VW Arteon Shooting Brake im Test: eleganter Komfort

Was macht einen echten ­Volkswagen aus? Erfüllt der Arteon Shooting Brake die Kriterien? Der Test zeigt es.

Volkswagen lancierte den Arteon 2016 als gemeinsamen Nachfolger des CC und des Phaeton. Beide waren Nischenprodukte, und gerade der grosse Phaeton war ein ziemlicher Stretch des Begriffs Volkswagen. Wie sieht das beim Arteon aus – ist der ein echter Volkswagen?

Da stellt sich die Frage: Wie definiert sich ein solcher? Über den Preis? Den Nutzwert? Oder einfach über die Nachfrage? Wenn es Letzteres sein sollte, lässt sich die Frage leicht beantworten: Mit bloss 29 verkauften Einheiten seit Anfang Jahr liegt der Arteon in der Verkaufsstatistik von Auto-­Schweiz auf Platz 190. In diesem Punkt hat er den Volkswagen-Test nicht bestanden.

Der Unterschied zur Limousine

Um hingegen den Nutzwert zu steigern, hat VW mit dem dezenten Facelift im Juni 2020 ein starkes Argument draufgelegt: den Arteon Shooting ­Brake. Streng genommen ist der zwar kein Shooting Brake, sondern einfach ein Kombi, das sei aber verziehen, schliesslich nimmt das Mercedes mit dem CLS seit gut einem Jahrzehnt nicht so genau.

So oder so, das neue Heck bringt dem Arteon einen Zuwachs des Ladevolumens von 80 Litern gegenüber der Limousine. Dass es nicht mehr ist, überrascht erst einmal, schliesslich ist das Heck des Shooting Brake doch deutlich voluminöser. Die höhere Ladeöffnung und die herunterklappbare Rückbank sorgen auch für ein grosses Plus beim Alltagsnutzen. Die hohe Dachlinie hat auch noch einen zweiten angenehmen Nebeneffekt: Die Kopffreiheit auf den Rücksitzen steigt auf 96 Zentimeter. So holt sich der Kombi locker den Nutzwertpunkt. Der Shooting Brake sieht aber auch einfach elegant aus.

Der Motor und das Fahrwerk

Der Arteon basiert trotz seiner 2840 Millimeter Radstand und des gehobenen Charakters noch auf der MQB-Plattform. Das bedeutet auch: Reihenvierzylinder. Die allerneueste Spitzenmotorisierung, der Arteon R mit 320 PS, steht erst in diesen Tagen bei den Händlern, bis vor Kurzem war unser Testwagen mit 280 PS noch die Speerspitze. Dass ein Reihenvierzylinder mit dem zwei Tonnen schweren Schlachtschiff klarkommt, ist eine sehr optimistische Annahme. In unserem Test der Limousine mit 272 PS wurde denn auch exakt dies bemängelt. Inzwischen hat der Arteon um acht PS – die machen aber kaum den Unterschied – sowie 50 Nm zugelegt. Damit ist es für den in Emden produzierten Wolfsburger kein Problem, die Werksangabe von 5.5 Sekunden für null bis Tempo 100 zu bestätigen. Mit dem langen Radstand und hohen Gewicht ist der Arteon jedoch kein Freund der Kurvenjagd, sondern ein gehobener Komfortkombi. Auch das ist keine Überraschung.

Der Preis

Und ist der Preis volkstauglich? Erstaunlicherweise ja. Besser gesagt: je nach Konfiguration. Den Arteon Shooting Brake gibt es ab 59 900 Franken. Wer einfach nur einen Kombi will, kann auch zu einem Golf Variant greifen, den gibt es schon für rund die Hälfte davon. Oder zur Konkurrenz aus Frankreich oder Japan, da wird es noch günstiger. Spannend ist aber etwas anderes: Für unseren 280-PS-Arteon werden mindestens 63 500 Franken fällig, mit Optionen sind es 78 417 Franken. In diesem Leistungsspektrum ist das Konkurrenzfeld beschränkt – und auch nicht günstiger.

Testergebnis

Gesamtnote 76.0/100

Antrieb

Bewertung: 4 von 5.

Der 2.0 TSI mit 280 PS und 400 Nm drückt den Kombi ohne übertriebenen Sportcharakter ordentlich vorwärts.

Fahrwerk

Bewertung: 3.5 von 5.

Das Fahrwerk ist komfortabel, der Radstand lang: Dynamische Kurvenfahrten sind nicht die Stärke des Arteons, trotz 280 PS.

Innenraum

Bewertung: 4 von 5.

Viel Platz auf allen Sitzen und im Kofferraum zeichnen den Shooting ­Brake aus. Die Materialien und Verarbeitung überzeugen.

Sicherheit

Bewertung: 3.5 von 5.

Das übliche Problem von VW: Die Assistenzsysteme sind zahlreich, leiden aber an teilweise gravierenden Kinderkrankheiten.

Budget

Bewertung: 4 von 5.

Ja, knapp 80 000 Franken sind viel, liegen aber für einen eleganten 280-PS-Kombi auch nicht über dem Durchschnitt.

Fazit 

Wer es günstig will, wählt sicher nicht den Arteon Shooting Brake, schliesslich gibt es den Superb mit demselben Motor für weniger Geld. Der ist dann aber halt auch deutlich weniger elegant.

Die technischen Daten und unsere Testdaten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe der AUTOMOBIL REVUE.

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