«Ich schätze die Ruhe am Steuer meines Autos»

CHRISTA RIGOZZI Die Ex-Miss-Schweiz aus dem ­Tessin hat Karriere gemacht – mit Talent und harter Arbeit. Die zweifache Mutter fährt auf der Überholspur durchs ­Leben. Auf der Strasse hält sie sich aber an die Vorgaben.

An diesem Montagmorgen im Januar funkeln die verschneiten Berge über Locarno TI, auf den Strassen ist es ruhig. Als Kommunikationsspezialistin hat die Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi alles eingeplant, sogar den Sonnenschein. Das Treffen findet vor einem hübschen Restaurant am Ufer des Lago Maggiore statt, einem idealen Ort, um Fotos zu schiessen. Fröhlich und entspannt posiert die Tessinerin vor ihrem Auto, einem Seat Tarraco, den sie aus gegebenem Anlass aufpolieren liess. Unweit von dieser Szene verschlingt eine Gruppe Enten Brotstückchen, die ihnen ein paar Pensionierte hingeworfen haben. Die kleinen Schwimmvögel werden sich noch am gleichen Abend auf dem Foto wiederfinden, das Christa Rigozzi von sich selbst auf ihrer Internetseite posten wird: Leicht auf die Motorhaube ihres Fahrzeugs abgestützt, kündigt sie den Artikel in der «Automobil Revue» an.

Seat gehört seit 13 Jahren zu den Sponsoren der Tessinerin. Der Automobilhersteller kontaktierte Christa Rigozzi nach Ablauf ihres Amtsjahres als Miss Schweiz: «Ich kannte die Marke, aber nicht besonders gut.» Seither hat die junge Frau die Marke aber schätzen gelernt. Betrachtet man die Laufbahnentwicklung der jungen Blondine, die zu einer gleichermassen charismatischen wie geschätzten Schweizer Persönlichkeit gewachsen ist, so hat Seat einen guten Riecher bewiesen. Alle acht bis zwölf Monate erhält sie ein neues Fahrzeug vom Hersteller. Welches sind aus Sicht der jungen Frau die wichtigsten Eigenschaften eines Fahrzeugs? «Es muss praktisch, gross und ökologisch sein», sagt Rigozzi. Sie gibt offen zu, dass sie ihren Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer nicht kennt, Technik ist nicht wirklich ihr Ding: «Wenn mir die Besucher des Autosalons technische Fragen stellen, schicke ich sie zu den kompetenten Seat-Mitarbeitern. Ich mag das Design meines Autos und den grossen Bildschirm.»

Weniger Auto, mehr Zug
Christa Rigozzi erwartet ungeduldig das erste Elektromodell der Marke, das am Autosalon Genf vorgestellt wird: «Es wird eine Reichweite von 400 Kilometern haben. Ich plane, eine Steckdose zu installieren, damit ich es zu Hause aufladen kann.» So nebenbei, zu welchem Fahrtyp zählt sie sich eigentlich? «Ich fahre fast täglich, aber meine Mobilität hat sich in den letzten Jahren verändert.» Seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels 2016 konnte die Tessinerin ihre jährliche Kilometerzahl tatsächlich um mehr als die Hälfte reduzieren. Früher fuhr sie ungefähr 45 000 Kilometer pro Jahr, heute kommt sie noch auf 18 000 bis 20 000 Kilometer. Denn nun braucht sie mit dem Zug nur noch eineinhalb Stunden nach Zürich, wo sie für verschiedene Fernsehsender arbeitet. Mit dem Auto benötigt sie für die gleiche Strecke 2:15 Stunden. «Ich nutze die intelligente Mobilität: Bis nach Bellinzona fahre ich mit dem Auto. In Zürich nehme ich ein Taxi oder einen E-Scooter.»

«Porca patata» statt «vaff’…»
Die junge Frau gibt zu, dass sie am Steuer nicht viel Geduld besitzt. «Ich bin eine vernünftige Fahrerin und überschreite die Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht, aber wenn auf der Autobahn eine Person vor mir 118 km/h fährt und eine andere auf der linken Spur mit 90 km/h, dann ärgere ich mich.» Der italienische Ausdruck, der mit «Va…» beginnt und mit «…o» endet, kommt über ihre hübschen Lippen. Ein ernsthaftes Problem, seit sie Mutter geworden ist. «Einmal haben meine Zwillinge, die jetzt drei Jahre alt sind, wiederholt, was ich gesagt habe. Also habe ich einen Ausdruck erfunden, den ich sage, wenn ich mich am Steuer aufrege: Porca patata! Inspiriert von porca miseria (verdammter Mist – Red.).»

Alleine im Auto zu sein, das gehört für die Tessinerin zu den Momenten, die sie besonders schätzt: «Wenn ich eine TV-Sendung oder einen Abend moderiert habe, bei dem ich während Stunden mit Hunderten von Personen gesprochen habe, und dann nach Monte Carasso zurückfahre, schätze ich die Ruhe und Stille in meinem Auto. Ich brauche diesen Moment, um zu reflektieren, was ich getan habe und was ich verbessern könnte. Oder aber, um einfach an nichts zu denken.»

Eine leere Agenda gibt es nicht
Das Leben von Christa Rigozzi gleicht einem Wirbelsturm. Seit der Wahl zur Miss Schweiz 2006 ist sie mit einem enormen Tempo unterwegs, doch mit der Geburt von Zoé und Alissa Ende 2016 hat sich die Geschwindigkeit weiter erhöht: Die junge Familienmutter befindet sich nun auf der Überholspur. Die Absolventin des Studiengangs Kommunikationswissenschaft und Medienforschung an der Universität Freiburg wird von rund einem Dutzend Marken gesponsert und ist an zahlreichen Fotoshootings, Werbespots und Events mit dabei. Kürzlich war sie an der Lauberhornabfahrt in Wengen BE und bei den Olympischen Spielen für Sportler mit Behinderung in Villars VD. Sie moderiert TV-Sendungen, Abende von Banken oder Versicherungen, Galas oder Diplomverleihungen: «Ich habe schon Engagements für 2022. Mein Manager Raffy Locher kümmert sich um meinen Terminplan. Und er verhandelt die Preise.»

Wie erklärt sie sich ihre Konstanz, wo doch die Mehrheit der Miss-Schweiz-Gewinnerinnen vom Radar verschwunden ist? «Es ist ein bisschen Talent und viel Arbeit. Ich spreche fünf Sprachen, darunter Deutsch, Französisch und Italienisch. Ich bin pünktlich, organisiert, zuverlässig, und ich bereite meine Moderationen vor.» Dazu kommen ihre gute Laune, Aufgeschlossenheit und warmherzige südländische Art. Doch die junge Mutter könnte alle diese Aktivitäten nicht ohne den Mann ihres Lebens betreiben: Giovanni. Er ist Sizilianer,  aber kam im Tessin zu Welt, wo er mit fünf Schwestern aufgewachsen ist. Christa Rigozzi kann auf ihn zählen, er kümmert sich um die Kinder und das Haus. Sie hat ihn mit 16 Jahren kennen gelernt, er war damals 21 Jahre alt. Seither gehen sie gemeinsam durchs Leben. Ein Märchen? «Wir sind seit 21 Jahren zusammen. Liebe bedeutet Arbeit. Und man muss gemeinsame Momente als Paar schaffen. Wir befolgen die strikte Regel: 19 Uhr Abendessen, 20 Uhr Kinder ins Bett. So haben wir den Abend für uns.» Christas Augen strahlen, als sie von ihren beiden Mädchen erzählt: «Das ist das Schönste, was mir in meinem Leben passiert ist.» 

Ex-Miss-Schweiz Christa Rigozzi arbeitet heute als Fernsehmoderatorin und fühlt sich
wohl vor der Kamera. Von Seat erhält sie alle acht bis zwölf Monate ein neues Auto.

«Ohne Auto geht es nicht»

FRAGEBOGEN Das Frage-Antwort-Spiel von Marcel Proust ist weltberühmt. Die AR wandelt es ab – aus Proust wird Prost.

Automobil Revue: Wer ist Prost für Sie?
Christa Rigozzi: Alain Prost ist eine Formel-1-Ikone. Er und Ayrton Senna haben uns zum Träumen gebracht. Ich war noch klein, aber ich erinnere mich daran. Ich kenne seinen Sohn Nico Prost sehr gut, ich habe ihn auf der Bühne eines grossen Events interviewt.

Ihr erstes Mal im Auto?
Mit 18 Jahren als Fahrschülerin. Mein Vater, meine Mutter und mein jetziger Mann waren dabei.

Ihr erstes Auto?
Ein gebrauchter schwarzer Honda Civic, den mein Vater gekauft hatte. Ich war am Gymnasium in Bellinzona und lieh oft das Auto meines Bruders aus, um mit Freunden auszugehen. Mein erstes Auto hat es mir ermöglicht, mich frei und unabhängig zu fühlen und meine ersten Ferien am Meer zu verbringen. Ich war 19 Jahre alt und fuhr mit drei Freundinnen nach Rimini-Riccione.

Was fahren Sie heute?
Seit 13 Jahren Seat. Die Marke hat mich 2007 nach meinem Amtsjahr als Miss Schweiz kontaktiert.

Ihr Traumauto?
Ich bin keine Autofanatikerin. Für mich zählt, dass mir das Auto gefällt und mich überall ohne Panne oder Probleme hinbringt. Ich interessiere mich noch nicht einmal für einen Ferrari.

Ihre beste Fahrt im Auto?
Das war vor fünf Jahren an der Tour de Suisse. Ich war als Moderatorin engagiert und manchmal konnte ich mitten im Feld fahren. Ich musste immer dem gleichen Radfahrer folgen. Was für ein Stress! Es war nicht einfach, die anderen Fahrzeuge unter diesen Bedingungen zu überholen. Da ich Aufregung liebe, war es eine tolle Erfahrung.

Ein Alptraum im Auto?
Das war in Südafrika nach einem Fotoshooting für die Miss Schweiz. Ich war mit einem Chauffeur, der nur Afrikaans sprach, auf dem Weg zum Flughafen, als das Auto eine Panne hatte. Wir befanden uns im Nirgendwo, es stieg Rauch aus der Motorhaube auf, und kein Mensch war auf der Strasse zu sehen. Ich wollte die Agentur anrufen, doch es gab kein Netz. Schliesslich fuhr ein Lastwagen mit drei Männern an uns vorbei. Sie nahmen mich mit und brachten mich zum Flughafen.

Am Steuer Ihres Autos fühlen Sie sich …
Frei.

Ein Leben ohne Auto?
Unmöglich. Vielleicht, weil ich Tessinerin bin und jeder im Tessin aufgrund der Topografie ein Auto besitzt. Das öffentliche Verkehrsnetz ist hier weniger gut ausgebaut als in Genf oder in Zürich.

Ein Tempolimit von 30 km/h in allen Schweizer Städten, wäre das eine gute Idee?
Ja, vor allem dort, wo es Kinder gibt, rund um Schulen und Spielplätze. Es ist auch wichtig für die Sicherheit von älteren Personen.

Selbstfahrende Autos: Lust oder Frust?
Ich stelle mir das wie Zugfahren vor: Ich könnte lesen, meine Präsentationen vorbereiten, mich schminken. Das wäre nicht schlecht. Aber auf der anderen Seite ist es schwierig, auf das Fahren zu verzichten, denn ich liebe es, am Steuer zu sitzen. Es bräuchte einen Mix aus beidem.

Wen würden Sie am Strassenrand auf jeden Fall mitnehmen?
Roger Federer.

Und wen würden Sie nicht mitnehmen?
Eine Person, die mir nicht vertrauenswürdig erscheint. Da höre ich auf meinen sechsten Sinn.

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