Dynamischer Drang

GARANTIERT Bei Porsche steht die Bezeichnung GTS für überdurchschnittliche Fahrleistungen. Dies gilt auch bei einem SUV wie dem Porsche Macan.

Sportlichkeit ist nicht nur eine Frage der Leistung. Den Beweis für dieses Statement liefert Porsche, wo man den neuen Macan GTS als das sportlichste Modell der Palette positioniert. Ja, aus Zuffenhausen heisst es, der GTS sei noch schärfer als der Macan Turbo, obwohl dieser 60 PS mehr aufweist (440 PS). Vielversprechend ist vor allem das dynamische Gesamtpaket des Macan GTS, das mit einer Tieferlegung um 15 Millimeter aufwartet – sogar 25 Millimeter sind es mit der optionalen Luftfederung.

Vorbei sind die Zeiten, bei denen die GTS mit kleinen, hochgezüchteten Motoren vorliebnehmen mussten. Ab sofort verfügen die GTS-Modelle wieder über gedrosselte Versionen der Topaggregate, der Macan GTS wird also vom gleichen 2.9-Liter-­V6-Biturbo angetrieben, der auch unter der Haube des Macan Turbo werkelt. Interessant dabei ist die minimale Verkleinerung des Hubraums gegenüber dem alten GTS, der bis Mitte 2019 von einem Dreiliter angetrieben wurde. 

Aber die Leistungsdaten stimmen: Der neue Macan GTS weist 20 Pferdestärken (380 PS) und 20 Nm Drehmoment (520 Nm) mehr auf als das Vorgängermodell. So viel zu den neuen Motordaten, die aufgefrischten Designelemente betreffen vor allem das Fahrzeugheck mit den dreidimen­sional ausgestalteten Heckleuchten, die mit einem LED-Leuchtenband miteinander verbunden sind. Daran erkennt man auf Anhieb den aktuellen Macan. Vorne bleibt es bei den GTS-typischen Scheinwerfern, die in ein schwarzes Gehäuse gepackt sind, sowie den (serienmässigen) 20-Zoll-Felgen – ebenfalls in Schwarz – mit ihrer grossen Bremsanlage dahinter: mächtige 360 Millimeter Scheibendurchmesser an der Vorderachse, immerhin noch 330 Millimeter an der Hinterachse.

Tiefschwarz: Mit seinen schwarzen ­Scheinwerferfassungen, den lackierten 20-Zoll Rädern und den Kunststoffleisten an den Türen ist der Porsche Macan GTS klar als böser Bube zu erkennen.
Die jüngsten Versionen des Macan erkennt man am einfachsten am Leuchtenband am Heck.

Rote Designelemente im Interieur
Im Innenraum findet man eine Reihe roter Anleihen an die Marke GTS wieder: Sicherheitsgurte, Ziernähte, auf den Kopfstützen eingestickte Logos und der Drehzahlmesser stechen aus dem nüchternen Ambiente des Cockpits klar hervor. Die exklusiven Halbschalensitze aus Alcantara und Leder sind ebenfalls typisch für die GTS-Palette. Die beispielhafte Verarbeitung des Ganzen ist ein weiterer Beweis für die Zugehörigkeit unseres Testwagens zur Porsche-Familie. Die präzisen Spaltmasse und die hochwertigen Materialien positionieren den Macan eindeutig in der Oberklasse, aber das ist wohl selbstverständlich für ein Modell, dessen Preisliste bei 75 500 Franken beginnt (gewöhnlicher Macan) und die für einen GTS mindestens 97 400 Franken erreicht.

Die Verarbeitung erweist sich als zeitbeständig – der Macan wurde 2014 eingeführt –, die Ergonomie leider weniger. Gerade in SUV wie Macan oder Cayenne stellt sich die Frage, ob es nicht an der Zeit wäre für einen Paradigmenwechsel bei Porsche, weg von der Hausregel «ein Schalter, eine Funktion». Denn so ist die Mittelkonsole übersät mit Schaltern und Bedienelementen, die eine gewisse Eingewöhnung erfordern, bis man weiss, was wo liegt. Ein Bedienungskonzept, das gleichermassen auf Schalter und Touchscreen vertraut, könnte Abhilfe schaffen. So könnte der riesige Infotainment-Bildschirm, der von 7.2 auf 10.9 Zoll vergrössert wurde, durchaus zusätzliche Funktionen übernehmen. Die ausgezeichnete Auflösung und gute Reaktivität des Touchscreens vermitteln ein eindeutiges Oberklassegefühl im Cockpit, die komplizierte Menüstruktur allerdings weniger.

Sämtliche Funktionen sind vom Fahrersitz aus sehr leicht erreichbar, wobei die Sitzposition als solche beispielhaft ist: Die Beine können bequem ausgestreckt werden, und das Lenkrad ist recht nahe am Brustkorb positioniert. Die hinteren Insassen verfügen leider nicht über eine ebenso grosszügige Beinfreiheit, vor allem dann nicht, wenn gross gewachsene Personen auf den Vordersitzen Platz nehmen und diese weit zurückstellen müssen. Der Kofferraum ist mit lediglich 488 Litern Fassungsvermögen eines der kleinsten Gepäckabteile in diesem Segment.

Viele schön verarbeitete Knöpfe auf dem Mitteltunnel. Das Raumangebot hinten ist für Erwachsene nicht übertrieben.

Ein echter Porsche
Im Innenraum spüren und sehen wir also, dass der Macan ein echter Porsche ist. Noch wichtiger ist aber, dass er das auch auf der Strasse beweisen kann, erst recht, wenn er sich GTS nennt. Der aus dem Audi RS4 übernommene V6 bellt beim Start ebenso warnend wie freudig los. Das ist nur ein Vorspiel für den wilden Biss der kräftigen 380-PS-Maschine.

Erst einmal schwimmen wir jedoch problemlos im Alltagsverkehr mit. Kein Ruckeln, weder vom Motor noch vom Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe: Der Macan GTS hat keine Probleme mit einem zurückhaltenden Fahrstil. Auf der Autobahn kann man anschliessend den Spurhalteassistenten testen, der aber erst bei Überfahren des Fahrbahnstreifens eingreift. Das System arbeitet nicht ganz so feinfühlig wie die besten Produkte der Konkurrenz, funkt aber weniger aggressiv dazwischen.

Sobald es der Verkehr erlaubt, entfesselt unser Gasfuss die Kavallerie im Motor ohne Verzögerung. Die beiden Abgasturbolader, die zwischen den beiden im 90-Grad-Winkel angeordneten Zylinderbänken untergebracht sind, brauchen kaum Reaktionszeit. Die 380 Pferdestärken explodieren ab 2500 U/min förmlich und sorgen für nachhaltigen Schub bis ungefähr 5500 U/min. Nur im oberen Drehzahlbereich wirkt die Leistungsausbeute etwas kastriert. Dennoch können sich die Zahlen sehen lassen: Die von 0 auf Tempo 100 gemessenen 4.8 Sekunden sind der eindeutige Beweis. Unterstützt wird die ausgezeichnete Traktion des Macan von seinem Allradantrieb und der blitzschnell schaltenden Doppelkupplung – sowohl beim Hoch- als auch beim Hinunterschalten. Positiv überrascht sind wir vom Treibstoffverbrauch, der sich angesichts der fahrdynamischen Leistung des Macan GTS nicht so schlecht macht.

Effizientes Chassis, aber…
Die geballte Kraft des V6-Biturbo wäre ohne ein entsprechendes Fahrwerk allerdings nichts wert. Doch auch hier enttäuscht der Porsche nicht. Mit seinem gut ausgewogenen Chassis meistert der Macan GTS langgezogene Kurven absolut vorbildlich – trotz seines Leergewichts von 2010 Kilogramm. 

Im Vergleich: Der Alfa Romeo Stelvio (AR38/ 2020) bietet dort, wo enge Haarnadelkurven den Porsche zu überfordern beginnen, noch eine Agilitätsreserve, verfügt über eine noch besser kommunizierende Lenkung und bleibt überschwänglicher als der Konkurrent aus Zuffenhausen – und dies bei einem günstigeren Preis. Mindestens 97 400 Franken kostet ein Macan GTS, unser Testexemplar brachte es auf stolze 134 540 Franken. Keine Zweifel – der Macan GTS ist ein echter Porsche! 

FAZIT
Die GTS-Modelle sind oftmals die beste Wahl in der Porsche-Modellpalette, denn sie verfügen über Motorisierungen, die fast an die Topmodelle herankommen, allerdings zu einem deutlich günstigeren Preis. Ganz zu schweigen von einem fein ausgearbeiteten Fahrwerk mit gutem Kurvenverhalten. Auch der Macan GTS macht keine Ausnahme und erfüllt alle Kriterien mit Bravour. Im Vergleich mit einem der wenigen direkten Konkurrenten, dem Alfa Romeo Stelvio Quadrifoglio, schneidet der Alfa aber mit Ausnahme der Verarbeitungsqualität in fast allen Punkten besser ab. Dass der Stelvio Quadrifoglio einen klaren Preisvorteil hat, lässt das Zünglein an der Waage zugunsten des Italieners ausschlagen. Er ist aber eben kein Porsche, möchte man einwenden – und Exklusivität hat ihren Preis.

Die technischen Daten und die AR-Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der Automobil Revue.

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