Ford Mustang Mach 1: Schallgeschwindigkeit

Der Ford Mustang hält die Fahne der Muscle Cars hoch. Vor allem als Sondermodell Mach 1 entwickelt er seine Kardinaltugenden weiter und macht sie fit für die Neuzeit – zumindest fast.

Lange 18 Jahre sind seit der letzten Version vergangen. Wobei es überhaupt erst das dritte Mal nach 1969 und 2003 ist, dass es dieses Sondermodell des Ford Mustang gibt. Mach 1 steht in der Physik für die Schallgeschwindigkeit. Ganz so schnell ist der Ami natürlich nicht. Umso weniger, als sich das heckgetriebene Coupé wahrlich schwertut, die Kraft auf die Strasse zu bringen. Umso stürmischer vermittelt es dafür sämtliche Tugenden eines typischen Muscle Cars und erobert so jedes Herz.

Damals fungierte der Mach 1 als Brücke zwischen der Basis und den Shelby-Modellen. Heute hat er den im vergangenen Jahr ausgelaufenen Shelby GT350 (und den Bullitt) abgelöst. Darüber fungiert nur noch der Shelby GT500 und all seine verschiedenen Sondermodelle, die in der Schweiz jedoch nur über Direktimport erhältlich sind.

Allen gemein ist der archaische V8-Motor. Der Mach 1 erbte einige Teile, Ansaugkrümmer, Ölfilteradapter und Motorkühler, des GT350, sodass trotz Partikelfilters etwas mehr Leistung erzielt werden konnte. In den USA liefert der Mach 1 487 PS und 569 Nm, in Europa ist er zur Einhaltung der Emissionsvorschriften auf 338 kW (460 PS) und 529 Nm gedrosselt. Was nur zehn PS mehr ergibt als beim normalen Mustang GT.

Wohlklingende Drehorgel

Darüber wollen wir uns aber gar nicht beschweren, zumal er etwas weniger Durst hat als das amerikanische Pendant. Immer noch sehr stolze 11.1 Liter waren es auf der AR-Normrunde, wobei die Verbrauchswerte bei dieser Art von Auto eher eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtiger ist die Tatsache, wie gut der Fünfliter im Saft steht, dass er – anders als wohl die kommende Modellreihe – noch ganz ohne Elektrounterstützung auskommt und wie er mit seinem unverkennbaren Charakter eines Saugmotors begeistert. Da der rote Bereich erst bei 7000 U/min beginnt und die Maximalleistung gar erst bei 7250 U/min anliegt, wollen die Gänge ordentlich ausgefahren werden. Allerdings bringt die Hinterachse die Kraft trotz des serien­mässig verbauten Sperrdifferenzials unter nicht optimalen Bedingungen nur mühsam auf den Boden, was den Mach 1 bei flotter Gangart durchaus zickig macht. Angenehm ist deshalb, dass unter 3000 Umdrehungen wahrlich nicht viel, ja gar erstaunlich wenig passiert. Das macht den Mustang im Alltag wiederum sehr entspannt und einfach zu fahren. Darüber hinaus oder im Rennstrecken-Modus reagiert der Mach 1 gierig auf Gasstösse und dreht schön hoch. Begleitet wird das von einer lauten, aber nie aufdringlichen Geräuschkulisse durch die speziell entwickelte Klappenabgasanlage.

Inbegriff der Performance

Dabei wird er nie allzu brachial – was er aber auch gar nicht muss. Zu indirekt, zu schwammig und zu gemütlich ist alles ausgelegt. Zumindest gemessen daran, dass Ford beim limitierten Mach 1 vom Inbegriff der Performance und vom rennstreckentauglichsten Mustang aller Zeiten spricht. Letzteres mag wohl stimmen, der Mach 1 ist in allen Belangen einen Tick härter und präziser abgestimmt als der GT. Das adaptive Magneride-Fahrwerk ist Standard, wurde neu justiert und um straffere Federraten sowie grössere Querstabilisatoren ergänzt. Im Zusammenspiel mit einer verfeinerten, aber nach wie vor etwas laschen Lenkung und der gesteigerten Aerodynamik kann der Mach 1 durchaus sehr schnell bewegt werden. Eine so grosse Spreizung wie so mancher Konkurrent bietet er allerdings nicht. Zudem gibt es vergleichbare Coupés, die sowohl komfortabler als auch agiler und leichtfüssiger unterwegs sind.

Was wiederum nicht bedeutet, dass sich der Mustang nicht auch auf Sportlichkeit versteht. Auf Knopfdruck gehen mit ihm sämtliche Pferde durch. Im Drag-Modus werden Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung optimal auf die Beschleunigung auf der Geraden eingestellt. Um vorher die Hinterreifen auf Temperatur zu bringen, gibt es in allen Mustang-Modellen die Line-Lock-Funktion, mit der die Vorderräder eingebremst werden, während die unabhängig geführte Hinterachse spielerisch einfach ein Burn-out vollzieht. Beide Funktionen sind im Mustang-Universum nichts Neues, was der Begeisterung über diese im normalen Leben kaum irgendwann sinnvoll verwendbaren Spielereien keinen Abbruch tut. In Amerika gehören solche Dinge nach wie vor zum guten Ton. Kein Vergleich zu den teilweise fast klinischen Sportgeräten europäischer Hersteller.

Typisch amerikanisch

So stört es denn weniger, dass auch im Innern Amerika durchdrückt. Typischerweise gibt es vorne ausreichend Platz. Die bequemen, beheizten und belüfteten Sitze sind mehr Kinosessel denn Sportgestühl. Selbst der Fond ist für ein Coupé dieser Art üppig bemessen, trotzdem taugen die beiden Sitze höchstens für den Notfall. Dafür überzeugt der Stauraum, der von den einzeln abklappbaren Rücksitzen profitiert. Das Kofferraumvolumen von 408 Liter erhöht sich so deutlich und praktikabel.

Ohnehin scheint der Funktionalität ein grosser Stellenwert eingeräumt geworden zu sein. Alles liegt angenehm in der Hand, ist gut erreichbar und überzeugt mit seiner Positionierung. Im Wesentlichen ist das Cockpit im Mach 1 noch dasselbe, das es bereits 2015 bei der Einführung der aktuellen Generation war. Grösste Neuerung ist eine voll­digitale 12.3-Zoll-Display-Einheit, die sich hinter dem Lenkrad erstreckt. In der Mittelkonsole wurde der Bildschirm für das Infotainmentsystem etwas grösser und läuft mit Ford Sync 3. Dessen Bedienbarkeit ist angemessen, kann aber keineswegs mit dem Funktionsumfang der neusten Genera­tion mithalten. Dazu gesellen sich nach wie vor (zu) viele Tasten, alles wirkt mehr zweckmässig als fili­gran. Und wer nur ein klein wenig genauer hinschaut, findet hie und da offenliegende Kabelstränge, beispielsweise unter den Sitzen oder im Kofferraum. Gepaart mit viel hartem Plastik ergibt das eine Atmosphäre, die etwas altbacken wirkt und den europäischen Standards hinterherhinkt, was natürlich aber auch dem Preis geschuldet ist.

Für 68 900 Franken gibt es sonst nirgendwo mehr einen vergleichbaren Fünfliter-V8. Das gilt überdies umso mehr für den GT, der rund 7000 Franken weniger kostet. Wobei die Preisdifferenz insofern etwas relativiert wird, als dass der Mach 1 ein höheres Ausstattungsniveau mitbringt. Trotzdem: Der Mustang ist für seine Verhältnisse in den letzten Jahren teuer geworden. Damals, 2015, wurden für den Basis-V8 lediglich 43 000 Franken verlangt.

Keine ernstzunehmende Option

So zeichnet sich das Sondermodell Mustang Mach 1 vor allem durch Details aus. Äusserlich erinnert Ford zum krönenden Abschluss der sechsten Generation – Gen 7 wird vermutlich gegen Ende des kommenden Jahres anrollen – an die glorreichen, alten Zeiten. Die in den Kühlergrill integrierten Aussparungen, früher waren dort die Nebelscheinwerfer, sind eine Hommage an 1969, der Name sowieso, auch die schwarzen Zierelemente über die gesamte Karosse gab es in Erinnerung an den Rennsport bereits vor 50 Jahren. Dazu gehören auch die Schriftzüge an den Seiten und am Heck.

Im Armaturenbrett gibt es einige Zierleisten in dunklem Aluminium, vor dem Beifahrersitz zeigt eine spezielle Plakette die Produktionsnummer des jeweiligen Fahrzeugs. Zu den weissen Ziernähten gesellt sich der weisse Knauf des phänomenalen Sechsgang-Handschaltgetriebes aus dem Shelby GT. Es ist mit einer Schaltwegverkürzung und ­einer besonders belastbaren Zweischeibenkupplung versehen. Drehzahlangleichung und Direktschaltfunktion sorgen für sanfte Gangwechsel auch bei sportlicher Fahrweise. Die Gassen sind gut geführt, die Wege kurz. Viel geschaltet muss durch die (zu) hohe Elastizität – Autobahntempo lässt sich selbst im zweiten Gang fahren – eigentlich nicht werden, man tut es aber einfach, weil es viel Spass macht: Einerseits will der Motor trotz Drehmoments satt bei Laune gehalten werden. Andererseits ist das Getriebe knackig, präzise, butterweich, fordert aber auch die genau passende Vehemenz. Als Ergänzung gäbe es auch eine Zehngang-­Automatik, die allerdings im Gesamtkontext dieses Fahrzeugs eher keine ernst zu nehmende Option darstellt. Zu gut steht der beinahe nostalgische Charakter dem Mach 1. Schade, dass es wohl der Letzte in dieser Form sein wird.

Testergebnis

Gesamtnote 77/100

Antrieb

Bewertung: 4.5 von 5.

Überragend. Der V8-Motor allein ist ein Kaufgrund. Das leider zu lang übersetze Schaltgetriebe unterstreicht seinen kräftigen Charakter.

Fahrwerk

Bewertung: 4 von 5.

Ausgewogen. Der Mach 1 ist einen Tick härter und präziser abgestimmt als der GT, aber nach wie vor nicht ultrasportlich ausgelegt.

Innenraum

Bewertung: 3.5 von 5.

Veraltet. Amerikanischer Charme hin oder her, innen gibt es etwas gar viel tristes Hartplastik. Dazu gesellen sich teilweise offenliegende Kabelstränge. Alles für die Fahrt Wesentliche ist von ansprechender Qualität. 

Sicherheit

Bewertung: 3.5 von 5.

Ausbaufähig. Fahrassistenzsysteme sind nicht gerade in Fülle vorhanden, beispielsweise fehlt ein adaptiver Tempomat oder ein Totwinkelassistent.

Budget

Bewertung: 4 von 5.

Teuer. Aber statt eines GT mit zusätzlichen Aussattungsoptionen erhält man mit dem Mach 1 zum fast selben Endpreis das bessere Paket. Denn auch der Basis-Mustang ist seit der Einführung der aktuellen, sechsten Generation 2014 fast 10 000 Franken teurer geworden.

Fazit 

Auch wenn er nicht mehr so günstig zu haben ist wie noch vor Kurzem, bietet der Ford Mustang nach wie vor eine der preiswertesten Gelegenheiten auf einen V8-Motor. Als Mach 1 ist er etwas sportlicher, aber nicht kompromisslos. Damit adaptiert er die Tugenden eines US-Muscle-Cars noch besser an die Schweiz. Wer will, kann sowohl gemütlich dahinrollen als auch schnell davonröhren. Nun definitiv auch auf kurvigem Terrain.

Die technischen Daten und unsere Messwerte zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper der AUTOMOBIL REVUE.

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