Eine Charakterfrage

MILDHYBRID Im Kampf um tiefe Emissionswerte nimmt Suzuki auch den Swift Sport ins Visier. Dabei wird der so quirlige Japaner dann doch stärker eingebremst als gedacht.

Ganz so unbeschwert wie der Vorgänger ist der Neue nicht mehr. Klar, dem aktuellen Swift Sport fehlt es auf dem Papier an 11 PS, der 1.4 Liter grosse Boosterjet-Motor leistet noch 129 PS. Ganz so einfach ist das Verdikt allerdings nicht. Die Facelift-Ver­sion fährt sich merklich behäbiger. Dem Gefühl nach müssten die Gänge etwas länger übersetzt sein – sind sie aber nicht. Die Getriebeübersetzung ist im Vergleich zum Vorgänger dieselbe geblieben, die Schaltwege sind gar um kaum spürbare zehn Prozent verkürzt und die Synchronisation der ersten drei Gänge ist überarbeitet worden.

Optisch bleibt alles beim Alten, der Swift Sport bietet eine gute Mischung aus Alltag und Sportlichkeit. Der «Hybrid»-Schriftzug am Heck weist auf das Motor-Update hin.

Der Grund liegt also anderswo. Suzuki setzt in seiner Flotte voll auf die milde Hybridisierung. Der integrierte Startergenerator unterstützt den Motor mit der 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie und dem DC-DC-Wandler zusätzlich mit 10 kW. Der elektrische Boost erhöht das Drehmoment, bis der direkt am Zylinderkopf befestigte Turbolader anspricht und bei 2000 U/min mit 235 Nm zusätzliche 5 Nm entwickelt. Das sorgt für ein spürbar besseres Ansprechverhalten und eine gleichmässige Beschleunigung. Aber auch dafür, dass der neue Swift Sport nicht mehr ganz so spritzig, aufgeweckt oder spektakulär wie die Vorgänger wirkt. Das zeigt sich deutlich im Sprint von 0 bis 100 km/h. Der neue Swift verliert auf den Vorgänger (7.7 s) ganze 1.4 Sekunden. Auch die eigentlich gut abgestimmte Bremse ist einen Tick schlechter.

Eine Frage der Gewichtung
Gokart-Feeling allerdings kommt nach wie vor auf. Die Lenkung ist direkt, die Schaltung einigermassen genau – hochwertig fühlt sie sich hingegen nicht an. Der übertrieben leichte Widerstand des Kupplungspedals passt zudem nicht in das nach wie vor aufgeweckte Gesamtbild. Trotz elektrischer Drehmoment-Unterstützung will nach wie vor viel geschaltet sein. Der Motor braucht einiges an Drehzahl, liefert dann aber souverän ab. Hartes Kurvenräubern geht, das Fahrwerk mit Monroe-Stossdämpfern vorne und den für den Swift Sport exklusiven Längslenkern hinten begegnet dem Fliegengewicht gar noch etwas besser. Zur Verbesserung der Wankstabilität wurde der Durchmesser der Stabilisator-Gelenkstange erhöht. Radnabe und Radlager sind nun in eine einzige Einheit integriert, die Lager liegen weiter auseinander. Im Zusammenspiel mit der Heartect-Plattform, deren Leergewicht samt Hybridkomponenten (15 kg) nur knapp über einer Tonne liegt, sorgt das durchaus für eine dem Namenszusatz angemessene Quer­dynamik. Vollgas aus einer Kurve ist – natürlich auch aufgrund der beschaulichen Leistung – kein Problem, ebenso wie leistungsbedingtes Untersteuern des frontgetriebenen Swift Sport.

Zur besseren Gewichtsverteilung wurden die Hybridkomponenten unter den Vordersitzen, die eine gute Mischung aus Komfort und Sportlichkeit bieten, verstaut. Damit bleibt das Kofferraumvolumen (265–579 l) erhalten. Und auch auf die für diese Klasse hinten wie vorne ausreichenden Platzverhältnisse hat dies keinen Einfluss. Bemerkbar macht sich die Elektronik allerdings doch. Die Rekuperation setzt unmittelbar ein und sorgt, verglichen mit einem reinen Verbrenner, für ­eine starke Motorenbremse. Apropos Elektronik: Das Infotainmentsystem mit Smartphone-Einbindung wurde nicht überarbeitet. Es ist noch immer behäbig und überzeugt aufgrund der zu kleinen, weiterführenden Bedienelemente kaum.

Einige Überarbeitungen genoss der Motor. Einlassseitig werden die Ventilsteuerzeiten neu elektronisch und variabel gesteuert. Hinzu kommen neu designte Einspritzdüsen und eine Kraftstoffpumpe mit höherem Druck (360 bar). Auslassseitig bleibt der konventionelle, hydraulische Ventil-Stelltrieb. All das soll für um sechs Prozent bessere Verbrauchswerte sorgen. Der Swift lässt sich auf der AR-Normrunde dann auch mit fünf Litern fahren, der geringfügig leichtere Vorgänger ohne «Hybrid»-Schriftzug allerdings auch. Dank des Zusatzes «Sport» sieht die Wahrheit auf der Strasse ohnehin anders aus als auf dem Papier. 

FAZIT
Die Frage bleibt, ob das sportliche Aushängeschild von Suzuki den ganzen Papierkrieg um Emissionswerte mitmachen muss. Oder aber, ob er ihm guttut. Gemäss unseren Messungen sind die Verbrauchswerte, wenn überhaupt, nur geringfügig besser. Zudem würde hinten über dem neuen «Hybrid»-Schriftzug – der einzigen optischen Änderung im Vergleich zum Vorgänger – nicht «Sport» stehen, wenn nicht auch mehr ginge. Weil die Längsdynamik unter dem Motor-Update merklich leidet, verliert der Swift Sport etwas den Charakter des Stadtflitzers, der nach Höherem strebt. Einen Sprung machen die nun umfassend vertretenen Assistenzsysteme, die den 2000 Franken teureren Swift (ab 25 900 Fr.) nach wie vor zu einem spassigen Allrounder machen.

Die technischen Daten und die AR-Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

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