Mehr als nur retro

Der neue Defender ist nicht bloss ein Abklatsch des alten, sondern kommt mit einem völlig neuen Konzept daher. Geländegängig ist er erst recht.

Dank Einzelradaufhängung vorne und hinten macht der neue Defender auch auf der Strasse eine gute Figur.

Bereits in der AUTOMOBIL REVUE 34/2020 schrieben wir: «Aus gleich mehreren Gründen gibt es kaum ein komplexeres Vorhaben als die Neuerfindung ­einer Ikone, insbesondere wenn die Ikone seit über 70 Jahren existiert.» Als es darum ging, den Defender neu zu erfinden, zeigte Land Rover Mut zum Risiko. Anstelle einer Neo-Retro-Kopie wie bei Jeep (Wrangler) oder Mercedes-Benz (G-Klasse) beförderte man das Fahrzeug in Coventry (GB) ins 21. Jahrhundert. Im Rahmen einer umfassenden Neugestaltung erhielt der Defender 2020 eine neue Optik und vor allem ein neues Innenleben: Schluss mit Leiterrahmen und Starrachsen! Das Ganze wurde ersetzt durch die sogenannte D7x-Architektur, eine selbsttragende Karosserie, die über vier Einzelradaufhängungen verfügt.

Neue Motoren

Auch die Motorenpalette wurde überarbeitet, wobei sich Land Rover endgültig vom Long-Race-­Dieselmotor des alten Landy zugunsten einer Reihe von Ingenium-Motoren aus dem Regal der JLR-Gruppe verabschiedete. Und diese Motorenpalette ist, gelinde gesagt, recht umfangreich. Sowohl Benziner wie auch Dieselmotoren mit vier oder sechs Zylindern sind im Angebot, teilweise als Mildhybrid unterstützt durch einen Elektromotor. Ausserdem bietet Land Rover den Defender auch mit dem aus anderen Modellen bekannten Plug-in-Hybrid an. Und: Auf der Nordschleife soll sogar bereits ein Prototyp mit einem V8 gesichtet worden sein. Mit den drehfreudigen und angesichts der Fahrzeuggrösse nicht zu durstigen Motoren (vor allem den Selbstzündern) hat sich die Fahrt mit dem Defender, sei es auf der Autobahn oder im Gelände, als sehr angenehm erwiesen.

Um seine Kraft auf die Strasse zu bringen, nutzt der Defender eine Achtgang-Automatik. Das Getriebe des deutschen Herstellers ZF ist schlicht und ergreifend die beste Wahl, die Land Rover treffen konnte. Es arbeitet nicht nur schnell, sondern ist auch ideal für den Einsatz im Gelände geeignet. Neben dieser Einheit verfügt der Defender über ein Verteilergetriebe mit Geländeuntersetzung, ein Mitteldifferenzial und an der Hinterachse über ­eine Differenzialsperre. Alle diese Funktionen werden über gut erreichbare, im Bereich der Mittelkonsole angeordnete Tasten gesteuert.

Höhenverstellbare Federung

Ebenfalls auf Tastendruck kann die Höhe der Luftfederung verändert werden. Damit kann das Fahrzeug um 145 Millimeter angehoben werden, was dem Allradfahrzeug eine beruhigende Bodenfreiheit von 291 Millimetern verschafft. Das reicht aus, um eine 90 Zentimeter tiefe Furt zu durchqueren oder dank seines Böschungswinkels von 38 Grad vorn und 40 Grad hinten die meisten Hindernisse zu überwinden. Ob an einer 45-Grad-­Schräge, auf einer Kuppe, im Graben oder selbst auf der Wippe – der Defender kommt ohne die geringste Anstrengung mit allem zurecht.

Er begeht nicht den Fehler, so edel sein zu wollen wie der Range Rover und die Discovery-Modelle, ist aber dennoch einwandfrei verarbeitet. Zudem bietet er eine Reihe von kleinen Extras wie im gesamten Innenraum verteilten USB-Anschlüssen, einer 220-Volt-Steckdose im Kofferraum und einem Kühlschrank unter der Armlehne der Mittelkonsole. Technisch auf dem neuesten Stand und serienmässig mit dem neuen Infotainmentsystem Pivi Pro ausgestattet, besitzt der Defender eine 360-Grad-Kamera, die die Fahrzeugumgebung auf den Bildschirm holt. Mit all diesen Eigenschaften hebt sich der Defender von der Masse ab.

Die zweite Generation des Defender ist wie ihre Vorgängerin in einer Vielzahl von Karosserievarianten erhältlich: Neben den Versionen 90 und 110 wird auch eine 130er-Version mit dem Radstand des 110ers, aber einem grösseren Überhang kommen. Und diese Version soll neuen Gerüchten zufolge ausserdem auch als Pick-up-Truck angeboten werden. Zahlreiche Versionen und damit viele Pfeile im Köcher! Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass er am 1. März zum Auto des Jahres gekürt wird. λ

Die wichtigsten Fakten im Überblick
Karosserie
SUV. Motorisierung Benzin: 2.0 T (147 kW/300 PS),
3.0 T (294 kW/400 PS). Diesel: 3.0 T (147 kW/200 PS, 183 kW/249 PS, 220 kW/300 PS). Plug-in-Hybrid: 2.0 T (404 PS). Preis Land Rover Defender 90 ab Fr. 63 400.–, Defender 110 ab Fr. 66 400.–.

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