Vom grossen Bruder viel gelernt

FACELIFT Optisch sind die Veränderungen nicht dramatisch, aber gelungen. Die inneren Werte machen den Mazda 2 immer mehr zum Leuchtturm seiner Klasse.

In erster Linie ist der Mazda 2 ein typischer Kleinwagen. Er bietet all das, was im B-Segment verlangt wird. Während im Japaner vorne Raumgefühl und Ergonomie gar überdurchschnittlich sind, lässt es sich hinten gerade so aushalten – der Mazda 3 bietet allerdings auch nicht viel mehr Platz. Der Kofferraum ist mit 280 bis 950 Litern von der kleineren Sorte. Eine Mittelarmlehne kostet Aufpreis (373 Fr.). Die Verarbeitung ist nicht bis ins letzte Detail perfekt, aber im Vergleich mit der Konkurrenz ist das Jammern auf hohem Niveau. Denn die sicht- und spürbare Materialauswahl ist bemerkenswert. Ähnliches gilt für die Ausstattung; davon bringt der Mazda 2 für einen Basispreis ab 19 800 Franken jede Menge mit.

Optisch nähert sich der kleinste Mazda immer mehr dem grösseren Mazda 3 an.
In seinem Segment hingegen ist sein Gesamtpaket eigenständig und einzigartig.

Wir fahren in der Nähe von Athen die griechische Küste entlang. Die Kurvenradien werden enger, die Strassen schlechter. Zudem herrscht ein rauer Wind. Dies sind nicht gerade Konditionen, die dem klassischen Kleinstwagen schmeicheln. Doch der Mazda 2 hat viel von seinem grös­seren Bruder, dem 3er, gelernt. Mit beinahe stoischer Ruhe und erwachsenen Fahreigenschaften trotzt er Bodenwellen, Schlaglöchern und Seitenböen. Untersteuern tritt erstaunlich spät auf, das Fahrwerk darf als sportlich-straff abgestimmt bezeichnet werden. Das muss man mögen, genauso wie den relativ zum Gesamteindruck zu laschen Widerstand des Kupplungspedals. Gegen Aufpreis ist eine Automatik (2000 Fr.) erhältlich. Diese Wahl wäre jedoch schade, denn die Japaner verstehen sich auf manuelle Schaltungen! Die knackigen Schaltwege des Sechsgang-Getriebes sind ein schöner Kontrast zur meist weichgespülten Konkurrenz.

Und welcher Kleinwagen verzichtet heutzutage noch auf die Turbounterstützung? Mazda bleibt auch hier seiner Philosophie treu und verbaut einen 1.5 Liter grossen Skyactiv-G mit 90 PS und 148 Nm Drehmoment als einzige in der Schweiz erhältliche Motorisierung. Bei niedriger Belastung läuft der nur in der handgeschalteten Version mit einem 22.5-Volt-System samt Riemengenerator mildhybridisierte Benziner vibrationsarm und akustisch kaum wahrnehmbar. Damit geht es in unter zehn Sekunden von 0 auf 100 km/h. Dafür braucht der Vierzylinder einiges an Drehzahlen. Schön, dass der Sauger danach giert, auch wenn die Leistungskurve alles andere als spektakulär ist. Es macht Spass, die Gänge auszudrehen, über 4500 U/min ist die Luft jedoch spürbar draussen.

Die schlichte Designsprache mit klaren Linien hat im Mazda 2 Einzug erhalten.
Eines von vielen Highlights ist die 360-Grad-Kamera mit Vogelperspektive (u. r.).

Gelungenes Geburtstagsgeschenk
Im Sense-Pack (1100 Fr.) sorgen vier Kameras für fünf Anzeigen, darunter die für dieses Segment beinahe einzigartige 360-Grad-Rundumansicht. Dazu gesellen sich acht Parksensoren. Der Notbremsassistent sieht neuerdings auch bei Nacht und funktioniert bei Rückwärtsfahrt. Ebenfalls im empfehlenswerten Paket enthalten ist der adaptive Tempomat. In der höchsten Ausstattungsversion ab 23 300 Franken fährt der Mazda 2 mit einem adaptiven Matrix-Lichtsystem inklusive Fernlicht­automatik vor. Zudem sind der Totwinkelwarner, die zuverlässige Verkehrszeichenerkennung, ein zurückhaltender Spurhalteassistent sowie die Berganfahrhilfe serienmässig. Kritikpunkte gibt es auf den ersten Blick wenige, am ehesten zu nennen wären der nicht ganz stimmig aufgesetzte Sieben-Zoll-Bilschirm des Navigationssystems (700 Fr.) und das etwas billig wirkende Plexiglas des ebenfalls serienmässigen Head-up-Displays. Der gebotene Funktionsumfang ist allerdings lobenswert.

Zwar handelt es sich beim neusten 2er nur um ein Facelift, die Optik nähert sich aber merklich dem von anderen Modellen der Marke bekannten Kodo-Design an. Der Frontgrill im Wabenmuster wurde vom 3er übernommen, die Scheinwerfer und die langgezogene Motorhaube zeigen nun dasselbe Gesicht. Und weil die C-Säule im 2er nicht derart ausladend ist wie beim grösseren Bruder, ist auch die Rundumsicht besser.

34 000 Einheiten vom 2er wollen die Japaner im nächsten Geschäftsjahr bis Ende März 2021 in Europa verkaufen. Das entspricht 14 Prozent im für Mazda zweitwichtigsten Markt. Mit dem hervorragenden Gesamtpaket des Mazda 2 scheint dieser Geburtstagswunsch – die japanische Marke wird heuer 100 Jahre alt – mehr als nur realistisch. 

Die technischen Daten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

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