Wenig Glanz in Las Vegas

Wie Moe Dalitz zu Geld kam und im Spielerparadies Las Vegas eine Rennstrecke bauen liess, zeigt der zweite Teil der AR-Serie.

Rennen inmitten der Wüste Nevadas: dank Moe Dalitz ab 1965 bis 1981 Realität.

Moe Dalitz war an der US-Westküste das Pendant zu Mike Boyle, der im Osten mit erpresstem Geld seinen Rennstall finanzierte. Dalitz wurde am 25. Dezember 1899 in Boston (USA) geboren. Einige Jahre zuvor waren seine Eltern aus Österreich nach Amerika eingewandert und hatten eine Reinigung eröffnet. Bald folgten weitere Filialen im Grossraum Boston. Obwohl die Autoindustrie noch in den Kinderschuhen steckte, verfügte das kleine Dalitz-Reinigungs­imperium bald über motorisierte Lieferwagen, während die Konkurrrenz die Ware noch mit Pferdefuhrwerken auslieferte. Doch Moe Dalitz hatte mit dem Geschäft seiner Eltern nichts im Sinn. Schon als Teenager beging er Einbrüche und erpresste von Geschäftsbesitzern Schutzgelder. Zudem benutzte er die Lieferwagen seiner Eltern für kriminelle Kurierfahrten. Bis 1922 hatten Dalitz’ Eltern noch gehofft, dass ihr Sohn seine kriminelle Energie ablegen würde, aber dann verloren sie die Geduld. Moe Dalitz driftete weiter in das kriminelle Milieu ab, und seine Eltern verstiessen ihn.

Freund und Vorbild Bugsy Siegel

Das schien Dalitz aber nicht zu bedrücken. Er packte seine Koffer und siedelte nach Las Vegas über, zu jener Zeit ein Sammelbecken für zwielichtige und gestrauchelte Existenzen. Hier freundete sich Dalitz mit Bugsy Siegel an, ein Mann so legendär wie Al Capone in Chicago. In den Archiven über die Historie von Las Vegas wird Siegel als derjenige genannt, welcher aus Las Vegas das gemacht hat, was es heute ist: die Welthauptstadt des Glücksspiels. 1946 hatte Siegel die Idee, in Las Vegas das luxuriöseste Hotel ganz Amerikas zu bauen. So entstand der Hotelkomplex Flamingo. Siegel verspekulierte sich aber bei den Baukosten. Anfangs mit drei Millionen Dollar veranschlagt, betrugen die Kosten bei der Fertigstellung fast neun Millionen. Siegel musste sich das Geld leihen, und als er mit den Rückzahlungen in Verzug geriet, wurde er 1947 in der Wohnung seiner damaligen Freundin in Los Angeles erschossen. Obwohl nie bewiesen, hält sich bis heute hartnäckig das Gerücht, dass Moe Dalitz der Drahtzieher des Auftragsmordes gewesen sein soll.

Ende der 1950er-Jahre hatte Dalitz seinen eigenen Hotel-Prachtbau in Las Vegas eröffnet: Das Stardust Hotel & Casino. Doch Dalitz wollte mehr. Nach Besuchen von Autorennen plante er den Bau einer Rennstrecke. So entstand 1965 auf dem Gelände einer stillgelegten Aluminium- und Muni­tionsfabrik in Henderson, einer Nachbargemeinde von Las Vegas, der Stardust International Raceway. In der Infobroschüre der Rennstrecke hiess es, dass die britische Rennfahrerlegende Stirling Moss für das Streckendesign verantwortlich gewesen sein soll, was Moss jedoch in seiner Biografie dementierte. Dennoch wurde Moss bei der Grundstein­legung für viel Geld aus England eingeflogen.

Das Eröffnungsrennen fand im Oktober 1965 statt. Sogar Hollywood-Prominenz hatte sich eingefunden: Dan Blocker, Star der US-Western-Serie «Bonanza», und James Garner, Hauptdarsteller im Film «Grand Prix», waren unter den Zuschauern. Die Schauspieler waren Motorsportfans und besassen gemeinsam ein Rennteam.

Die Achillesferse der Rennstrecke

Zum Eröffnungsrennen des Star Dust International Raceway waren keine Zuschauer zugelassen. Es existierte nur die Rennstrecke, aber keine andere Infrastruktur wie Tribünen und Toiletten. Das sollte bis zur Schliessung der Rennstrecke die Achillesferse bleiben. Das Auftaktrennen gewann Jerry Entin in einem Cheetah, nachdem der lange in Führung liegende Norm Smith, ein Protegé von Moe Dalitz, mit seinem Porsche 904 vor der Zieldurchfahrt einen Dreher zu beklagen hatte.

Obwohl es auf dem Stardust International Race­way grosse Rennen mit internationaler Fahrerbeteiligung gab, vorzugsweise in der mit ­einem grossen Preisgeldtopf ausgestatteten Can-Am-­Sportwagenserie, und die Zuschauerbeteiligung stetig anwuchs, wurde die Strecke Ende 1971 geschlossen und kurze Zeit später dem Erdboden gleichgemacht. Moe Dalitz hatte zwischenzeitlich seinen Hotelkomplex verkauft, um genügend Cash für seine nächsten Projekte zu haben. Die neuen Besitzer hatten nur Interesse an der Hotelanlage, aber nicht an der Rennstrecke.

Heute erinnert nichts mehr an den Stardust International Raceway. Auf dem Gelände der ehemaligen Rennstrecke befinden sich nun Shoppingcenter und exklusive Villenbauten. Unter anderem gastierte die Formel 1 1981 und 1982 zwar in Las Vegas, der Grand Prix wurde aber auf dem Parkplatz des Casino Caesars Palace gefahren. Die Motorsportfans in Las Vegas mussten sich 29 Jahre gedulden, bis im Jahr 2000 mit dem Las Vegas Motor­speedway am nördlichen Stadtrand eine neue Rennstrecke eröffnet wurde, auf der bis heute regelmässig Nascar-Rennen gefahren werden.

Obwohl auf Moe Dalitz einige Mordanschläge verübt wurden, überlebte er immer wie durch ein Wunder. Er starb nach langer Krebserkrankung im August 1989.

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