Rekord-Minus im ersten Quartal

MARKTZAHLEN Die Corona-Krise setzt der Autobranche weiter zu. Die Zahl der Neuimmatrikulationen ist so tief wie zuletzt während der Ölkrise in den 1970er-Jahren.

Der April 2020 geht in die Geschichtsbücher der Schweizer Automobilbanche ein. Unter negativen Vorzeichen. Aufgrund der Corona-Pandemie sind im vergangenen Monat gerade einmal 9382 neue Personenwagen auf die Strassen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein gekommen. Das sind 67.2 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Gemäss Auto-Schweiz ist ein Riesen-Minus erwartet worden, doch habe der April alle Befürchtungen übertroffen. Mit Porsche konnte in den ersten vier Monaten nur eine Marke – neben Nischenanbieter BMW Alpina – zulegen. Der kumulierte Marktrückgang liegt bei 35.6 Prozent seit Jahresbeginn. Während in den ersten vier Monaten des letzten Jahres 100 685 Einlösungen neuer Personenwagen registriert wurden, waren es 2020 lediglich 64 834. Seit Beginn des Lockdowns Mitte März wurden an einem durchschnittlichen Arbeitstag rund 800 Autos weniger zugelassen als üblich.

Mehr noch: Seit der Ölkrise in den 1970er-Jahren gab es keinen Kalendermonat mit weniger als 10 000 Neuimmatrikulationen mehr. Das trifft die Autobranche, aber auch den Staat doppelt. «Jeder Abschluss, jede Fahrzeugübergabe, die ein Händler im Frühjahr nicht gemacht hat, ist im späteren Jahresverlauf kaum mehr aufzuholen», erklärt Christoph Wolnik, Mediensprecher von Auto-­Schweiz. Das treffe auch auf das Corona-Jahr 2020 zu. «Wir können aus heutiger Sicht noch nicht abschätzen, ob es im weiteren Jahresverlauf Nachholkäufe geben wird», sagt Wolnik. (Corona-)Prämien auf den Neufahrzeugkauf, vor allem auf umweltfreundliche Modelle, seien aus Sicht von Auto-­Schweiz mittlerweile denkbar. Einerseits, weil die Händler um ihren Umsatz fürchten. Andererseits, weil sich die Importeure mehr und mehr mit dem Nichterreichen der CO2-Grenzwerte abfinden müssten. Die Befürchtung ist gross, dass die damit verbundenen Strafzahlungen auf die Kunden abgewälzt werden, weshalb die Verkaufszahlen in den kommenden Jahren stagnieren könnten.

So schlecht wie seit Jahrzehnten nicht
Der Schaden infolge der Corona-Pandemie ist ohnehin immens. Seit Beginn des Lockdowns wird ein Umsatzrückgang von 1.2 Milliarden Franken verzeichnet. Dem Staat entgehen so Einnahmen durch Mehrwertsteuer von rund 100 Millionen Franken und dem Strassenfond fehlen 40 Millionen Franken. Um noch grösseren Schaden von der Fahrzeugbranche abzuwenden und Arbeitsplätze zu sichern, fordert Auto-Schweiz schon länger die Öffnung der Verkaufsräume der offiziellen Markenhändler wie vorgesehen am 11. Mai. «In den Showrooms wäre die Einhaltung von Abstand- und Sauberkeitsregeln problemlos umsetzbar. Dies haben der Auto Gewerbe Verband Schweiz und Auto-Schweiz gemeinsam in einem Schutzkonzept aufgezeigt», sagt Andreas Burgener, Direktor von Auto-Schweiz. 

Die revidierte Marktprognose von Auto-­Schweiz für die Einlösung neuer Personenwagen im Jahr 2020 liegt nun bei 240 000 Exemplaren. Dies entspräche einem massiven Rückgang zum Vorjahr von rund 23 Prozent. Mit einem solchen Gesamtergebnis würde 2020 zum schlechteste Auto-Jahr seit viereinhalb Jahrzehnten. 

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