Zehn Quadratmeter mit viel Raum und Power

DER BULLE MIT VIER NASENRINGEN Der Audi SQ7 ist ein zuvorkommender Muskelprotz mit extremen Raum- und fahrdynamischen Qualitäten.

Klimaschützer finden solche Autos hammermäsig daneben. Greta würde wohl Schreikrämpfe, Masern, Haarausfall und akuten Durchfall kriegen, wenn sie dieses Auto, das klar über 200 Gramm CO2 pro Kilometer produziert, fahren müsste. Zur Erinnerung: Seit heuer liegt die CO2-Emissionsgrenze der EU bei 95 Gramm. Aber eben: Ohne die Unvernunft wäre die Vernunft ja nicht sichtbar. Darum wird es bei allen Korrekturen, die das Leben derzeit offenbar für die Menschheit bereithält, damit sie vernünftiger wird, auch immer Unvernünftiges geben. Es geht dabei wie immer um das Ausmass. 

Dieser Audi SQ7, zusammen mit dem Bentley Bentayga und dem VW Touareg das stärkste Diesel-SUV der Welt, macht Freude. Ein maximales Drehmoment von 900 Nm beschleunigt den SQ7 im Test in rund fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt abgeriegelt bei 250 km/h. Über eine Achtstufen-Automatik und den Quattro-Antrieb kommt die Kraft auf die Strasse. Der elektrisch angetriebene Verdichter (EAV) steht den zwei Turboladern immer dann zur Seite, wenn die Lastanforderung durch das Gaspedal hoch, gleichzeitig das Energieangebot im Abgas jedoch niedrig ist. In weniger als 250 Millisekunden kann der Verdichter auf 70 000 Umdrehungen pro Minute beschleunigt werden und damit für einen schnellen Aufbau des Ladedrucks sorgen. Das wiederum hilft, das potenzielle Drehmoment beim Anfahren und Beschleunigen auf ein sehr hohes Niveau zu heben. Durch das komplexe System liegen die 900 Nm bereits ab 1250 und stehen bis 3250 Umdrehungen an. Absolut sinnvoll bei so einer Lokomotive mit einer maximalen Anhängelast von 3500 Kilogramm, allein schon, um beim Einbiegen auf die Hauptstrasse die Lücke zu treffen. Trotz des aufwändigen Systems reicht die Gasannahme aber nicht ganz an die eines Saugmotors heran, man spürt eine kleine Verzögerung. Dann aber wird der gut fünf Meter lange, zwei Meter breite und 1.75 Meter hohe PS-Brocken durch die einwirkende Kraft so etwas von aus seinem Zustand der Ruhe geholt und in Bewegung gesetzt, mein lieber Scholli! In der Abgasanlage sorgen zwei Aktuatoren für den passenden Sound. 

Heimrevier Autobahn
Dafür, dass der Verbrauch nicht in unerwünscht atmosphärische Höhen jagt – im Test waren es durchschnittlich 10.2 Liter – sorgt ein Mild-Hybridsystem, das den Motor während der Fahrt situationsabhängig abschaltet und in den Segelmodus versetzt. Beide Systeme werden von einem 48-Volt-Netz mit Energie gespeist. Die Autobahn ist nachvollziehbar das bevorzugte Revier des grossen Blauen. Abstandstempomat, Spurhalteassistent und der prädiktive Effizienzassistent halten das Auto prima in der Spur. 180 km/h werden zu gefühlten 120. Ruhe herrscht, und Mann, Frau und Kind fühlen sich sicher. Neu ist neben dem Trailer-­Assist der Notfallassistent: Er bringt das Auto zum Stehen, wenn der Fahrer keine Aktivität mehr zeigt, und leitet Schutz- und Rettungsmassnahmen ein. Diese Funktion ist sowohl während des assistierten Modus als auch bei manueller Fahrt aktiv. Die serienmässige Sport-Luftfederung und die Progressivlenkung, die mit zunehmendem Lenkeinschlag immer direkter wird, sorgen für eine prima Fahrdynamik. Sehr schön. Auf der Autobahn lenkt die Allradlenkung leicht gleichsinnig mit, was mithilft, das Auto stabil zu halten. Das gleiche Tool macht den Riesen in der Stadt, wo es möglicherweise eng wird, wendiger, weil es zugunsten der Agilität um bis zu fünf Grad gegensinnig einlenkt. Optional ist eine elektromechanische Wankstabilisierung erhältlich.

Apropos Kurven. Das Sportdifferenzial verschiebt bei schneller Kurvenfahrt die Kräfte zwischen den Hinterrädern. So wird die SUV-Kanone beim Einlenken oder Beschleunigen in die Kurve hineingedrückt und Untersteuern weitest eliminiert. Fühlt sich durchaus sportlich an. Bei drohendem Übersteuern wird das Antriebsmoment zum kurveninneren Rad verlagert, was hilft, einen dreifachen Rittberger über die grüne Wiese zu umgehen. Wuchtige Reifen auf 20-Zoll-Felgen füllen die Radhäuser aus. Dahinter lugen auf Wunsch Kohlefaser-Keramik-Bremsscheiben und rote Bremssättel hervor, die das sportliche SUV im Notfall abfangen. Das Räderangebot reicht bis zur Grösse von 22 Zoll. Aufgrund der hohen Motorleistung kommen an der Vorderachse Bremsscheiben von 400 Millimetern Durchmesser zum Einsatz, an der Hinterachse solche von 350 Millimetern. Bei der Kohlefaser-Variante messen sie 420 und 370 Millimeter. Alternativ zu den Matrix-LED-Scheinwerfern gibts HD-Matrix-LED-Scheinwerfer inklusive Laserlicht.

Zehn Quadratmeter SUV: Der über fünf Meter lange und über zwei Meter breite SQ7 hat jede Menge zu bieten. Vor allem der Innenraum ist nach dem Facelift auf dem angemessenen, neusten Stand. Da ist viel Technik, die einem beim Fahren hilft. Aber auch hinsichtlich Raumangebot lässt der Audi SQ7 keinen Wunsch offen. Optional sind sieben voll nutzbare Plätze.

Platz und Hightech
Von vorne betrachtet macht der SQ7 nach dem Facelift einen auf sportlich. Markant ist der Singleframe-Grill im Oktagon-Design mit vertikalen Doppel-Lamellen. Im Stossfänger stechen Elemente in Selenitsilber hervor, die Endrohre sind wie bei den anderen S-Modellen rund statt eckig. Der Unterfahrschutz am Heck wirkt noch robuster. Einige Anbauteile sind in Silber-matt lackiert, das Optikpaket Schwarz ist optional.

Innen wartet der Audi SQ7 TDI mit einer Leder-Alcantara-Ausstattung auf. Sportsitze sind serienmässig. Ein ganz grosses Plus des SQ7 sind die optionalen Sitze Nummer sechs und sieben, die im Nullkommanichts elektrisch aufgeklappt sind. Sitze notabene, auf denen normal entwickelte Erwachsene und grosse Kinder problemlos Platz nehmen können. Keine Pseudohocker also wie andernorts, die mindestens eine doppelseitige Beinamputation verlangen, bevor man sich hinsetzen kann. Unnötig festzuhalten, dass auf den Plätzen eins bis fünf in der ersten und zweiten Reihe üppig Platz für Beine jeder Längenordnung herrscht. Wer will, kann die Rücksitzbank plus bestellen, bei der sich die Längsposition und die Lehnenneigung aller drei Sitze einzeln verstellen lassen. Der Kofferraum bietet 865 bis 2050 Liter Fassungsvermögen. Wem es in diesem automobilen Monument zu eng wird, muss sich in der Lastwagen- oder Camperabteilung umschauen. Für die Vernetzung sorgt serienmässig die MMI-Navigation inklusive Echtzeit-Stauinfos, Google-Earth-Karten und zukünftig auch Ampelinformation, die das Surfen auf der grünen Welle erleichtert. Alle Anzeigen erscheinen im Virtual Cockpit mit S-spezifischer Darstellung. Zusätzlich gibt es eine Performance-Ansicht, die den Drehzahlmesser in den Mittelpunkt rückt. Zu den Komfortelementen gehören eine Vierzonen-Klimaautomatik, eine Servofunktion für geräuscharmes Schliessen der Türen, ein Audiosystem von Bang & Olufsen und eine Innenraumbeduftung.

Der SQ7 kostet in der Basis 113 000 Franken. Freilich liegt man mit sinnvollen Ergänzungen bald 20 000 bis 30 000 Franken darüber. Dafür gibt es aber ein sehr schnelles, sicheres und komfortables Auto. 

Innert Sekunden wird aus dem Fünf- ein feudaler Siebenplätzer. Und auch sonst bietet das Gross-SUV optional viele Variationsmöglichkeiten.

Die technischen Daten und die AR-Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

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