Ford S-Max: mixed to the Max

Minivans haben es schwer, sie sind eine aussterbende Gattung oder mussten zu einem Zwischending mutieren. Der S-Max aber bleibt der Idee kompakter Minivans treu.

Mehr Platz auf Kosten des Zeitgeistes? Ja, der Ford S-Max schert sich wenig darum, dass bei Familienfragen in Sachen Auto meistens dem SUV der Vorzug gegeben wird. Tatsächlich spricht vieles noch immer für seine Art von Auto. Mit dem einzigen nun verbliebenen Benzinmotor im Angebot, dem 2.5-Liter-Duratec-Vollhybrid, der nach dem Atkinson-Prinzip arbeitet, begibt sich Ford aber auf ein recht einsames Feld. Allerdings sind die Absichten determiniert, statt im mexikanischen Chihuahua wird der Motor für Europa ab Ende 2022 in Valencia (E) gebaut – trotz Fords Absicht, ab 2030 nur noch elektrische Autos zu bauen. Wer hingegen weder über eine Lademöglichkeit am Wohnort verfügt noch eine gewisse Regelmässigkeit des Fahrzeuggebrauchs, wie es Steckerfahrzeuge verlangen, erreicht, dem dient der Vollhybrid perfekt. Alles, was es zu tun gibt, ist zu tanken.

Elektrisch kompensiert

Der vergleichsweise grosse Motor bietet 140 kW (190 PS) Systemleistung. Durch die überlange Öffnung des Einlassventils beim Atkinson-Prinzip geht ein Teil der Leistung verloren, dafür steigt die Effizienz. Als Vollhybrid kompensiert der Elektromotor einen Teil dieser Leistungseinbusse. Der Antrieb erfolgt bei Ford über ein CVT mit simulierten Schaltstufen.

In der Praxis ergibt sich so ein sehr unaufgeregter, aber dennoch dynamischer Fahrstil. Die Leistungsentfaltung ist sehr linear, bei geringen Geschwindigkeiten kommt nur der E-Motor zum Einsatz. Als wirkungsvolles Detail erweist sich die Anzeige über die Energieströme im Auto. Man ist geneigt, stets das Optimum herauszuholen. Beim Bremsen und im Segelmodus rekuperiert der Motor und sorgt dafür, dass man sich nicht um den Ladezustand der 1.1-kWh-Lithium-Ionen-Batterie zu kümmern braucht. Diese ist, erfreulich und unerwartet angesichts des grosszügigen Raumangebots, unter dem Wagenboden und nicht unter dem Kofferraum verbaut. Überhaupt zeigen sich die Vorteile einer Fahrzeugarchitektur, die auf eine erhöhte Dachlinie setzt, deutlich. Obwohl die Grundfläche nur der eines Kompakt-SUV entspricht, bietet der S-Max deutlich mehr Innenraum. Das Ladevolumen bei abgeklappten Sitzbänken beträgt 2020 Liter. Und selbst wenn der S-Max mit sieben Personen belegt ist, gibt es noch 285 Liter Stauraum hinter der elektrischen Kofferraumklappe.

Auch erfreulich: Der Nutzwert des S-Max wird nicht durch eingeschränkten Fahrspass getrübt. Der kleine Grosse unter den Familienautos zeigt auch dem Kapitän am Lenkrad seine gute Seite und bietet eine Lenkung mit ordentlichem Feedback, ein ansprechendes Fahrwerk, das sich Fahrkomfort nicht mit Wanken und Schaukeln erkauft, und eine Bedienung, die ihn nicht dauernd davon abhält, sich um die Belange der Mitfahrenden kümmern zu können. Wer nicht jedem Trend hinterherläuft, aber dennoch seine Verantwortung, auch für die Familie, tragen will und mit einem Steckerfahrzeug an Grenzen stösst, dem legen wir den Ford S-Max FEHV ans Herz.

Testergebnis

Gesamtnote 77.5/100

Antrieb

Bewertung: 3.5 von 5.

Laufruhiger Motor, der sich nie in den Vordergrund drängt. Moderate Leistung ist dem Fahrzeugcharakter bestens angepasst.

Fahrwerk

Bewertung: 3.5 von 5.

Ein guter Kompromiss zwischen Komfort und Strassenlage, routiniert abgestimmt.

Innenraum

Bewertung: 4 von 5.

Erwartungsgemäss hohes Raumangebot, die dritte Sitzreihe ist etwas für mitgeführte Kinder, sehr grosszügiges Raumgefühl.

Sicherheit

Bewertung: 4 von 5.

Vollständiges Assistenzangebot ohne gravierenden Lücken.

Budget

Bewertung: 4 von 5.

Gemessen am Platz ein erfreuliches Preisgefüge ohne Premiumzuschlag.

Fazit 

Der Vollhybrid braucht nur eine Tankstelle und ist dank des Atkinson-Prinzips auch sparsam. Das Raumangebot spricht für sich und all jene, die kein SUV wollen. Allerdings ist diese Nische nur noch klein.

Die technischen Daten und unsere Messwerte zu diesem Modell finden Sie in der gedruckten Ausgabe und im E-Paper der AUTOMOBIL REVUE.

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