nationalfarben lackierten Details. Die Spitzengeschwindigkeit des Boliden liegt bei 320 km/h. Offen ist, was mit dem Lambo nach dem Ende des Einsatzes passiert: Wandert er direkt ins Werksmuseum, oder wird das Unikat für einen guten Zweck versteigert?

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