Facelift, das weiter geht

Auch wenn es sich nur um eine Auffrischung handelt, überzeugt der Hyundai Santa Fe mit mehr Innovationen als manch neues Modell.

Die Ursprünge des Santa Fe gehen auf den Beginn der 2000er-Jahre zurück. Hyundai war damals nur ein Schatten jener Firma, die wir heute als einen Industrieriesen kennen, und das SUV hatte einen bedeutenden Anteil am Aufstieg der Koreaner. Die Konzernverantwortlichen wollten deshalb den 20. Geburtstag des Santa Fe mit einer Auffrischung feiern, auch wenn diese eigentlich frühestens 2022 an der Reihe gewesen wäre. Hyundai wechselt gerade auf eine Strategie mit beschleunigter Modellerneuerung, was dem SUV einen Startvorteil beschert. Die kurze Zeitspanne seit dem Debüt der aktuellen Generation hätte den Technikern und Stilisten als Vorwand dienen können, nur eine oberflächliche Modernisierung anzustreben. Das ist beim Santa Fe aber ganz und gar nicht der Fall. Er macht nicht nur Fortschritte im Design, auch unter dem Blech hat sich ungeheuer viel getan.

Die Frontansicht ist völlig neu und wird von ­einem markanteren Kühlergrill und charakteris­tischen Scheinwerfern geprägt. Die zweigeteilten LED-Projektoren gefallen mit ihrem 3-D-Effekt. Der Auftritt wirkt stark und robust, was von den vertikalen, abgewinkelten Luftschlitzen an den Enden der Stossstangen noch unterstrichen wird. Am Heck fällt an erster Stelle die Betonung der Breite auf. Das ist nicht zuletzt das Resultat der reflektierenden Leiste, welche die Heckleuchten verbindet. Das ganze Design vermittelt dem SUV viel optische Präsenz, die Proportionen wirken gelungen.

Eine neue Plattform

Aus technischer Sicht macht der Santa Fe einen mächtigen Schritt vorwärts, denn er ist der erste Hyundai in Europa, der sich der neuen Plattform des Konzerns bedienen darf. Ja, tatsächlich: Beim grossen SUV der Marke handelt es sich zwar nur um eine Auffrischung, es basiert aber auf einer ganz neuen Baugruppe. Wir haben es mit dem gleichen Unterbau zu tun, der auch die Basis für die achte Generation des Sonata (einer Mittelklasse­limousine, die ausser in Europa quasi weltweit verkauft wird) abgibt und den die Techniker einfach «Plattform der dritten Generation» nennen. Zu den vielen Fortschritten des Unterbaus zählt beispielsweise ein neuer vorderer Rahmen mit mehrfachen Energieabsorptionsträgern, die bei ­einem Aufprall für einen besseren Schutz der Insassen sorgen. Des Weiteren findet man im Santa Fe ­einen wesentlich höheren Anteil an heiss gepresstem Hochfestigkeitsstahl. Das starke Konstruktionsmaterial kommt etwa in den A- und B-Säulen zum Einsatz, was besonders der Sicherheit bei ­einem Seitenaufprall zugutekommt.

Die neue Plattform gab den Ingenieuren die Gelegenheit, zusätzlich Gewicht zu sparen. Die bisher aus Stahl geformten Träger der Stossfänger bestehen neu aus Aluminium. Die Querstrebe unter dem Gepäckraumboden, die im Vorgänger aus drei geschweissten Profilen geformt wurde, profitiert jetzt von einem vereinfachten Design aus hochfestem Stahl. Hyundai ist stolz darauf, mit diesen und anderen Schritten auch die Gewichtsverteilung verbessert zu haben.

Neu als Hybrid

Eines der Highlights der neuen Plattform ist ihre Flexibilität, die sie auch für den Hybridantrieb prädestiniert. Für den Schweizer Markt ist der Santa Fe Hybrid ein Allradler (andere Länder bekommen auch eine Version mit Frontantrieb), der den Elektroantrieb mit dem Smartstream-Verbrennungsmotor 1.6 T-GDi kombiniert. Die Elektromaschine leistet 44.2 kW, ihre Energie bezieht sie aus einer Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit ­einer Kapazität von 1.49 kWh. Die Systemleistung geben die Verantwortlichen mit 230 PS an, das Drehmoment beträgt 350 Nm. Unser Testwagen war mit diesem Powerteam ausgestattet. Alternativ bietet Hyundai den Santa Fe auch als Plug-­in-­Hybrid mit einem 66.9 kW starken Elektromotor und einer Batteriekapazität von 13.8 kWh an, ebenfalls kombiniert mit dem Smartstream-1.6-T-GDi. Das Topmodell bietet das gleiche Drehmoment von 350 Nm, die Systemleistung steigt jedoch auf 265 PS. Beide Hybridvarianten geben ihre Kraft über eine neu entwickelte Sechsstufen-Automatik ab. Hyundai offeriert immer noch eine Dieselversion des grossen SUV (2.2 CRDi mit 202 PS), welche an ein Achtstufen-Doppelkupplungsgetriebe gekoppelt ist (8DCT).

Der Santa Fe Hybrid überzeugt im Fahrbetrieb dank des augenblicklich verfügbaren Drehmoments des Elektromotors mit seinem bulligen Antritt. Gemäss unseren Messungen schafft er den Sprint von 0 auf 100 km/h in 9.6 Sekunden, was für einen typischen Familienwagen einen annehmbaren Wert darstellt. Das beträchtliche Gewicht von gemessenen 1990 Kilogramm und ein hoher Schwerpunkt sorgen hingegen dafür, dass das SUV behäbig in Kurven einlenkt und eine ausgeprägte Karosserieneigung an den Tag legt. Die zu leichtgängige Lenkung vermittelt nur ein Minimum an Rückmeldung. Aber sportliche Ambitionen hegt der Santa Fe ohnehin nicht, er will im Gegenteil als komfortabler Reisewagen gesehen werden. Diese Rolle erfüllt er dann auch bestens, selbst mit den grossen 19-Zoll-Reifen. Der Hybridantrieb verhalf dem Santa Fe während der Testdauer zu einem Durchschnittsverbrauch von 8.2 Litern auf 100 Kilometer (AR-Normrunde 6.8 l/100 km). Das geht in Ordnung, ist aber etwas mehr als die 7.8 Liter des selbstzündenden Kia Sorento 2.2 CRDi (hier zum Beitrag), einem Konzernzwilling des Santa Fe auf der gleichen Baugruppe. Die Werte bestätigen die Ansicht, dass der Dieselmotor bei den grossen SUV noch seine Berechtigung hat.

Je nach Ausstattungsniveau (Origo, Amplia oder Vertex) bietet Hyundai viele bis sehr viele Fahrerhilfssysteme an. Zu diesen gehören adaptive Scheinwerfer, der Spurhalteassistent, die automatische Notbremsung mit Fussgänger- und Velofahrererkennung, der aktive Toter-Winkel-Assistent und der adaptive Tempomat. In der Praxis funktionieren die Systeme gut, nur hätten wir gerne etwas weniger häufige Warntöne.

Mehr Platz im Innenraum

Die neue Plattform erlaubt auch einen geräumigeren Innenraum. Die Batterie des Hybridsystems findet unter dem Fahrersitz Platz (im Plug-in-Hybrid zusätzlich auch unter dem Beifahrersitz), sodass die Akkus das Platzangebot im SUV nicht beeinträchtigen. Der Santa Fe ist sogar in der Lage, eine dritte Sitzreihe anzubieten, was in dieser Klasse keineswegs selbstverständlich ist. Der grosszügigere Innenraum bietet jetzt drei Zentimeter mehr Kniefreiheit in der zweiten Reihe (die Rücksitzbank ist um zehn Zentimeter verschiebbar), gemäss unseren Messungen also bis zu 46 Zentimeter. In der dritten Reihe sind es vier Zentimeter mehr (bis 47 cm). Der gute Komfort auf den hintersten Sitzen ist wirklich überraschend. Das Kofferraumvolumen profitiert ebenfalls vom neuen Unterbau und konnte beim Siebenplätzer um 24 auf 571 Liter vergrössert werden. Klappt man die dritte Sitzreihe um und schiebt die mittleren Sitze in ihre vorderste Position, beträgt das Ladevolumen neu 782 Liter (+32 l).

Selbst das Armaturenbrett erhält ein völlig neues Design. Es darf aber weiterhin mit physischen Knöpfen und Schaltern aufwarten und verschmäht damit bewusst den Trend bei den übrigen Herstellern, alles aufzuräumen und über Bildschirme anzusteuern. Aus unserer Sicht hat Hyundai recht, zumal das Infotainment dennoch über einen 10.25 Zoll grossen Touchscreen verfügt. Gefallen hat uns auch der Schalter für die verschiedenen Terrain-Modi, mit dem der Fahrer das Fahrzeug schnell und einfach an jede Situation anpassen kann. Die Verarbeitung des Hyundai Santa Fe ist gut, nur sind die Kunststoffoberflächen etwas sehr präsent. Das ist uns schon bei anderen koreanischen Autos aufgefallen, bei einem Grundpreis von 44 900 Franken jedoch dürfen wir nicht allzu zu kritisch sein.

Testergebnis

Gesamtnote 78.5/100

Antrieb

Bewertung: 3.5 von 5.

Der Allradantrieb des Hyundai Santa Fe erwies sich als konsequent, wenn auch als etwas kräftezehrend. Die Leistung reicht für den Alltag ohne Einschränkungen aus.

Fahrwerk

Bewertung: 3.5 von 5.

Es ist klar, dass Hyundai den Komfort vor die Dynamik gestellt hat. ­Logischerweise stellt der gute Vater seine Familie vor sein eigenes Vergnügen.

Innenraum

Bewertung: 4 von 5.

Die Stärke des Santa Fe ist seine Geräumigkeit. Vorne wie hinten ­geniessen die Passagiere viel Ellbogenfreiheit. Optional ist eine dritte Sitzreihe für zwei weitere Insassen erhältlich.

Sicherheit

Bewertung: 4 von 5.

Ausgestattet mit allen notwendigen Fahrhilfen und einer stärkeren technischen Plattform hat der neu gestaltete Santa Fe alle Qualitäten, um die Familie sicher zu transportieren.

Budget

Bewertung: 4.5 von 5.

Der Santa Fe Hybrid 4×4 ist in der Basis für 44 900 Franken zu haben. Auch die 67 300 Franken für unseren sehr gut ausgestatteten Test­wagen sind noch immer fair.

Fazit 

Der Santa Fe gibt einen angenehmen Begleiter für den Alltag ab, ist grosszügig ausgestattet und bietet auch ein Version mit Hybridantrieb. Dass er dabei mit einem vernünftigen Preis aufzuwarten vermag, macht den Koreaner zu einem attraktiven Angebot.

Die technischen Daten und unsere Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der AUTOMOBIL REVUE.

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