L wie … Komfort

Der Opel Astra L hat wenig mit seinem Vorgänger gemein. Eine neue Plattform, neue Antriebe und ein gehobenes Fahrgefühl zeichnen den kompakten Dauerbrenner aus.

0pel Astra L heisst die neueste Generation des Kompaktwagens aus Rüsselsheim. L wie Luxus? Nicht ganz – K wie Komfort wäre treffender, aber dafür kommen wir jetzt eine Modellgeneration zu spät. Ganz falsch ist es trotzdem nicht, denn der neue Astra ist mit Sicherheit der komfortabelste und hochwertigste in der langen Geschichte des Modells. Dazu hat Opel gegenüber dem Vorgänger so gut wie keinen Stein auf dem anderen gelassen. Das zeigt sich bereits auf den ersten Blick. Die Front trägt den neuen Vizor, die Verbindung der Scheinwerfer in Klavierlack, die man von Mokka und Grandland bereits kennt. An der C-Säule erkennt, wer genau hinschaut, kleine vertikale Kiemen. Genauso wie der Vizor inspiriert ist vom Manta, sind auch diese Kiemen eine Hommage an ein früheres Modell: Bereits der Opel Kadett B trug die angedeuteten Entlüftungsschlitze an der C-Säule, die ihm den sprechenden Namen Kiemencoupé einbrachten.

Opel ist denn auch sichtlich stolz auf die Vergangenheit des Astra und seines Vorgängers Kadett. Und das nicht ohne Grund: Mit 22 Baureihen ist der Astra/Kadett mit Abstand das meistgebaute Modell der Marke. Mit der Generation L wird jetzt ziemlich vieles neu. Mit der Übernahme durch PSA beziehungsweise heute Stellantis kommt Opel in den Genuss von neuen Plattformen. Wie das Schwestermodell von Peugeot, der 308, baut auch der Astra auf der EMP2-Plattform auf. In der Plattformabstimmung zeigen sich aber einige Unterschiede zwischen den beiden, vor allem beim Fahrwerk. Opel nennt das provokativ, man habe ihn «autobahntauglich gemacht». Auf den ersten Testfahrten mit dem neuen Astra zeigt sich sehr schnell, was das bedeutet. Der Langstreckenkomfort ist ausgezeichnet, die Laufruhe ebenso. Und dies, obwohl das Fahrwerk relativ straff abgestimmt ist, sodass das Auto eben auch bei deutsch-dynamischer Fahrweise satt auf der Strasse liegt.

Hochwertiger Innenraum

Auch im Innenraum bedient sich Opel der Stellantis-Komponenten. Aber trotzdem, oder gerade deswegen, wird alles neu. Das Infotainment kennt man bereits, jedoch wurden die Menüführung und die Optik leicht verändert – und die Anzahl Knöpfe reduziert. Bloss noch wenige Schnellwahltasten sind vorhanden, dazu die Bedienung für Klimaanlage und Sitzheizung. Die Bedienung erfolgt intuitiv und flüssig, einzig das Navi zeigte sich hin und wieder wenig reaktiv und benötigte längere Ladezeiten, was im Stadtverkehr gelegentlich für Verwirrung sorgen kann. Zum Thema Konnektivität: In allen Ausstattungslinien sind kabelloses Apple Car Play und Android Auto serienmässig dabei. Auch die elegante Purepanel-Anzeige hält Einzug, die den Infotainment-Touchscreen optisch mit dem Kombiinstrument und den Lüftungsdüsen verbindet. Auffallend ist, dass die Qualität der Materialien gegenüber dem Vorgänger einen deutlichen Sprung gemacht hat, wenn auch der Plastikanteil immer noch sehr hoch ist. Insgesamt wirkt das neue Gestaltungs- und Farbkonzept stimmig.

Opel beweist erneut seine Kompetenz in Sachen Sitze und Sitzkomfort und bietet wieder Sessel mit Zertifizierung durch AGR (Aktion Gesunder Rücken) an, optional auch mit Heizung, Lüftung und Massagefunktion. Neu ist, dass sich diese nicht mehr nach einer bestimmten Zeit selbständig ausschaltet, wie das bisher der Fall war, sondern weiterläuft, bis sie manuell abgeschaltet wird. Langstreckentauglich eben. Das Platzangebot ist grosszügig mit einem Kofferraumvolumen von 420 Litern (VW Golf 8 380 l). Auch auf der Rückbank ist der Platz genügend, sowohl Knie- als auch Kopffreiheit reichen für Erwachsene aus.

Benzin, Diesel, Plug-in und Elektro

Zum Marktstart muss der neue Astra mit vier Motorisierungen auskommen: zwei Benziner mit 81 kW (110 PS) oder 96 kW (130 PS), ein Diesel mit mit 96 kW (130 PS) sowie ein Plug-in-Hybrid mit 132 kW (180 PS). Später sollen dann noch ein stärkeres PHEV mit 165 kW (225 PS) und natürlich der vollelektrische E-Astra folgen. Allradantrieb wird es in keiner der Versionen geben. Welche Motorisierung die richtige Wahl ist, hängt direkt vom Einsatzprofil ab, wie unsere ersten Testfahrten zeigten. Der Plug-in-Hybrid ist – bei geladener Batterie – klar am dynamischsten unterwegs trotz eines Leergewichts von gut 1.6 Tonnen. Elektro- und Verbrennungsmotor harmonieren, und die Übergänge sind sanft. Einzig beim Bremsen könnte der Übergang von Rekuperation zu mechanischer Bremse noch etwas harmonischer sein. Ist die Batterie leer, wird es etwas träger, da tut sich der 1.6-Liter trotz 110 kW (150 PS) etwas schwer, die Masse zu beschleunigen. Im vollelektrischen Modus sollen bis zu 60 Kilometer möglich sein, in der Praxis werden es wohl eher so 45 sein. Der wirklich «Autobahntaugliche», der für die Langstrecke, ist der 1.5-Liter-Vierzylinder-Diesel. Gekoppelt mit der Achtgang-Automatik lässt er sich äusserst unaufgeregt, entspannt und sparsam bewegen. Nach rund 30 Kilometern Autobahnfahrt stand der Verbrauch auf knapp 5 l/100 km. Die agilste Motorisierung ist naturgemäss der Benziner mit Sechsgang-Handschaltgetriebe. Dass das zusätzliche Drehmoment, das im PHEV der Elektromotor mitbringt, fehlt, macht sich beim Beschleunigen aus den Kurven bemerkbar. Da der Benziner mit 1.3 Tonnen fast 400 Kilogramm leichter ist, fährt er sich in den Kurven deutlich flüssiger.

Mit dem neuen Astra lanciert Opel Schweiz ­einen neue Modellstrategie. Diese umfasst die Ausstattungslinien Swiss, Swiss Plus und Swiss Premium. Die preiswerte Basisausstattung Swiss kommt unter anderem mit Rückfahrkamera und Sitzheizung, wer mehr Komfort und Technologie will wie beispielsweise das schönere Purepanel Pro, Matrixlicht, Head-up-Display oder AGR-Sitze, wählt Plus oder Premium. Die Preise für die Basisversion beginnen bei 28 780 Franken.

Auch als Elektro-Kombi

Parallel zum Fünftürer bringt Opel im Sommer auch wieder einen Kombi, genannt Astra Sports Tourer. Dieser weist einen um fünf Zentimeter längeren Radstand auf als seine kompakten Brüder und ist 27 Zentimeter länger (4.64 m). Der Kofferraum wächst auf 608 bis 1634 Liter (PHEV 1574 l). Die Motorisierungen werden die gleichen sein wie bei der Kompaktlimousine (Benziner mit 110 oder 130 PS, Diesel mit 130 PS, PHEV mit 180 oder 225 PS). Ab 2023 wird dann eine bisher noch kaum abgedecktes Segment bedient. Dann erscheint nämlich der E-Astra Sports Tourer. Wer heute einen batterieelektrischen Kombi sucht, wird nur im Porsche Taycan Sports Turismo fündig. Bereits 2023 soll das Angebot aber breiter werden, nicht zuletzt auch durch den französischen Astra-Bruder Peugeot E-308 SW.

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