Kabelsalat

NETZENTWICKLUNG Es werden immer mehr E-Autos angeboten und verkauft, es gibt immer mehr Ladestationen. Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Wir bringen Licht ins Dunkel.

Obschon sie auf sich warten liessen, schnellten die Verkäufe von Elektrofahrzeugen 2020 mehr denn je in die Höhe. Darauf lassen jedenfalls die von Auto-Schweiz kommunizierten Zahlen zum Geschäftsjahr 2019 schliessen: «Der Marktanteil der Modelle, die übers Stromnetz aufgeladen werden können, erreichte 2019 mit 5.6 Prozent einen neuen Rekord. Die rein elektrisch betriebenen Personenkraftwagen konnten ihren Marktanteil von 1.7 Prozent im Jahr 2018 auf 4.2 Prozent mehr als verdoppeln», erklärt die Vereinigung der offiziellen Automobilimporteure. Dies ist ein Anstieg von mehr als 100 Prozent innerhalb eines Jahres! 

Natürlich ist dieser Anstieg der Tatsache zu verdanken, dass Elektromodelle immer leistungsfähiger und überzeugender werden (s. Seite 12). Das zweite Argument, das für den Kauf eines Elektrofahrzeugs spricht: Das Netz an öffentlichen Ladestationen ist – dank Branchenpionieren wie zum Beispiel Green Motion (s. Seite 4) – mit jedem Tag besser ausgestattet. Mit der Unterstützung von Privatpersonen, die ihre Station der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, bietet dieses Unternehmen in der Schweiz aktuell ungefähr 15 000 Stationen an, aufgeteilt auf 4447 Ladezonen (gemäss Statistiken der Smartphone-Applikation Chargermap). Und die Anzahl nimmt stetig zu: Ende 2018 gab es in der Schweiz erst 3585 Ladezonen, also fast 1000 weniger.

Eine Frage der Verteilung
Heute sind diese Bereiche wie folgt verteilt: 25.6 Prozent (das heisst 1137 Ladezonen) befinden sich in Parkhäusern oder Parkplätzen (kostenloses oder gebührenpflichtiges Parken), 13.4 Prozent (595 Zonen) sind im Besitz von Hotels, 11.4 Prozent (507 Zonen) gehören zu Firmen und 10.1 Prozent (451 Zonen) sind an Autohäuser angeschlossen. Die übrigen Ladestellen befinden sich an Autobahnen (1.3 %, 59 Ladezonen), in Privatbesitz (6.1 %, 270 Zonen), stehen aber der Öffentlichkeit zur Verfügung (s. Seite 4) oder in Einkaufsläden (7.5 %, 334 Zonen) und Restaurants (5.2 %, 233 Zonen). Kurz gesagt, gibt es heute genug Stationen, um das Land kreuz und quer zu bereisen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Saft ausgeht!

Natürlich laden nicht alle Stationen mit der gleichen Leistung und somit auch nicht gleich schnell. Die Ladezeit hängt nämlich auch vom Auto ab, das eingesteckt wird. Zur Veranschaulichung ist es sinnvoll, ein Auto mit einer 50-kWh-Batterie als Beispiel zu nehmen. An einer Heimsteckdose mit einer Leistung von 3.7 kW (üblicher Wert) dauert das Aufladen der Batterie ungefähr 13.5 Stunden (ohne Berücksichtigung der Verluste durch Erwärmung der Kabel oder der Batterie). Ist das Fahrzeug an eine 11-kW-Steckdose (Wallbox) angeschlossen, dauert es nur ein Drittel der Zeit. Das im Fahrzeug integrierte Ladegerät muss dies allerdings zulassen. Es kommt tatsächlich häufig vor, dass die Leistung im Wechselstrom auf 6 oder 7 kW begrenzt ist. Dasselbe gilt für eine (schnelle)   Gleichstrom-Station mit 50 oder gar 100 kW. Es   ist illusorisch zu glauben, dass die gleiche 50-kWh-Batterie an einem 100-kWh-Ladegerät innerhalb einer halben Stunde aufgeladen wäre, da dies von den Stromspannungs- und Stromstärkewerten und somit von der Leistung abhängt, mit der die Batterie aufgeladen werden kann. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass das Aufladen einer Batterie nicht linear erfolgt, denn die Elektronik ist damit beschäftigt, diejenigen Zellen aufzuspüren, die noch geladen werden müssen.

Im Gegensatz zum Treibstoffpreis, der von Tankstelle zu Tankstelle relativ stabil ist, variiert der Strompreis je nach Station (und Anbieter) enorm. Die Kilowattstunde kostet zwischen 25 und 50 Rappen – an einigen Orten bekommt man sie nach wie vor manchmal sogar umsonst, wie es der Autor dieses Textes kürzlich erlebte. Sie sehen, die Widersprüche sind derart zahlreich, dass sich die «Automobil Revue» aus gegebenen Anlass einmal mehr mit der Elektromobilität auseinandersetzt … 

Gute Adressen im Netz
Smartphone-App zum Herunterladen: Chargermap
Informative Websites: ich-tanke-strom.ch, bkw.ch, tcs.ch, greenmotion.ch

Die verschiedenen Steckertypen

Stecker Typ 1
Der auch als SAE J1772 oder Yazaki (nach dem ersten Hersteller dieses Steckertyps) bezeichnete Typ 1 rüstet die überwiegende Mehrheit der um das Jahr 2010 gebauten Elektrofahrzeuge aus. Er ist mit einem Schalter zum Stoppen der Ladung ausgestattet, verfügt jedoch nicht über ein Verriegelungssystem, das ein Abtrennen des Kabels verhindert. In Europa wurde er im Allgemeinen durch den Typ-2-Stecker ersetzt, da er das Laden mit einer Leistung von mehr als 7.4 kW nicht erlaubte. In Ländern, die über ein 110-Volt-Stromnetz verfügen (USA, Japan), ist er dagegen nach wie vor Standard.
Leistung 3.7 bis 7.4 kW.
Strom Einphasig.
Beispiele von Fahrzeugen Kia Soul EV, Nissan Leaf.

Stecker Typ 2/CCS
Der auch als Mennekes (Mennekes Elektro-technik GmbH & Co.) bezeichnete Typ-2-Stecker wurde vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) zertifiziert, und seit 2011 vom Europäischen Verband der Automobilhersteller (ACEA) empfohlen. Neben Tesla haben sich noch diverse andere Hersteller für eine Erweiterung des Steckers (auf Combo 2 oder CCS) für grössere Ladeleistungen von bis zu 350 kW entschieden.
Leistung Typ 2 Standard: 3 bis 43 kW. Typ 2 Combo CCS: 50 kW und mehr.
Strom Ein- oder dreiphasig.
Beispiele von Fahrzeugen BMW (alle bisherigen Modelle), Hyundai Ioniq, Mercedes (alle bisherigen Modelle), Renault Zoe, Tesla (alle bisherigen Modelle) und Volkswagen (alle bisherigen Modelle).

Stecker Typ 3
Der von der Schneider Electric/Legrand/Scame Alliance entwickelte Stecker vom Typ 3c stammt aus dem Jahr 2010, als einige europäische Länder das Vorhandensein einer Kindersicherung an allen in Privathaushalten installierten Steckdosen verlangten. Typ 3 ist nun zugunsten von Typ 2 aufgegeben worden, der zur europäischen Norm geworden ist. Dennoch ist er weiterhin im Renault Zoe erhältlich und geniesst deshalb nach wie vor einen hohen Bekanntheitsgrad. Der Stecker vom Typ 3 ermöglicht ein langsames bis beschleunigtes Laden mit einer Ladeleistung von bis zu 22 kW mit Ein- oder Dreiphasen-Wechselstrom.
Leistung Bis 22 kW.
Strom Ein- oder dreiphasig.
Beispiel von Fahrzeugen Renault Zoe.

Stecker Chademo
Die Technologie mit dem fremd klingenden Namen ist das Resultat der Zusammen-arbeit zwischen Nissan, Mitsubishi, Subaru und anderen und wird hauptsächlich in japanischen und allgemein in asiatischen Produkten (ausser Korea) der Automobilindustrie verbaut. Sie basiert auf Gleichspannung. Seit der Einführung der ersten kompatiblen Ladestation in Europa im Jahr 2011 wurde das Chademo-Protokoll mehrfach überarbeitet, um weiterhin mit dem europäischen und amerikanischen Combo-Stecker konkurrieren zu können.
Leistung 50 kW und mehr.
Strom Dreiphasig.
Beispiele von Fahrzeugen Kia Soul EV, Mitsubishi i-Mi ev (sowie auch die baugleichen Citroën C0 und Peugeot iOn), Nissan Leaf, Tesla (mittels Adapter).

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.