Limonengelbes Arbeitstier

BMW 1250 GS An der GPEC, der Fachmesse für ­Polizeiausrüstung in Frankfurt am Main, erregte ein Schweizer Polizeimotorrad Aufsehen. Ein Eigenbau, wie ihn sich die Polizei bei uns wünscht.

An der Polizei-Ausrüstungsmesse GPEC Mitte Februar in Frankfurt am Main (D) stiess das Motorrad aus der Schweiz auf grosse internationale Beachtung. Ein Zürcher Polizist, der an dieser Stelle nicht genannt werden möchte (nennen wir ihn deshalb Agent CH), war zur Messe eingeladen, um die von ihm entworfene Maschine auszustellen. Der Töff war keine Auftragsarbeit. Er entstand aus Eigeninitiative. Agent CH schwebte schon lange vor, Polizeimotorrädern ein neues Erscheinungsbild zu verpassen. Der Grund: «Es geht mir vor allem um Sicherheit, gerade des Motorradlenkers. Ein Polizeimotorrad soll die Blicke der Verkehrsteilnehmer auf sich ziehen. Motorräder werden ja generell gerne übersehen. Die Farben Rot und Weiss sind veraltet und zu wenig auffällig. Und nicht nur im Ausland stehen sie eher für Sanität und Notarzt und können verwechselt werden.»

Die EU fordere schon lange einen Farbwechsel. In Deutschland sind beispielsweise die bereits seit 2018 eingesetzten Polizeimotorräder von Osnabrück in Niedersachsen – E-Motorräder von ­Zero – in Lemon gehalten. «Und auch die Schweden haben so etwas schon», sagt Agent CH.

In der Schweiz scheinen die Mühlen der Bürokratie langsam zu mahlen: Die Farbänderung ist innerhalb der EU schon längst gefordert, müsste aber vom Bundesrat verabschiedet werden. Der Bundesrat überlässt dies jeweils den Kantonen beziehungsweise den Polizeikorps. Agent CH versteht nicht, weshalb diesbezüglich nicht schon längst ­eine einheitliche Regelung besteht. Um so mehr, als kürzlich ein Zürcher Kollege auf einem Polizeimotorad «abgeschossen» worden sei, weil er übersehen worden sei. «Ich freue mich sehr auf die neue Maschine», sagte der Polizist.

Eine BMW 1250 GS mit Kriegsbemalung
Das Motorrad, eine BMW 1250 GS Adventure mit 136 PS, fällt vor allem durch seine Kriegsbemalung auf, die es eindeutig als Polizeifahrzeug kennzeichnet. Lemon heisst die Farbe, eine Art Neongelb, die das Motorrad im Zusammenspiel mit Blau unübersehbar macht. Sichtbarer jedenfalls als die üblichen Motorräder der Polizei, die weiss-rot lackiert sind.

Der moderne Prototyp wurde von einem Schweizer BMW-Händler aufgebaut. «Ich habe schon 1999 einen ersten Polizeitöff für die Stadtpolizei Wädenswil entworfen und gestaltet, eine 1150er GS, und das habe ich auf Wunsch nun wieder getan», sagte Daniel Hees, Geschäftsführer von Biker’s Life in Dietlikon ZH. «Viele meiner Kunden sind Polizisten aus dem Raum Zürich, die privat eine GS fahren. Und viele von ihnen fanden, so eine Maschine sei für Motorradpolizisten das geeignetere Arbeitsgerät als die 1100 RT. Offenbar war die GS den Behörden zu wenig repräsentativ.» 

Unser Agent CH bezeichnet die BMW 1250 GS Adventure mit ihren grossen Alukoffern als polizeitaugliches Workhorse, also als Arbeitstier, nicht nur, weil er auch privat eine fährt. Er rief Hees an und erklärte, er sei dabei, ein GS-Polizeimotorrad zu entwerfen, das er auf Behördentreffen präsentieren könne. «Ich durfte dann eine Offerte machen, inklusive der Ausrüstung wie Blaulicht und anderer, polizeispezifischer Ausrüstungen. Bedingung: Das Motorrad müsse vor allem gut sichtbar sein, am besten in den Farben Lemongelb und Blau. Also machte ich mich daran, den Entwurf umzusetzen.» Die Maschine steht nun bereit. Bezüglich Blaulichtanlage stehen den Polizeikorps werkseitig diverse Varianten zur Verfügung.

Die Fernreisevariante der BMW 1250 GS, die Adventure, dürfte sich auch als Dienstmotorrad für die Polizei eignen, vor allem in auffälliger Kriegsbemalung. Unter dem Schnabel vorne am Töff: der Micro-Spotter, ein Kennzeichenerkennungsgerät (Bild unten Mitte).

«Wer gesehen werden will, wird gesehen»
Die ersten Ausfahrten von Agent CH im Auftrag der Polizei im Raum Zürich, Zug, Schwyz, Uri und Graubünden ergaben ein positives Bild. «Seitens der Motorradfahrer wurde diese Ausführung stets gelobt, und sie stand auf jedem Parkplatz im Mittelpunkt. Auch Autofahrer reagierten positiv. Diese Variante wird von allen sehr gut wahrgenommen, und manch ein Autofahrer besann sich, in Zukunft besser auf die Motorräder zu achten, was schon einmal als erstes positives Zeichen aus der Studie zu werten ist.» Wie das Motorrad in der Praxis ankomme und ob sich die Polizeikorps für eine solche Farbvariante entschieden, stehe noch in den Sternen, sagte er. «Verkehrssicherheit fängt eben schon in der Garage an. Wer gesehen werden will, der wird gesehen.» 

Wie Weihnachten im Sommer

Wer kennt es nicht: das Gefühl, wenn man früher als Kind die Weihnachtsglöckchen klingeln hörte, worauf man sich nach sehnsüchtigem Warten endlich auf die Geschenke unter dem Christbaum stürzen durfte. Falsches Thema für diese Jahreszeit?

Nicht ganz. Denn ziemlich genau so fühlte ich mich, als ich letzte Woche die ersten Bilder meiner fast fertig umgebauten Suzuki erhalten habe. Während ich mich derzeit mit Abschlussarbeiten der Schule herumschlage, haben andere Leute, beispielsweise das Team der Speedbox, etwas mehr Spass am Alltag und verpassen meinem Motorrad eine grössere Generalüberholung. Der Umbau, wie in der letzten Kolumne angeschnitten, macht Fortschritte, und bald darf ich mein Bike mit neuer Front und somit anderer Sitzposition, neuem Heck, Karbon-­Auspuff und rot-eloxierter Folierung entgegennehmen.

Mindestens so ein Aufsteller war das, was man in den letzten Tagen von der Motorrad-WM, der MotoGP, zu hören bekam: Die Saison geht bald wieder los. Die Teams bereiten sich nun darauf vor, um Mitte Juli in Spanien erste Tests zu absolvieren und ab 19. Juli Rennen zu fahren. Bis Mitte November sind 13 Grand Prix geplant, alle in Europa. Je zwei Läufe finden dabei in Jerez (E), Spielberg (A), Misano (I), Alcañiz (E) und Valencia (E) statt. 

Die Konsequenz all dieser Entwicklungen hat sich in ihrer ganzen Schönheit an den letzten sonnigen Wochenenden auf den Schweizer Pässen präsentiert. Hat man sich jeweils am Morgen darüber gewundert, dass die Tankstellen so gut besucht waren wie der Check-in-Schalter der Swiss zu Sommerferienbeginn, kam spätestens am Fusse der bekannteren Passstrassen die Frage auf, wann man denn das Ticket ziehen muss, um in dem mehr oder weniger geordneten Chaos die Kurven passieren zu dürfen. Auch wenn wir im Moment mit volleren Strassen klarkommen müssen und den linken Arm mehr zum Grüssen in der Luft als zum Kuppeln am Lenker haben, dürfen wir uns endlich wieder auf unbeschwerte Sommertage freuen. Auf die Tage, an denen wir uns aufs Bike schwingen oder am Sonntag vor dem TV mit der MotoGP mitfiebern. Das ist doch fast wie Weihnachten im Sommer.

Anja Tschopp
www.motorladies.ch
Instagram: @motorlady_

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