Der Geschichtenerzähler

ADRIANO CIMAROSTI Der Granseigneur des Schweizer Motorsport­journalismus schrieb jahrzehntelang für die ­«Automobil Revue». «99 Jahre Motorsport» ist sein jüngstes Werk.

Die Zeitreise des dreibändigen Werks «99 Jahre Motorsport» beginnt 1894 mit dem ersten Autorennen der Welt. Bei den 126 Kilometern von Paris nach Rouen ging es jedoch noch nicht ums Tempo. «Diese Fahrzeuge mussten einerseits mindestens 20 km/h schnell sein, andererseits wurden sie auch nach technischen Finessen bewertet», weiss Adriano Cimarosti. Damals war der heute 83-jährige Berner allerdings noch lange nicht auf der Welt. «Mein Vater hat mich 1947 erstmals zum Rennwochenende auf dem Bremgartenring in Bern mitgenommen, damals war ich erst zehnjährig – aber von da an war ich süchtig nach Autorennsport. Ich sammelte Bilder aus Zeitungen und klebte sie in ein Album. Ich war 14, als ich mit einem solchen Album ausgerüstet stundenlang vor dem Hotel Bellevue in Bern auf die Rennfahrer gewartet habe. Plötzlich fuhr der Weltmeister Juan Manuel Fangio vor – und blätterte mit mir in meinem Album.» Jahre später lud der argentinische Superstar den Journalisten Cimarosti zu sich in die Heimat ein. Adriano Cimarosti hat sie alle erlebt, die alten Haudegen, von Giuseppe Farina über die Schweizer PS-Idole Jo Siffert und Clay Regazzoni bis hin zu späteren Champions wie Jackie Stewart und Ayrton Senna. Aber am meisten schwärmt er noch heute vom unvergleichlichen Juan Manuel Fangio.

Ein Szene wie aus einem klassischen Roadmovie: Adriano Cimarosti (l.) zusammen mit Rennidol Jo Siffert in den später 1960er-Jahren.

Genug Geschichten für einen Primeur
Ins Schwärmen kommt man unweigerlich, wenn man sich für Motorsport interessiert und Cimarostis Episoden lauscht. Einmal nahm er mich, den damals noch jungen Journalisten, auf eine Runde über den Bremgartenring mit. Alle paar Hundert Meter auf dem über sieben Kilometer langen Bremer nahm Cimarosti sein Album zur Hand, zeigte auf ein Foto und sagte: «So hat das damals hier ausgesehen.» Zu jeder Geraden und zu jeder Kurve gab es natürlich auch diese und jene Geschichte zu erzählen. Storys für die Leser der «Automobil Revue» hatte Cimarosti auch immer genügend: «Ich habe bei jedem Grand Prix die eine oder andere Geschichte erfahren – und die waren auch zwei oder drei Wochen später noch gut genug für einen Primeur, für eine Schlagzeile.» Heute, im Zeitalter von Internet und Influencern: undenkbar!

40 Jahre für die «Automobil Revue»
Von 1961 bis 2001 schrieb Adriano Cimarosti für die «Automobil Revue». Während 40 Jahren reiste der Berner ebenso oft zum Grand Prix von Italien und zu den 24 Stunden von Le Mans. «In meinen ersten Jahren als Journalist dauerte die Heimreise von Le Mans jeweils rund zwölf Stunden, weil es damals deutlich weniger Autobahnen gab. Zu Hause in Bern fuhr ich am Montagmorgen gleich beim Fotogeschäft in der Länggasse vor. Die vielen Fotos vom Wochenende mussten rasch entwickelt werden, weil die ‹Automobil Revue› am Dienstagmittag in den Druck ging.»

Druck für ein neues Buch machten Adriano Cimarosti dessen Frau Donatella und Sohn Arrigo: «Meine Frau hatte mich in den vergangenen Jahren mehrmals dazu aufgefordert, endlich mein Archiv auszumisten. Da kam mir die Idee zu ‹99 Jahre Motorsport›. Mein Sohn animierte mich dazu, dem Buch eine persönliche Note zu verleihen und meine erlebten Geschichten, die ich im Kreis der Familie immer wieder erzählt habe, als Anekdoten aufzuschreiben.» Wie jene Episode über den Schweizer Ingenieur Michael May, der dem grossen Enzo Ferrari jeweils beim Coiffeurbesuch seine fundierte Meinung über die Boliden aus Maranello geigte. Oder diese, als Marcel Massara als Leiter des Schweiz-GP am Zoll in Chiasso TI ­einen Spion platzierte, der berichten musste, wenn der Ferrari-Transporter in die Schweiz einreiste. Der Commendatore hatte gepokert und mehr Startgeld gefordert, andernfalls käme Ferrari nicht nach Bern. Der Ferrari-Transporter wurde auch ohne Sonderprämie am Zoll gesichtet.

Die Zeitreise «99 Jahre Motorsport» endet 1995 – also eigentlich 101 Jahre nach dem ersten Autorennen der Welt. «Aber dazwischen gab es noch ein paar Jahre Krieg.» Aber warum 99 Jahre und nicht ein rundes Jubiläum? «Weil 99 Jahre im Titel eines Buches aussergewöhnlich ist.» Genauso wie seine Rennsport-Episoden, die uns Adriano Cimarosti in seinem jüngsten Werk erzählt.

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Gewinnen Sie «99 Jahre Motorsport»

Diese Zahlen schmecken jedem Racing-Gourmet: «99 Jahre Motorsport», verpackt auf über 900 Seiten mit fast 900 Fotos und über 100 persönlichen Anekdoten des Autors Adriano Cimarosti. Das dreibändige Werk kann für 199 Franken über die E-Mail-Adresse ­99jahremotorsport@gmail.com bestellt werden.

Oder aber Sie machen beim Wettbewerb mit. Die «Automobil Revue» verlost drei Exemplare von «99 Jahre Motorsport». Schicken Sie uns ein E-Mail mit Betreff «99 Jahre Motorsport» sowie Ihrem Namen, Ihrer Adresse und Telefonnummer an wettbewerb@automobilrevue.ch.

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