Erneuert und aufgeladen

DOPPELTES SPIEL In der zweiten Generation stürmt der Ford Kuga als preisgünstiger Plug-in-­Hybrid mit frischer Kraft auf den Markt.

Die ernsthafte Elektrifizierung wird immer preisgünstiger. Tatsächlich hat heute so ziemlich jeder Grosshersteller mehrere der auch emissionsfrei fahrenden Modelle im Programm, seien das vollelektrische oder Plug-in-Versionen. Die entsprechenden Technologien werden immer erschwinglicher, vor allem sind die Anbieter aber bereit, ihre Margen für die grünen Alternativen etwas knapper zu berechnen, was ihnen längerfristig Bussen wegen überzogener CO2-Emissionen einspart. Das führt dazu, dass das Angebot an Plug-in-Hybridautos unter 40 000 Franken immer grösser wird, ein brandneues Beispiel ist der Seat Leon E-Hybrid (37 900 Fr.). Nur einen kleinen Schritt darüber findet man jetzt auch den Ford Kuga Plug-in-Hybrid mit einem Basispreis von 42 300 Franken.

Das optionale ST-Line-Paket umfasst 19-Zoll-Räder, rote Bremssättel vorn und einen grösseren Dachkantenspoiler. Die sich elektrisch öffnende Heckklappe ist gegen einen Aufpreis von 500 Franken erhältlich.

Auf den ersten Blick mag der Preis für ein SUV des C-Segments etwas hoch erscheinen, von der Grösse her jedoch klopft der Wagen bereits an die Türe der nächsthöheren Kategorie: Mit 4.61 Metern Länge ist der Kuga quasi auf Augenhöhe mit dem Mercedes GLC (4.66 m). In dieser Beziehung wie auch angesichts der Preise der anderen aufladbaren Hybrid-SUV erscheint der Preis des Kuga PHEV recht attraktiv. Allerdings werden für unseren Testwagen, der unter anderem mit Panoramadach (1500 Fr.) und Metalliclackierung (1000 Fr.) ausgestattet ist, bereits 52 850 Franken verlangt.

Kontrast zwischen innen und aussen
Der Kuga mag etwas von beiden Segmenten haben, seine Zugehörigkeit zur Ford-Familie bleibt aber unbestritten. Das Design folgt mit seinem grossen Kühlergrill und den markant ausgeformten Flanken der jüngsten Stilrichtung der Firma. Die eindrückliche Seitenansicht wird durch den Heckspoiler und die 19-Zoll-Räder mit roten Bremssätteln des Stylingpakets ST Line für 1000 Franken weiter unterstrichen.

Das Interieur fällt im Vergleich zum mutigen Stil der Karosserie etwas ab, das Armaturenbrett wirkt recht konventionell. Nichts tanzt aus der Reihe, Anzeigen, Luftaustrittsdüsen und der schwebend angeordnete Acht-Zoll-Bildschirm präsentieren sich wie gehabt. Die nüchterne Auslegung bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die Ergonomie passt und alles logisch aufgeteilt ist. Weniger überzeugend sind die Grafiken des Infotainmentsystems. Sync 3 ist inzwischen etwas veraltet und hat die jüngsten Bedienungstrends verschlafen. Die Grundauslegung der Menüs gefällt zwar noch mit intuitiven Unterteilungen und spontanem Ansprechen der Befehle. Die Steuerung per Stimme allerdings erweist sich als umständlich und störanfällig, das System erkennt im Gegensatz zum Mercedes-Interface die natürliche Sprechweise nicht.

Zum Glück einstellbar
Der Kuga kann dafür mit dem modernen 12.3-Zoll-­Bildschirm der Hauptanzeigen Punkte gutmachen, die Auflösung ist ausgezeichnet. Der erste Eindruck kann dennoch verwirren, weil manche wichtigen Informationen – etwa der Ladezustand der Batterien – nur mit einem kleinen Symbol am Rand vertreten sind. Andere Indikatoren wie die Anzeige der verschiedenen Kraftquellen der Fortbewegung (Elektromotor oder Verbrennungsmaschine) sind ungewohnt und erfordern einige Gewöhnung. Zum Glück kann man im Ford die Anzeigen anpassen und vereinfachen.

Die Optik des Armaturenbrett ist nüchtern, die Bedienelemente sind dafür logisch angeordnet. Der Gangwahlschalter steuert ein stufenloses Getriebe. Während der Bildschirm des Armaturenbretts sehr gut definiert ist, scheint der Acht-Zoll-Bildschirm des Infotainmentsystems in die Jahre gekommen und von der Konkurrenz überholt worden zu sein.

Das war schon immer eine Stärke der Amerikaner, ähnlich wie die Funktionsweise der Fahrerhilfssysteme. So lässt sich etwa die automatische Geschwindigkeitsanpassung des adaptiven Tempomaten von der Verkehrszeichenerkennung entkoppeln. Das ist fast unabdingbar, denn die elektronischen Augen haben die Tendenz, auch auf wenig relevante Tempolimiten zu reagieren – beispielsweise jene für die Ausfahrtspur. Erfreulich ist auch, dass sich die Spurhaltevorrichtung (Teil des Assistance-Packs für 1500 Fr.) deaktivieren lässt. Diese reagiert ungemein nervös und zerrt dauernd am Lenkrad, um das Auto in der Spurmitte zu halten. Diese Hektik geht nicht zuletzt auf das Konto der äusserst direkten Lenkung, welche jeden Impuls am Steuer spontan in Spurwechsel umsetzt. Bei dynamischer Fahrweise auf kurvigen Strecken ist dies eine Tugend und bietet dem Fahrer viel Fahrspass.

Die direkte Abstimmung wäre fehl am Platz, wenn das Fahrwerk nicht dieselbe Sprache spräche. Und auch in dieser Hinsicht macht der Kuga Fords gutem Ruf in Hinsicht auf ein sportliches Fahrverhalten alle Ehre. Die Karosserie weist nur wenig Seitenneigung auf, der Wagen gibt sich enorm kurvenwillig und fährt wie auf Schienen – bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls. Der hohe Schwerpunkt und das beträchtliche Gewicht (1860 kg) machen sich dann doch deutlich bemerkbar. Hinzu kommt das auf die 19-Zoll-Räder zurückzuführende steife Abrollen, welches auf schlechten Strassenabschnitten Unruhe ins Fahrverhalten bringt. Aber das ist nun einmal die Kehrseite der sportlichen Fahrwerksauslegung.

Die hintere Sitzbank lässt sich um zwölf Zentimeter verschieben und variiert so das Kofferraumvolumen von 411 bis 578 Liter. Das Aufladen dauert bei 7.2 kW Ladeleistung dreieinhalb Stunden. Die sportlichen Akzente sind innen sehr dezent.

Vor allem sparsam
Die ärgsten Spielverderber, die den Spass am flotten Fahren einbremsen, sind denn auch Motor und Getriebe. Auf dem Papier scheint alles bestens: Der 2.5-Liter-Duratec bekommt einen kräftigen Elektromotor (131 PS) für eine Systemleistung von 225 PS zur Seite gestellt. Im Fahrbetrieb jedoch wird die Kraft der beiden Motoren vom kontinuierlich variablen Getriebe in Watte gepackt. Hohe Drehzahlen gehen mit einem lauten, dabei wenig emotionalen Motorgeräusch einher, für den Sprint von 0 bis 100 km/h lässt sich das SUV 9.2 Sekunden Zeit.

Wer mehr Wert auf Sparsamkeit denn auf sportliche Leistungen legt, der wird am Kuga Freude haben. Der Wagen kann dank der 14.4 kWh grossen Batterie, die in dreieinhalb Stunden voll geladen werden kann (mit maximal 7.2 kW), bis zu 48 Kilometer rein elektrisch fahren. Für unsere Testrunde ermittelten wir einen Durchschnittsverbrauch von 5.6 l/100 km. Das ist respektabel, fällt aber gegen die 4.4 l/100 km des Leaders, des Toyota RAV 4 Hybrid, deutlich ab. Der Kuga tut sich mit der Eigenschaft hervor, dass er mit bis zu Tempo 135 allein per Elektroantrieb fahren kann.

Ein weiteres Highlight ist seine Variabilität. Die zweiteilige Rücksitzbank lässt sich um 15 Zentimeter verschieben. Für den Gepäckraum bleiben so 411 bis 581 Liter, die Beinfreiheit variiert von 17 bis 56 Zentimeter. Kritik gab es von den Testern an der hohen und zu aufrechten Sitzposition vorn. Aber das ist kein Beinbruch, der Ford Kuga bleibt ein sehr überzeugendes Familienauto. Mit seinen vernünftigen Preisen bietet das SUV Eltern mit ­einem oder zwei Kindern die Gelegenheit, erste Erfahrungen mit der Elektromobilität zu sammeln, ohne von Reichweitenangst geplagt zu werden. 

FAZIT
Interessenten, die sich von den ausgewiesenen 225 PS und den sportlichen Fahrwerkseigenschaften nicht täuschen lassen, können mit dem Kuga PHEV glücklich werden. Der Plug-in-Hybrid hilft, Benzin zu sparen. Spitzenleistungen bietet das SUV zwar diesbezüglich nicht, wie unsere Messungen auf der Normrunde zeigten. Dafür begeistert der Kuga beim bis zu 50 Kilometer weiten vollelektrischen Fahren. Der kräftige E-Motor beschleunigt das SUV von Ford souverän auf bis zu 135 km/h. Der Verbrennungs-motor sorgt anschliessend für mehrere Hundert Kilometer Fahrstrecke. Der Kuga füllt damit die Lücke des erschwinglichen Familienautos für Personen, die für das elektrische Abenteuer offen sind – zunächst jedoch auf Stützräder vertrauen wollen.

Die technischen Daten und die AR-Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

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