Dacia Duster: Aufwertung nach Mass

Nach einer sanften Überarbeitung bietet der Dacia Duster nun noch mehr für weiterhin sehr wenig Geld.

Autor: Dave Schneider

Es sind die immergleichen Stereotypen, wenn es um Dacia geht. Rumänische Billigmarke, alte Renault-Technik, zwar solide, aber eben – billig. Damit tut man der Renault-Tochter aber unrecht. Natürlich ist Dacia nach wie vor eine Low-Budget-Marke. Doch anders als bei Billig-Airlines, wo man für sehr wenig Geld auch sehr wenig bekommt, ist das bei Dacia längst nicht mehr so. Günstig sind die Autos aus Rumänien nach wie vor, erstaunlich günstig. Doch man erhält viel für sein Geld. Erstaunlich viel.

Viele kaufen heute einen Dacia, weil er alles bietet, was ein Auto bieten muss, und weil sie nichts für Markenprestige oder unnötigen Schnickschnack ausgeben wollen. Dass dieses Angebot auf ein grosses Bedürfnis stösst, zeigen die Verkaufszahlen seit Jahren eindeutig. So hat sich die Renault-Tochter längst zur Trendmarke gemausert: Man kauft einen Dacia, weil man ihn haben will, und nicht, weil man sich nichts anderes leisten kann.

Markenikone

Kein Modell demonstriert das besser als der Duster. Das kompakte SUV erfreut sich seit 2010 grosser Beliebtheit, wurde seither fast zwei Millionen Mal verkauft. Nun wurde er zur Mitte des Modellzyklus sanft überarbeitet und einem Facelift unterzogen. Eine neue LED-Lichtsignatur vorn und hinten, ein leicht geänderter Kühlergrill, neue Kopfstützen und Sitzbezüge – mehr war nicht nötig, um den Duster optisch ins Hier und Jetzt zu holen. Zu viel wollte man auch gar nicht verändern. «Der Duster entwickelte sich zur Ikone der Marke», sagt Dacia-Vizepräsident Lionel Jaillet. «Umso grösser war die Herausforderung, diese Ikone zu erneuern.»

Technisch hingegen passierte etwas mehr, obwohl man auch da zurückhaltend war. «Wir veränderten nur das, was ein Grossteil der Kunden geändert haben wollten», erklärt Pressesprecher Christophe Lavauzelle. Zunächst wurden dem Duster Voll-LED-Scheinwerfer spendiert, und zwar serienmässig in allen Varianten. Fürs Gelände gibt es nun vier Kameras rundherum, damit man ein Hindernis auch erkennen kann, wenn es sonst ausserhalb der Sicht wäre. Und im Gelände schlägt sich der Duster mit 4×4-Antrieb erstaunlich gut. Zum Parkieren wird nach wie vor die Rückfahrkamera genutzt, neu zeigen Leitlinien an, wohin man lenkt. Der Tempomat wird neu nicht mehr umständlich über einen Satelliten bedient, sondern bequem über Tasten am Lenkrad.

Im Innenraum fällt zunächst die neue Konsole zwischen den Vordersitzen auf, die eine verschiebbare Armauflage und ein 1.1 Liter grosses Staufach bietet. Im Fond gibt es nun genauso wie vorn zwei USB-Anschlüsse. Ausserdem, und das ist im digitalen Zeitalter besonders wichtig, ist ein neues Infotainmentsystem mit Acht-Zoll-Touchscreen im Angebot. Es gibt davon zwei Varianten, die teurere bietet sogar kabellose Konnektivität mit Apple Carplay und Android Auto.

Am Fahrwerk wurde nichts verändert, dafür ist die Antriebspalette komplett neu. Im Angebot sind ein Einliter-Dreizylinder mit 67 kW (90 PS), ein 1.3-Liter-Vierzylinder mit 96 kW (130 PS) oder 110 kW (150 PS) sowie ein 1.5-Liter-Diesel mit 84 kW (114 PS); die beiden Letzteren sind optional auch mit Allradantrieb erhältlich. Neu ist auch das Sechsgang-­Doppelkupplungsgetriebe EDC, das aber nur für den Topbenziner mit Frontantrieb angeboten wird. «Mit Blick auf alle 44 Märkte haben wir uns so entschieden», rechtfertigt Produktmanager David Michel diese Strategie. «Wir müssen in solchen Sachen pragmatisch sein.» Die Schweizer Händler und Kunden werden dies bedauern, hatte der Duster hierzulande doch bisher einen Allradanteil von 90 Prozent. Da sich nun einige für das EDC entscheiden werden, rechnet Dacia Schweiz künftig noch mit 65 Prozent 4WD.

Ein Schnäppchen für Clevere

In der stärksten Benzinvariante zeigt sich der Duster bei der Fahrt nach wie vor als sehr angenehmer Begleiter. Er federt komfortabel, lässt sich in Kurven spielend handhaben und überrascht mit vergleichsweise moderaten Fahrgeräuschen. Der Turbobenziner wirkt spritzig und beschleunigt in Kombination mit dem Doppelkupplungsgetriebe in jeder Fahrsituation ausreichend flott. Er passt gut zu diesem kompakten SUV, das eigentlich doch eher ein kleiner Offroader ist, zu diesem Low-Budget-Auto, das eigentlich doch eher ein Schnäppchen für Clevere ist. Dank der Modellpflege und der neuen Antriebspalette ist der Duster jedenfalls prima gerüstet für die nächsten Jahre.

Die technischen Daten zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper der AUTOMOBIL REVUE.

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