Velokurse für Rentner

Die Zahl der Unfälle geht weiter zurück! Auch so hätte die Überschrift lauten können, denn wichtige Kennzahlen könnten durchaus auch positiv interpretiert werden. Stattdessen las man «Trotz Corona – die Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle hat zugenommen» und «Mehr Verkehrstote: Sicherheit muss wieder oberste Priorität haben!»

In der vergangenen Woche veröffentlichte das Bundesamt für Strassen die Unfallstatistik für das Jahr 2020. Darin sind einige Werte gegenüber dem Vorjahr wieder leicht angestiegen, unter anderem die besonders tragische Zahl der tödlichen Verkehrsunfälle. Aber die Anzahl der Unfälle hat abgenommen, die Anzahl der Schwerverletzten in Autos hat abgenommen, die Anzahl der getöteten und schwer verletzen Fussgänger hat abgenommen, die Anzahl der Schwerverletzten auf Motorrädern ist immer noch tiefer als vor zwei Jahren.

Und 2020 war ein äusserst aussergewöhnliches Jahr, das wohl kaum als Referenz dienen kann. Genauso wie ein einzelnes Jahr sowieso nie als Referenz dienen kann, um einen Trend zu beweisen. Oder zu widerlegen.

Das hindert natürlich die entsprechenden Profiteure nicht daran, jetzt gerade wieder zusätzliche Massnahmen zu fordern. Eine differenzierte Sicht auf die Zahlen lohnt sich also. So hat der Fahrlehrerverband umgehend reagiert und sofortige Massnahmen gefordert – wie eine lebenslängliche Weiterbildungspflicht für Verkehrsteilnehmer. Eine spannende Forderung.

So viele positive Nachrichten und Entwicklungen also, über die man erfreut sein kann. Oder sein könnte, wenn man denn wollte, schliesslich hat die Anzahl Personenkilometer in den vergangenen Jahren stetig zugenommen – mit offensichtlicher Ausnahme des Corona-­Ausreisserjahrs 2020. In dem auch deutlich mehr Zweirad gefahren wurde als auch schon.

Von den 227 verstorbenen Verkehrsteilnehmern waren 29 Velofahrer, also rund zehn Prozent. Bevor jetzt alle militanten Velohippies die Autos verteufeln, welche die armen Velofahrer töten: In 21 der 29 Fälle waren die Velofahrer – die Velofahrenden, wie es politisch korrekt heisst – Unfallverursacher. Übrigens: Die grosse Zunahme zeigt sich bei den Unfallzahlen der Fahrradfahrer in der Altersklasse 65 bis 84 Jahre. Wenn die Fahrlehrer sich um die Verkehrssicherheit sorgen – just nachdem ihnen die gesetzliche verordnete Einnahmequelle der Zwei-Phasen-Ausbildung wegbricht –, so wären sicher auch Velokurse für Rentner ein empfehlenswerter Ansatz. Genauso wie eine Interpretationsschulung für Statistiken.

2 Kommentare

  1. Verkehrsteilnehmer, welche sich nicht bewusst weiterbilden, wissen auch heute noch nicht, wie man durch einen Kreisel fährt. Und wer mit Jahrgang 1980 und älter hat schon einmal eine Vollbremsung mit und ohne
    ABS absolviert und erschrickt nicht, wenn seine Bremsen stottern ? Das ergibt mindestens eine fatale zusätzliche Schrecksekunde !
    Ich selbst fahre seit 1968 und absolvierte mit jedem neuen Auto einen (Winter)-Kurs auf Anlagen wie Veltheim oder Betzholz.
    ich finde, jeder Verkehrsteilnehmer sollte alle 5 – 10 Jahre eine Fortbildung besuchen.

    Rentner, welche sich nach X veloabstinenten Jahren auf ein E-Bike schwingen, handeln ebenso fahrlässig
    wie ein Snow-Free-Rider in Lawinenhängen. Die sollten bei Unfallkosten einen riesigen Selbstbehalt bezahlen müssen.

    • Da kann ich voll und ganz w.haigis beipflichten.wenn ich heute sehe ,wie wenig geblinkt und falsch oder gar nicht eingespurt wird,besteht hier ein unglaublich grosses ausbildungspotential.es scheint,dass fast nur noch an sich selbst gedacht wird.ganz zu schweigen von den lärm-und beschleunigungsorgien,am liebsten in den tunnels,um die unsäglichen klappenauspuffe und ps monster allen korrekten automobilisten vorzuzeigen.

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