Höchste Zeit für einen Frühlingsputz

AUTOPFLEGE Der Sommer kommt, die Quarantäne ist vorbei – Zeit für einen Neubeginn. Gibt es dafür einen besseren Weg, als ein sauberes Auto?

Beim Autowaschen hat es schon immer zwei grundverschiedene Ansätze gegeben: Wird zuerst der Innenraum gereinigt, oder wird zuerst aussen gewaschen? «Das kommt eigentlich nicht so darauf an», erklärt Frédéric Lemarié, Direktor von Ecostarc, einer Autowaschanlage im Lausanner Stadtteil Flon. Tatsächlich seien Innen- und Aussenreinigung sowieso zwei völlig unterschiedliche Dinge. Frédéric Lemarié wird uns in den nächsten anderthalb Stunden Schritt für Schritt erklären, wie ein perfekter automobiler Frühlingsputz aussehen muss – und worauf besonders geachtet werden sollte. Wofür entscheiden wir uns also? Wir nehmen den Staubsauger in die Hand und beginnen mit der Reinigung des Innenraums.

Der Staubsauger allein reicht aber nicht aus, um den gesamten Schmutz aus dem Innenraum zu entfernen. Es empfiehlt sich die Verwendung einer kleinen Bürste, um Staub aus jeder Ecke und Ritze zu entfernen, insbesondere zwischen den Lamellen der Lüftungsdüsen. «Wichtig ist, dass die Borsten der Bürste nicht zu rau sind, damit sie nichts verkratzen», sagt Frédéric Lemarié. Ausserdem soll auch «mit einer kleinen Taschenlampe gearbeitet werden, damit Sie sicher sein können, dass kein Staub und keine Krümel unentdeckt bleiben.»

Der vor allem bei neueren Modellen verbreitete Klavierlack ist besonders heikel und anfällig für Kratzer, wenn er unsachgemäss gereinigt wird: «Dieses Material ist nicht ganz einfach zu pflegen. Damit man nichts beschädigt, muss man ultraweiche Mikrofasertücher verwenden. Und die zu reinigende Oberfläche und das Tuch müssen genügend befeuchtet werden, zum Beispiel mit einem Fensterreiniger.» Es darf auch nicht zu viel Druck ausgeübt werden, damit kein Abnutzungseffekt entsteht – gleiches gilt übrigens auch für die Bildschirme des Infotainments und die transparente Abdeckung des Kombiinstruments.

Um allen Staub zu entfernen, wird die Verwendung eines Pinsels mit weichen Borsten empfohlen.
Es gibt verschiedene Lösungen für die Reinigung von Stoffen, am effektivsten ist sie mit Wasser.
Die Pflege von Kunststoffen erfolgt mit einem speziellen Produkt und einem kleinen Schwamm.

Das richtige Produkt ist entscheidend
Die Auswahl der richtigen Produkte sei entscheidend, erklärt Frédéric Lemarié: «Kunstleder beispielsweise kann mit einer Pflege für Echtleder nicht richtig behandelt werden.» Bevor überhaupt ein Pflegeprodukt zum Einsatz kommt, ist es wichtig, dass das Leder sauber ist. Und schliesslich sollte für die stark belasteten Sitze eine besondere Ledermilch für Autositze verwendet werden.

Die Reinigung von Stoffsitzen ist etwas aufwändiger – und es gibt verschiedene Ansätze. Die einfachste Möglichkeit sind spezielle Textilreinigungssprays, die direkt auf das Gewebe aufgetragen werden und kein Wasser benötigen. Ihre Leistungsfähigkeit ist jedoch relativ begrenzt. «Für die Tiefenreinigung ist es zwingend notwendig, Wasser oder Dampf zu verwenden», erklärt Lemarié. Dies ist zwar teurer, da es einen Dampf- oder Teppichreiniger mit Injektions-Extraktions-System erfordert, aber auch viel wirkungsvoller: «Man sprüht ein Gemisch aus Wasser und Reinigungsmittel auf die Stoffe und Teppiche. Anschliessend schrubbt man kräftig mit einer Stoffbürste, um die Fasern zu reinigen. Zum Schluss wird das Reinigungsmittel, das jetzt den ganzen Schmutz aufgenommen hat, wieder abgesaugt.»

Eine schützende und pflegende Wachsschicht auf dem Lack ist mehr als willkommen.
Wie bei Teppichen erfolgt die Reinigung der Scheiben am besten mithilfe einer kleinen Taschenlampe.
Nach einer gründlichen Tiefenreinigung sieht das Auto gleich um Jahre jünger aus.

Kunststoffreinigung
Wie bei allen Autopflegeprodukten gibt es auch für die Pflege der Kunststoffoberflächen im Innenraum eine schier unendliche Bandbreite an Produkten. «Einige Reiniger können entweder eine satinierte oder eine glänzende Deckschichte auftragen. Diese Produkte verändern aber meist die ursprüngliche Farbe des Materials, weshalb wir eher die Verwendung einer pH-neutralen Seife empfehlen, die mit einem kleinen Schwamm aufgetragen wird», erklärt der Experte. Zeit für die Ausssenreinigung.

Wenn die Mise en Place gemacht ist – es braucht nicht viel mehr als einen Eimer mit heissem Wasser und Autoshampoo, einen Schwamm und den guten alten Lederlappen –, kann gleich mit der Reinigung begonnen werden. Es empfiehlt sich, sich mit kreisförmigen Bewegungen von oben nach unten und Bauteil für Bauteil durchzuarbeiten, sodass nichts vergessen geht. Und: Um das Wasser nicht zu schnell zu verschmutzen, soll immer mit den saubersten Teilen begonnen werden, um dann mit den schmutzigsten wie Kotflügeln, Schwellern und Felgen zu enden.

Gerade bei Felgen ist mehr und mehr Vorsicht angebracht. «Immer häufiger sind Felgen speziell lackiert oder aus bestimmten Legierungen hergestellt. Das ist zwar sehr hübsch, aber vor allem auch sehr heikel», sagt Lemarié. Man sollte deshalb darauf achten, keine zu aggressiven Produkte zu verwenden und diese vor allem nicht zu lange einwirken zu lassen. Ein Tipp des Experten: ­Eine gebrauchte – oder neue – Zahnbürste eignet sich hervorragend, um sonst unerreichbare Stellen an den Felgen zu säubern, sodass diese wieder in frischem Glanz strahlen. Und mit etwas Reifenschwärzer sehen auch die Pneus wieder wie neu aus. Aber Achtung – Reifenglanz nicht auf die Lauffläche auftragen!

Nicht in der Sonne trocknen
Dann werden die Karosserie mit dem Leder abgetrocknet und die Türöffnungen noch gereinigt. Wichtig ist, dass das Fahrzeug nicht in der prallen Sonne steht, da sonst das Wasser bereits auf dem Lack eintrocknet und unschöne Flecken hinterlässt. Das gilt übrigens auch, falls anschliessend noch eine Wachspolitur auftragen wird; auch das sollte im Schatten erfolgen. Letzter Schritt: die Fenster. «Ausser mit Haushaltspapier und handelsüblichem Scheibenreiniger empfiehlt es sich auch hier wieder, mit einer Taschenlampe zu arbeiten, um Schmierspuren und Rückstände wirklich beseitigen zu können.»

«Lieber einen sauberen Renault als einen schmutzigen Rolls, hat mein Vater immer gesagt», erklärt Lemarié lachend und schaut stolz auf den jetzt blitzblanken Audi A3, der inmitten seiner Werkstatt steht. 

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