Ausgebrüllt, Löwe!

STILLER WECHSEL Unter dem Motto «Move to Electric» stellt Peugeot neue Hybrid- und E-Modelle vor und unterstreicht die Bereitschaft zur Abkehr vom Verbrenner.

Bis Mitte des Jahrzehnts, so hat PSA-Chef Carlos Tavares versprochen, werden alle Konzern-Modelle in irgendeiner Form elektrifiziert sein. «Move to Electric» zeigt nun schon einmal auf, wie sich das Peugeot vorstellt – und dass man auf einem guten Weg ist. Uns stand fast die ganze Bandbreite der möglichen Elektrifizierungen zur Verfügung, auf einen milden Hybriden verzichten die Franzosen, dafür gab es gleich zwei frische Plug-in, den 508 Hybrid sowie den allradgetriebenen 3008 Hybrid 4 GT. Dazu kamen noch die beiden bekannten und schon beschriebenen Stromer E-208 (AR 42/2019) und E-2008 (AR 51-52/2019). All diesen Modellen ist gemein, dass sie sich optisch kaum von ihren Brüdern mit Verbrennungsmotoren unterscheiden.

Hätte es einen Schönheitspreis zu gewinnen gegeben, der Autor hätte ihn dem neuen 508 SW Hybrid verliehen. Dieser Kombi (Station-Wagon) ist elegant, schlank, also unverkennbar ein Peugeot. Wie die ebenfalls hübsche Berline wird er von einem 1.6-Liter-Benziner (181 PS) und einem Elektromotor (110 PS) angetrieben, die zusammen auf eine Systemleistung von 225 PS kommen. Die Kraft wirkt einzig auf die Vorderräder, geschaltet wird über die bekannte Achtgang-Automatik. Die Fahrleistungen lassen sich als ganz ordentlich bezeichnen, der 508 Hybrid will in knapp über acht Sekunden von 0 auf 100 km/h rennen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei beachtlichen 240 km/h. Dann hat man aber den E-Modus schon lange verlassen, rein elektrisch kommt der Franzose auf 135 km/h. Und wenn wir schon beim Strom sind: Verbaut ist eine relativ kleine 11.5-kWh-Batterie, die dem Peugeot eine Reichweite von 50 bis 54 Kilometer ermöglichen soll. Nach WLTP soll das einen Verbrauch von 1.3 bis 1.6 Liter ergeben, doch das ist so praxisfremd wie bei allen anderen Plug-in-Hybriden auch. Das Mehrgewicht gegenüber einem vergleichbaren Benziner liegt bei 300 Kilogramm, der genaue Aufpreis für den Hybrid­antrieb ist noch nicht bekannt.

Bekannt ist hingegen, dass der Fahrkomfort sowohl in der coupéhaften Limousine wie auch im Kombi sehr hoch ist – das ändert sich bei den deutlich schwereren Plug-in-Hybriden nicht. Die Frage ist höchstens, wo Peugeot denn den genauen Verwendungszweck sieht, denn eigentlich kann der 508 seine Qualitäten am besten auf der Langstrecke ausspielen. Dies ist aber, das weiss man, nicht die primäre Stärke von Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen.

Weder aussen noch innen ist zu erkennen, dass es sich bei diesem 508 SW um die elektrifizierte Version handelt — auch mit Strom gefällt der Kombi mit seiner Eleganz.

Durchaus geländetauglich
Eine deutliche Stufe stärker tritt der Peugeot 3008 Hybrid 4 GT an. Der 1.6-Liter-Benziner schafft als SUV 200 PS, dazu gibt es gleich zwei Elektromotoren, einen für die Vorderachse mit 112 PS und ­einen für die Hinterachse mit 110 PS. Als Gesamtleistung stehen wie im baugleichen Opel Grandland X Hybrid 4 (AR 5/2020) stolze 300 PS zur Verfügung. Auch die Batterie verfügt mit 13.2 kWh über etwas mehr Kapazität als der 508 Hybrid, die rein elektrische Reichweite soll sich im WLTP-Zyklus auf 59 Kilometer belaufen. Aber wohl nur dann, wenn man nicht dauernd die gesamten Kraftreserven nutzt, die den Peugeot in 5.9 Sekunden von 0 auf 100 km/h sowie maximal 240 km/h bringen können. Wie der 508 Hybrid kann auch der 3008 bis 135 km/h rein elektrisch rennen.

Interessant ist auch die Frage, ob der Peugeot auch im Gelände zurechtkommt. Bodenhaftung in Schräglage, Downhill-Control mit oder ohne eingelegten Gang, hervorragender Grip, reichlich Bodenfreiheit: Das alles beherrscht er schon mit konventioneller Bereifung. Mit profilierter Geländebereifung sei der 3008 als 4×4 noch effizienter, versichert Peugeot. Zuletzt bleibt der gute Eindruck des 3008 Hybrid 4, auch wegen seiner guten Gelände-Gene, aber auch, weil man nach einer Schlammschlacht in der Grube leise mit Strom durchs Dorf schleichen kann. Falls noch welcher übrig ist. Und im Gegensatz zu seinem nüchternen deutschen Opel-Pendant ist sein Interieur französisch schick, edel, funktional und nicht langweilig.

Eine letzte Runde noch
Nach dem über zwei Tonnen schweren 3008 Hybrid 4 GT darf es noch eine letzte Runde mit dem rein elektrischen E-208 sein, damit wir auch das gesamte E-Angebot kennen. Der Stromer bietet mit seinen 1.5 Tonnen auf den kurvigen Nebenstras­sen erstaunlich viel Fahrspass, auch wenn er mit 136 PS deutlich weniger Leistung zur Verfügung stellt. Das adrette, gut verarbeitete Innenleben mit dem i-Cockpit, dessen Bildschirm mit seiner dredimensionalen Darstellung gefällt, ist auch ein Zeichen des neuen Zeitalters bei allen diesen elektrifizierten Peugeot.

Noch in diesem Frühling sollen die ersten rein elektrischen Peugeot 208 zu den Händlern kommen.

Weshalb aber all diese Autos immer noch mit einem Sport-Modus (von insgesamt vier Modi) prunken wollen, scheint etwas widersprüchlich zum eigentlichen Zweck des alternativen Antriebs zu sein: sauber, ressourcensparend, materialschonend und leise. Möglicherweise sichert der Sport-Modus den letzten Rest an Emotion und Fahr­spass, der vielen Autos allmählich abhandenzukommen scheint, an den Peugeot aber offensichtlich doch noch denkt.

Die technischen Daten zu diesen Modellen finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.