Mokka und Mokka – so oder so sexy

Mit dem neuen Mokka bringt Opel ein stylisches Kompakt-SUV an den Start, das dem Image der Marke (und der Betriebskasse) viel Gutes tun soll.

Das Elektromodell ist von den ­Verbrennern nur durch Details zu unterscheiden.

Nein, altbacken wie manch Jüngere Opel (noch) vor ihrem geistigen Auge sehen, sieht er überhaupt nicht aus. Ganz im Gegenteil. Der neue Mokka spielt punkto Outfit wie sein Botschafter, FC Liverpool-Trainer Jürgen Klopp, in der Champions League. Optisch prägend ist der Vizor, das vom Manta inspirierte Gesicht, das künftig alle Opel erhalten sollen. LED-Licht vorne und hinten ist Serie, die intelligenten Matrix-LED, die die Strasse im Dauer-Fernlichtmodus stadionhell ausleuchten, ohne den Gegenverkehr zu blenden, kosten ­einen Tausender extra. «Wir wollen der Marke ein frisches Gesicht geben, das unsere mutige Designphilosophie widerspiegelt», sagt Designchef Mark Adams. Und CEO Michael Lohscheller meint: «Mit dem Mokka haben wir Opel quasi neu erfunden.» Die Rüsselsheimer betrachten denn das Auto auch nicht als Nachfolger des Vorgängers, sondern eher als neues, eigenständiges Modell.

In der Tat rollt der neue Mokka wie in einer Vorher-Nachher-Show an, in der Starfriseure, Visagisten und Kleidungsexperten dem biederen Valium C von vorher einen krassen, neuen und hippen Look verpassen. Zu diesem New Look gehört, dass der Mokka satte 12.5 Zentimeter kürzer und 12.5 Zentimeter flacher geworden ist. Bei beinahe gleichem Radstand (+2 mm) wurden zudem die Überhänge beschnitten, was einem Kompakt-SUV gut steht. Innen herrscht dennoch viel Kopffreiheit. Vorne ist der Raum erste Klasse, hinten wird es ab 185 Zentimetern Körpergrösse etwas beengt. Mit Felgen-, Dach- und Motorhaubenfarben individualisierbar ist der Mokka auf seinen 16- bis 18-­Zöllern eine Freude fürs Auge. Sogar der Blitz versprüht auf dem frisierten Logo eine neue Aura. Auf dem Heck steht in einer eigens entwickelten Schrift Mokka. Auch das unterstreicht den Willen, ein innovatives und progressives Image zu fördern – State of the Art statt überholt in der Gegenwart. Der neue Mokka spielt in dieser Gamechanging-Strategie der Marke eine ganz wichtige Rolle. Wenn das Auto beim Publikum so ankommt, darf man sich in Rüsselsheim getrost etwas entspannen. Mit diesem Mokka hat Opel ein starkes Blatt in der Hand, um auf den Radar der Generation X, Y und Z, männlich und weiblich, zurückzufinden. Praktisch, zahm und gefällig war gestern, jetzt soll man sich wieder nach einem Opel umdrehen.

Auch innen fashionable

Was das Auto äusserlich an Fashionability verspricht, hält es auch im Innenraum. Das aus zwei Widescreen-Displays zusammengesetzte, horizontal verlaufende Pure Panel ist volldigital und ein Quantensprung zu dem, was etwa der im gleichen Segment agierende Opel Crossland bietet. Top of the Line bilden ein Zwölf-Zoll-Fahrerinfodisplay und ein Zehn-Zoll-Touchscreen die Leinwand für die Infotainmentsysteme. 16 bietet der Mokka davon, viele sind Serie. Die Spracherkennung ist schwerer von Begriff als die von Mercedes oder Audi, aber so what. Opel Connect bietet Live-Navigation, Notruf und Pannenhilfe und 3-D-Navi-Optik. Punkto Konnektivität hat der Mokka schon Preise gewonnen. Top sind opelüblich die Komfortsitze, optional mit Massagefunktion. Beim Benziner lassen sich die Hocker tiefer stellen als beim Stromer. Schön: Wo es intuitiv Sinn macht, gibt es Drehregler und Knöpfe. Der Kofferraum ist beim Benziner um 40 Liter grösser.

Den Mokka gibts in zwei Benzin- (100 und 130 PS), einer Diesel- (110 PS) und einer E-Variante. Plug-in-Hybrid ist kein Thema, da das der PSA-Baukasten nur für die grössere EMP2-Plattform vorsieht. Denkbar aber, dass ein Mild-Hybridsystem verbunden mit einem Doppelkupplungsgetriebe die Basis für ein Facelift werden könnte. Getriebeseitig ist jetzt eine manuelle Sechsgang-Schaltung üblich. Für die 130-PS-Version gibt es eine Achtgang-Wandlerautomatik, die im urbanen Verkehr empfehlenswert ist. Allrad ist nicht möglich, ergo regiert der totale Frontantrieb.

Rund 300 Kilogramm, also just um das Gewicht der Batterie, ist der E-Mokka schwerer als die Verbrenner. Dadurch liegt er indes satter auf dem Beton. Der Spritzigkeit tun die Extrakilo keinen Abbruch. Erst recht nicht im Sport-Modus, wenn die 136 PS und das volle Drehmoment von 260 Nm anliegen (Normalmodus 109 PS und 220 Nm, Eco-Modus 82 PS und 180 Nm). Gegenüber den Verbrennern mit Verbundlenkerachse hat der Stromer eine platzsparende Starrachse mit Panhardstab. Trotzdem geht das Auto stabil und wankarm in und traktionsstark aus Kurven. Die Lenkung liefert einen akkuraten Response. Durch die Verteilung der 18 Batteriemodule (216 Zellen) ist der E-Mokka gut ausbalanciert. Um das Zusatzgewicht abzubremsen, hat der Stromer um einen Zoll grössere Bremsscheiben verbaut. Mit 100 kWh Gleichstrom lässt sich die Batterie innert 30 Minuten von fünf auf 80 Prozent laden. Theoretisch liegen 324 Kilometer Reichweite drin, praktisch sollte man freilich nicht mit mehr als 240 Kilometern rechnen. Je nach Strecke, Fahrstil, Temperatur und aktivierten Stromfressern sind 180 bis bis 300 Kilometer realistisch.

In Deutschland gibts für den Mokka E – Umweltprämie sei Dank – monatelange Wartefristen. In der Schweiz kommt der Beau im April in den Handel. Wetten, dass er hier ebenfalls einschlägt? Zumal das Preis-Leistungs-Verhältnis passt, das mögen die Schweizer. Es gelingt Opel auch in diesem Fall gut, eine oder zwei Ligen tiefer einen Hauch erschwingliche Oberklasse zu liefern. «Ich bin überzeugt, dass er unseren Händlern und Opel helfen wird, die hohen Ziele, zu erreichen», meint CEO Lohscheller. Na, da jubelt man doch bei Importeur Emil Frey und dessen Händlern.

Die technischen Daten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der AUTOMOBIL REVUE.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.