Auf Familie getrimmt

Der Dacia-­Palette tut ein geräumiges und vielseitiges Fahrzeug gut. Der Jogger ist wie ein Schweizer Taschenmesser, er bietet viele Möglichkeiten.

Man nehme die Front des Sandero, das Heck eines Kombis, erhöhe das Ganze und überbacke alles mit etwas Fantasie und bewährter Qualität zu einem konkurrenzlos günstigen Preis. So erhält man den potenziell zukünftigen Bestseller mit dem Namen Jogger! Die Kombis, Minivans und Freizeitvans der Marke, der Logan MCV, der Lodgy und der Dokker, wurden allesamt aus dem Programm gestrichen, womit Dacia vor allem Familien quasi ausgeladen hat. Aber der Jogger, dieses völlig neue Angebot, dürfte Familien wieder ein Lächeln in die Gesichter zaubern. Nicht zuletzt der vielen Trümpfe wegen, die er bereithält.

Bisher war Dacia lediglich in den Segmenten A (mit dem Spring) und B (mit den übrigen Modellen) vertreten, jedoch nicht im C-Segment, obwohl dieses gerade in Westeuropa das grösste ist. Deshalb drehte Dacia im Fall des Jogger eine Extrarunde: Er basiert auf der Plattform des Clio und des Sandero, der CMF-B-Plattform. Für das Familienauto im C-Segment wurde die Plattform aber verlängert. Mit 4.55 Metern ist der Jogger nun der längste Dacia. Dank des bescheidenen Gesamtgewichts von 1300 Kilogramm begnügt er sich mit den kleinen Motoren. Der Jogger nutzt ausserdem die neue Technologie dieser modernen Plattform und profitiert deshalb auch bezüglich Sicherheits- und Komfortausrüstung. Soweit das Fundament der Familienkutsche. Der Schweiss hat sich demnach gelohnt.

Abenteuerliches Design

Aber gehen wir noch etwas mehr auf das Design ein. Bis zum Ende der vorderen Fahrertür wurden die Karosserieelemente des Sandero übernommen. Ab der B-Säule gibt es nun aber vier Zentimeter mehr Platz für die grösseren Türen hinten. Das Heck mit den Y-förmigen Rückleuchten – der neuen Lichtsignatur der Marke – ist ebenfalls neu. Die Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und die schwarzen Kunststoffelemente, markant vor allem an den Kotflügeln, unterstreichen den Abenteurer-Look des Modells. Der Jogger ist eigentlich kein SUV, eher ein Minivan, der aussehen möchte wie ein SUV – und sich bezüglich des Designs das eine oder andere bei SUV-Konkurrenten abgeschaut hat. Der Allrounder mit dem hybriden Design boote die anderen Modelle der Marke aber nicht aus, sagt David Durand, Designdirektor von Dacia: «Für uns war es nicht unmöglich, die Länge eines Kombis und die Geräumigkeit eines Freizeitvans mit dem Look eines SUV zu verbinden. Das vereint die qualitativen Vorteile jeder Stylingart. Der Duster ist ein echter Geländewagen und der Sandero das kleine Familienmodell, sodass der Jogger deren Absatzziele nicht stört. Im Gegenteil, er füllt unsere Angebotslücke.»

Dieses neue Modell ist für Familien, die es vorziehen, auf asphaltierten Strassen unterwegs zu sein. Nach unserer ersten Ausfahrt mit dem Jogger kann man sagen, dass er die Erwartungen erfüllt. Die Strassen im Hinterland von Nizza (F) meisterte er als gute Strassenlimousine trotz der komfortablen Fahrwerksabstimmung mit geringen Wankbewegungen. Der Dreizylinder-Turbobenziner mit 110 PS ist neu in der Dacia-Motorenpalette. Ab 2000 Umdrehungen arbeitet das Aggregat in seiner Komfortzone, die es erst ab 6000 U/min wieder verlässt. Der Jogger ist kein Sportler, aber erfüllt seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit, und er zeigt sich bei entspannter Fahrweise von seiner besten Seite. Das maximale Drehmoment ist bereits ab 1750 U/min verfügbar. Voll beladen dürfte der Jogger ins Schnaufen kommen. Bis 2023 gibt es ihn nur mit einer manuellen Sechsgang-­Schaltung, später kommt ein Hybridmodell mit 140 PS und einer serienmässigen Automatikschaltung hinzu. Die Erdgas-Version schafft es nicht bis in die Schweiz. Laut Bordcomputer betrug der Verbrauch auf einer Strecke bestehend aus Landstrasse, etwas Autobahn und Stadtverkehr 5.7 l/100 km. Das entspricht der Werksangabe, muss allerdings anlässlich eines echten Tests bestätigt werden. 

Wie in einem Amphitheater

Die grosszügigen Platzverhältnisse sind die eindeutige Stärke des Jogger. Die vorderen Sitzplätze sind identisch mit denen des Sandero. In der zweiten und (optionalen) dritten Reihe – die wie in einem Amphitheater am höchsten positioniert ist – finden alle Insassen genügend Platz und Komfort. Auf den hinteren Plätzen sitzt ein Erwachsener auch in der Bankmitte gut, für Kopf und Beine gibt es genügend Freiraum, auch wenn die Knie wegen der niedrigen Sitzposition stärker angewinkelt werden müssen. Platzangst braucht man dank der grosszügigen Verglasung nicht zu haben.

Hinter der dritten Reihe bleibt wenig Platz für das Gepäck (160 l). Die dritte Sitzreihe kann aber auch abgeklappt oder sogar herausgenommen werden. Das Gewicht von zirka zehn Kilogramm ist dabei kein schwerwiegendes Hindernis. Das Ladevolumen steigt bei ausgebauter dritter Sitzreihe auf 2094 Liter. Genügt das nicht, dann kann man ausserdem einen gebremsten Anhänger mit 1200 Kilogramm (ungebremst 625 kg) ziehen, und dank der patentierten Dachreeling können weitere
80 Kilogramm auf dem Dach transportiert werden. All diese Stärken machen den Jogger mit ­einem Einstiegspreis von 15 990 Franken für den Fünsitzer oder 16 790 Franken für den Siebenplätzer zu einem attraktiven Angebot für die Kunden – Dacia freuts.

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